Wegen Raketenabwehr: Türkei fliegt aus Kampfjet-Programm raus

Washington, D.C. - Seit Monaten streiten die USA und die Türkei wegen eines russischen Raketenabwehrsystems. Weil Ankara davon nun erste Teile bekommen hat, ziehen die USA Konsequenzen.

Die Türkei darf keine Kampfjets vom Typ F-35 mehr von den USA kaufen.
Die Türkei darf keine Kampfjets vom Typ F-35 mehr von den USA kaufen.  © Colin Boyle/Chicago Sun-Times/AP/dpa

Die USA machen Ernst und werfen die Türkei wegen des Kaufs eines russischen Raketenabwehrsystems aus dem F-35-Kampfjet-Programm.

Die Entscheidung der Türkei, das russische System zu kaufen, mache es unmöglich, dass das Land Teil des F-35-Programmes bleibe, hieß es in einer Stellungnahme des Weißen Hauses vom Mittwoch.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums kann die Türkei die Jets nun auch nicht mehr kaufen. Der Ausschluss Ankaras aus dem Programm soll demnach im März 2020 abgeschlossen sein.

Das Weiße Haus erklärte, die F-35-Jets könnten nicht neben einem russischen Spionageinstrument eingesetzt werden, das dazu genutzt werde, mehr über die Fähigkeiten der Flugzeuge zu erfahren.

Der Kauf der S-400 untergrabe die Verpflichtungen der Nato-Mitglieder untereinander, sich von russischen Systemen fernzuhalten. Eine Sprecherin der Regierungszentrale erklärte, die USA schätzten die strategische Beziehung zur Türkei nach wie vor sehr.

Der Kauf der russischen Raketenabwehr sorgt seit Monaten für Streit zwischen den USA und der Türkei. Washington befürchtet nach eigenen Angaben, dass Russland über das Radar des Waffensystems an Daten über die Fähigkeiten der neuen US-Kampfjets F-35 gelangt.

Teile des Raketenabwehrsystems S-400 aus Russland werden auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Mürted aus einer russischen Antonow entladen.
Teile des Raketenabwehrsystems S-400 aus Russland werden auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Mürted aus einer russischen Antonow entladen.  © DPA

Die Türkei, einer der Partner beim Bau der F-35, sollte eigentlich etwa 100 Jets bekommen. Das US-Verteidigungsministerium hatte bereits im Juni Schritte eingeleitet, um die Türkei Ende Juli aus dem Programm zu werfen, an dem unter anderem Großbritannien, Italien, Kanada und Australien beteiligt sind.

Die Auslieferung der S-400 von Russland an die Türkei hat am Freitag begonnen. Seither sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara noch weitere Flugzeuge mit russischen Raketenteilen auf dem Luftwaffenstützpunkt Mürted (früher Akinci) bei Ankara gelandet.

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag Verständnis für die Entscheidung der Türkei geäußert, das russische System zu kaufen. Die Türkei sei zu dem Schritt "gezwungen" worden, da die demokratische Vorgängerregierung in Washington ihr nicht das amerikanische Patriot-System verkauft habe. Der Republikaner übernahm damit ein Argument der türkischen Regierung.

Ankara hat immer wieder erklärt, dass man sich in früheren Jahren mehrfach um Patriots beworben habe, ohne sie zu bekommen. Das Pentagon unterstrich dagegen am Mittwoch, dass es in der Vergangenheit mehrere Angebote an die Türkei gegeben habe, das Patriot-System zu kaufen.

Das US-Außenministerium hatte der Türkei wegen des Kaufs des russischen Systems auch mit Sanktionen gedroht. Eine Sprecherin des Außenministeriums hatte am Dienstag gesagt, Trump und Außenminister Mike Pompeo prüften derzeit noch die verschiedenen Optionen dazu.

Titelfoto: Colin Boyle/Chicago Sun-Times/AP/dpa

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