USA feuern ballistische Rakete ab, was vor Kurzem noch verboten war

USA - Die USA haben eine bodengestützte ballistische Rakete getestet und damit die Sorge vor einem neuen Wettrüsten angeheizt.

Das vom US-Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Start einer Marschflugkörper auf die Insel San Nicolas vor der Küste Kaliforniens. Dieser Test wäre unter dem INF-Vertrag verboten gewesen (Archivbild).
Das vom US-Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Start einer Marschflugkörper auf die Insel San Nicolas vor der Küste Kaliforniens. Dieser Test wäre unter dem INF-Vertrag verboten gewesen (Archivbild).  © Scott Howe/U.S. Defense Department/AP/dpa

Die Rakete sei am Donnerstagmorgen (Ortszeit) von der Luftwaffenbasis Vandenberg an der Pazifikküste zwischen San Francisco und Los Angeles abgefeuert worden, bestätigte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Die Ergebnisse des Tests würden derzeit ausgewertet, hieß es.

Nach Informationen der dpa aus Nato-Kreisen hätte der Erprobungsflug noch vor kurzem gegen Abrüstungsvereinbarungen mit Russland verstoßen.

Er wurde demnach nur möglich, weil die USA zum 2. August den sogenannten INF-Vertrag zum Verzicht auf landgestützte Mittelstreckensysteme aufgekündigt haben.

Grund für diesen Schritt war die Annahme, dass Russland das Abkommen seit Jahren mit einem System namens SSC-8 (Russisch: 9M729) verletzte.

Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die sich mit Atomsprengköpfen bestücken lassen und mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können. Moskau weist dies zurück und gibt die Reichweite des Systems mit unter 500 Kilometern an.

USA testeten bereits im August einen Marschflugkörper

Start der Boeing Delta II Rakete in der Cape Canaveral Air Force Station - im Vordergrund ist eine ballistische Thor-Rakete zu sehen (Archivbild).
Start der Boeing Delta II Rakete in der Cape Canaveral Air Force Station - im Vordergrund ist eine ballistische Thor-Rakete zu sehen (Archivbild).  © imago images / UPI Photo

Der INF-Vertrag untersagte beiden Seiten Produktion, Tests und Besitz von bodengestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern.

Ballistische Raketen können mit konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengköpfen bestückt werden.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums handelte es sich bei der getesteten Rakete um eine "konventionell konfigurierte".

Die USA hatten bereits im August einen Marschflugkörper getestet, was unter dem INF-Vertrag ebenfalls verboten gewesen wäre. Russland und China hatten daraufhin vor einem neuen Wettrüsten gewarnt und eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt.

Hoffnungen auf neue wirksame Absprachen zur Rüstungskontrolle gibt es derzeit kaum. Als Grund für die Kündigung des Vertrages durch die USA gilt nämlich auch die Tatsache, dass der INF-Vertrag nur Amerikaner und Russen band, nicht aber aufstrebende Militärmächte wie China.

China soll mittlerweile über knapp 2000 ballistische Raketen und Marschflugkörper verfügen, die unter das Abkommen fallen würden.


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