Was machen Schatzsucher im Erzgebirge?

Die Rohstoffkarte des Erzgebirges mit den derzeit erforschten Vorkommen. Sie soll durch die anlaufende Schatzsuche erheblich erweitert werden.
Die Rohstoffkarte des Erzgebirges mit den derzeit erforschten Vorkommen. Sie soll durch die anlaufende Schatzsuche erheblich erweitert werden.

Freiberg - Steht dem Erzgebirge ein neues Berggeschrey bevor? In den kommenden Wochen ziehen Schatzsucher einer Freiberger Firma durch sämtliche Flüsse und Bäche der Region. Dort fahnden sie in den Sedimenten nach allen Metallen, die das Periodensystem der Elemente hergibt.

Edelmetalle werden sicher auch gern festgestellt. Vornehmlich geht es aber um das „Gold der Neuzeit“: Die „Seltene Erden“ genannnten Metalle, die in moderner Technik besonders gebraucht werden.

Im Goldfieber zogen einst die Schatzsucher mit einer Waschpfanne durch die Flüsse.

Mühevoll wurde der Sand so lange gesiebt, bis sich kleine Spänchen am Boden sammelten. Dann war Jubel angesagt. Heute ist es noch viel unspektakulärer:

Folgt ein neues Berggeschrey? Das „Gold der Neuzeit“ ruft. Damit kann man viel Kohle machen, ohne ein Kohlegesicht zu bekommen.
Folgt ein neues Berggeschrey? Das „Gold der Neuzeit“ ruft. Damit kann man viel Kohle machen, ohne ein Kohlegesicht zu bekommen.

In Gummistiefeln stapfen Geologen durch das Wasser und sammeln mit Schaufeln und Eimerchen Sand für das Labor ein. Doch diese Methode ist viel effektiver.

Andreas Barth von der beauftragten Firma Beak Consultants: „Die Bach-Sedimente sind voller wichtiger Rohstoff-Informationen, weil Regen Gestein aus den Hügeln ringsum ins Flussbett spült.“ Da alle Fluss- und Bachläufe komplett beprobt werden, lassen sich die Vorkommen recht eng eingrenzen. Mit den gewonnenen Daten wird dann eine dreidimensionale Schatzkarte des Erzgebirges gefüttert, die derzeit in einem anderen Projekt an der TU Bergakademie erstellt wird.

Die Erkenntnisse über die Vorkommen stellt Beak dem Freistaat gratis zur Verfügung. Dafür dürften sie sich dann Erkundungslizenzen sichern. Sobald die Analysen ein lohnendes Vorkommen versprechen, wird intensiver untersucht.

Auf dieser 3D-Karte sind die Zinnvorkommen (blau) über dem Granitdach bei Geyer dargestellt. Solche Modelle sollen für alle Metalle im Erzgebirge erstellt werden.
Auf dieser 3D-Karte sind die Zinnvorkommen (blau) über dem Granitdach bei Geyer dargestellt. Solche Modelle sollen für alle Metalle im Erzgebirge erstellt werden.

In seinem Umfang ist diese Schatzsuche wohl europaweit einmalig.

Über 100 Erzgebirgs-Bürgermeister wurden in den letzten Wochen über das Vorhaben informiert, das Untersuchungsgebiet für die 5 000 Probeentnahmen umfasst 4800 Quadratkilometer. Knapp 30 Metalle stehen auf der Wunschliste von Beak: Gold, Silber, Zinn, Kupfer und Eisen werden von den High-Tech-Schatzsuchern gern registriert.

Beak-Geschäftsführer Andreas Barth: „Vor allem geht es aber um die so genannten Hochleistungsmetalle wie Indium und Germanium. Diese Rohstoffe werden unter anderem bei der Produktion von Bildschirmen und Handys dringend benötigt.“ Das ist für die Zukunft Deutschlands so interessant, dass sich selbst das Bundesforschungsministerium mit einem Millionenbetrag an dieser Schatzsuche beteiligt.

Spüren die Forscher etwa auch noch eine Goldader auf?

Andreas Barth: „Hin und wieder können sich einige Spuren finden. Eine lohnende Goldlagerstätte wäre aber längst entdeckt worden.“ Der Fokus liegt ohnehin auf dem „Gold der Neuzeit".

Das ist das Gold der Neuzeit!

Ganz unspektakulär sieben Geologen von Beak Sedimente eines Flusses. Im Labor werden dann alle Metallspuren identifiziert.
Ganz unspektakulär sieben Geologen von Beak Sedimente eines Flusses. Im Labor werden dann alle Metallspuren identifiziert.
  • Germanium leitet sich vom Heimatland des deutschen Entdeckers Clemens Winkler (Freiberg, Dresden) ab. Es ist zwar weit verbreitet, kommt aber nur in geringen Konzentrationen vor. Hauptförderer mit 120 Tonnen pro Jahr ist China. Es wird in Elektronik, Solartechnik, Infrarotoptik, Nuklearmedizin und Kerntechnik benötigt.

  • Rubidium ist ein silbrigweiß glänzendes, weiches Metall, welches bereits bei 40 Grad Celsius schmilzt und sich bei Luftzufuhr spontan entzündet. Rubidium kommt in einigen Mineralien in sehr geringer Konzentration vor, aber auch im Arabica-Kaffee. Seine Anwendung findet es in Vakuumröhren oder als Kathodenbeschichtung.
Aus jedem Bächlein des Erzgebirges - wie hier der Natzschung bei Kühnheide - werden demnächst Sedimente zur Schatzsuche geborgen.
Aus jedem Bächlein des Erzgebirges - wie hier der Natzschung bei Kühnheide - werden demnächst Sedimente zur Schatzsuche geborgen.

  • Indium ist ein äußerst seltenes, silberweißes und weiches Schwermetall. Es wird vornehmlich zu Indiumzinnoxid verarbeitet, das als transparenter Leiter für Flachbildschirme und Touchscreens eingesetzt wird. Deshalb steigen die Preise erheblich. Indium wurde übrigens 1863 von Chemikern der Freiberger Bergakademie entdeckt

  • Antimon kommt als silbrigglänzendes, sprödes Halbmetall gelegentlich auch in seiner Reinform vor und gilt als selten. Weil sich Antimon - im Gegensatz zu anderen Metallen - beim Abkühlen in der Schmelze noch ausdehnt, wird es bevorzugt in Legierungen genutzt, die nach dem Guss nicht schrumpfen sollen.

  • Tellur gehört zu den Halbmetallen. Das silberweiß metallisch glänzende Tellur ist in etwa so verbreitet wie Gold. Gemeinsam mit Antimon und Germanium wird es inzwischen in optischen Speicherplatten (z.B. CD-RW) oder in neuartigen Speichermedien (etwa PCRAM) verwendet. Es wird auch in Lichtwellenleitern eingesetzt.

  • Tantalium ist ein seltenes graphitgraues Übergangsmetall. Tantal wird vorwiegend bei Kondensatoren mit hoher Kapazität bei gleichzeitig geringer Größe (z.B. Mobiltelefone) angewandt. Weil es ungiftig ist und auch nicht auf Körperflüssigkeiten reagiert, wird es auch gern für Implantate - etwa Knochennägel - genutzt.

Fotos: imago, Privat, Projekt 3D Erzgebirge, PR


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