"Da kann man durchlaufen und es wird nicht mal der Schlüpfer nass": Dieser Fluss ist kaum messbar

Eisenhüttenstadt - Brandenburgs Flüsse haben massiv mit der anhaltenden Trockenheit zu kämpfen. Doch während Spree, Havel und viele weitere Wasserstraßen die Dürre kompensieren können, sieht es an der deutsch-polnischen Grenze wesentlich dramatischer aus. Die Oder führt teilweise so wenig Wasser, dass man gemütlich auf die andere Seite laufen kann - ohne wirklich nass zu werden.

Blick vom polnischen Ufer über den Niedrigwasser führenden Grenzfluss Oder auf die Stadt Frankfurt (Oder).
Blick vom polnischen Ufer über den Niedrigwasser führenden Grenzfluss Oder auf die Stadt Frankfurt (Oder).  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

"Teilweise ist die Fahrrinne nur 50 Zentimeter tief. Da kann man durchlaufen und es wird nicht mal der Schlüpfer nass", erklärt Elisabeth Kulle, Geschäftsführerin der Tief-, Wasserbau- und Schifffahrts GmbH Kulle, der Märkischen Oderzeitung.

Die Lage ist prekär. Viele Unternehmen sitzen wortwörtlich auf dem Trockenen. Können ihre Waren nicht über die Oder transportieren und müssen nun mit erheblichen Umsatzeinbußen rechnen.

Kulles Firma hat jedoch aufgrund vorausschauender Arbeit und einiger Bauprojekte Glück. "Wir können uns über Wasser halten", sagt sie. Andere hätten da mehr zu kämpfen, nicht in die roten Zahlen zu rutschen.

Wirklich neu ist die Situation für Kulle nicht. Bereits in den letzten drei Jahren führte die Oder wenig Wasser im Sommer, "aber diesmal ist es sehr schlimm".

Eine Frau sonnt sich auf einer großen Sandbank am polnischen Ufer des Niedrigwasser führenden Grenzflusses Oder.
Eine Frau sonnt sich auf einer großen Sandbank am polnischen Ufer des Niedrigwasser führenden Grenzflusses Oder.  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Auch der Schleusenbetrieb leidet unter dem niedrigen Wasserpegel.

Ist die Fahrrinne nicht tief genug, braucht man Schiffe von der wasserreichen gar nicht auf die wasserknappe Seite bringen, erklärt Schleuser Thomas Steller.

Nur noch Paddler werden zum Beispiel geschleust. "Allerdings immer auf eigenen Gefahr", betont Steller gegenüber der MOZ. "Wir weisen jeden darauf hin, wie die Situation ist."

Und so kam es neulich zu einem interessanten Vorfall, der auch Steller überraschte: "Mir hat jemand erzählt, dass er mit dem Schlauchboot auf der Oder bei Aurith war und Bodenkontakt hatte. Das will schon was heißen."

Aufgrund des erheblichen Wassermangels werden nur noch Sammelschleusungen vorgenommen. Daher sollten Freizeitkapitäne mehr Zeit einplanen, sofern sie auf der Oder unterwegs sein sollten.

Besteht die Trockenheit in Polen und Tschechien auch weiterhin, wird sich die Lage am Grenzfluss weiter zuspitzen. Auch die Spree, Havel und kleinere Flüsse sowie Kanäle führen deutlich zu wenig Wasser.

Titelfoto: dpa/Patrick Pleul