"Perversion": So wollen die Grünen Amazon zwingen, armen Menschen zu helfen

Berlin - Bevormundung oder ein längst überfälliger Schritt? Die Grünen wollen mit ihrer Idee sowohl Gutes für die Natur tun, als auch arme Menschen unterstützen.

Katrin Göring-Eckardt will die Vernichtungsstrategie der Online-Versandhändler behandeln.
Katrin Göring-Eckardt will die Vernichtungsstrategie der Online-Versandhändler behandeln.  © Christoph Soeder/dpa

Es geht um Pakete, die keiner will: Etwa jede sechste Bestellung schicken die Deutschen wieder zurück. 500 Millionen Sendungen sind das. Zu klein, zerkratzt, die falsche Farbe.

Was viele nicht wissen – häufig verkaufen Versandhändler diese Waren gar nicht erneut, sondern entsorgen sie. Das ist kostengünstig und weniger aufwendig. Zumindest für Mega-Unternehmen wie Amazon. So kommt es, dass sogar teure Waren einfach zerstört werden, auch wenn sie einfach nur eine kleine Delle haben.

Genau dieses Vorgehen ist den Grünen ein Dorn im Auge, wie Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt (53) den Zeitungen der Funke Mediengruppe mitteilte.

"Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft", sagte Göring-Eckardt dazu, der Staat sei hier gefordert. Und genau darum haben die Grünen zu dem Thema einen Drei-Punkte-Plan erdacht.

  • Verbot: Dem Online Handel soll es verboten werden, neuwertige, zurückgesendete Produkte einfach zu vernichten.
  • Verschenken: Können zurückgeschickte Produkte nicht mehr verkauft werden, sollen sie an soziale Einrichtungen verschenkt werden, beispielsweise über Sozialkaufhäuser.
  • Recycling: Die Rohstoffe der ungewollten Ware müssen zurück in den Wertstoffkreislauf.

Betroffen sind Produkte aller Sparten, von Klamotten, über Kaffee- und Waschmaschinen, bis hin zu teuren Computern oder Handys.

Update, 12.06

Amazon hat mit einem Statement auf die Vorwürfe reagiert:

"Amazons Ziel ist es, dass Kunden mit ihren gekauften Produkten rundum zufrieden sind. Aber Retouren kommen vor, falls Kunden einen gekauften Artikel einmal nicht verwenden können oder ihre Meinung geändert haben.

Bei Amazon wird der überwiegende Teil der retournierten Waren – je nach Zustand – an andere Kunden oder Restpostenhändler weiterverkauft, an die Hersteller zurückgegeben oder an gemeinnützige Organisationen gespendet.

So kooperieren wir mit der gemeinnützigen Plattform innatura, die Sachspenden an karitative Organisationen vermittelt und die wir seit 2013 als Gründungspartner unterstützen. Auf diesem Wege haben mehr als 1.000 soziale Organisationen Amazon-Spenden erhalten und rund 450.000 bedürftige Menschen davon profitiert.

In bestimmten Fällen können wir Produkte jedoch nicht weiterverkaufen oder spenden, z.B. aus Sicherheits- oder Hygienegründen. Wir arbeiten intensiv daran, die Anzahl dieser Produkte immer weiter zu senken.

Die Mehrwertsteuergesetze in Deutschland geben vor, dass Unternehmen die Mehrwertsteuer auf den Wert von gespendeten Waren entrichten. Daher ist es für Unternehmen in Deutschland wirtschaftlich wenig sinnvoll, Waren zu spenden. Das betrifft auch selbstständige Verkaufspartner, die ihre Produkte direkt an Amazon-Kunden verkaufen. Wenn Amazon eigene Produkte spendet, kommt das Unternehmen gegenüber den deutschen Steuerbehörden für die Mehrwertsteuer auf."

500 Millionen Pakete werden jedes Jahr zurückgesendet: Das sind weit über eine Million Sendungen pro Tag, die der Kunde nicht behalten möchte. (Symbolbild)
500 Millionen Pakete werden jedes Jahr zurückgesendet: Das sind weit über eine Million Sendungen pro Tag, die der Kunde nicht behalten möchte. (Symbolbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

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