Bundestag verspricht Geld: 30.000 sächsische Kinder betroffen

Für viele von einem Elternteil verlassene Kinder gibt es den Unterhaltsvorschuss von der Kommune - das Antragsverfahren hat es aber in sich.
Für viele von einem Elternteil verlassene Kinder gibt es den Unterhaltsvorschuss von der Kommune - das Antragsverfahren hat es aber in sich.  © 123RF

Chemnitz - Gute Nachricht für allein gelassene Kinder, eine eher schlechte für das Jugendamt: Kurz vor der Sommerpause hat der Bundestag beschlossen, viel mehr betroffenen Kindern den Unterhaltsvorschuss zu gewähren, falls ein Elternteil nicht zahlt. Das Chemnitzer Jugendamt hat jetzt mit einem riesigen Ansturm zu kämpfen.

Wenn ein getrennt lebender Elternteil - meist der Vater - die Alimente schuldig bleibt, müssen oft die Kommunen einspringen und den Unterhalt vorschießen.

In Sachsen betrifft das über 30.000 Kinder, 2250 allein in Chemnitz. Bisher gab es den Vorschuss nur bis zum zwölften Lebensjahr und höchstens sechs Jahre lang. Ab sofort sind beide Grenzen aufgehoben.

Zwar gibt es das Geld nicht sofort, weil das Gesetz noch nicht im Bundesanzeiger veröffentlicht ist. Doch bereits jetzt stürmen die Antragsberechtigten Sachsens Jugendämter.

Jugendamtsleiter Claus Lippmann geht davon aus, dass sich die Bearbeitungszeit zu Beginn erhöhen werde.
Jugendamtsleiter Claus Lippmann geht davon aus, dass sich die Bearbeitungszeit zu Beginn erhöhen werde.  © Holm Helis

Allein im Juni nahm das Chemnitzer Amt 347 Anträge entgegen und führte zusätzlich 440 Beratungsgespräche. Man geht von einer Verdopplung der Fallzahlen aus.

Das liegt auch daran, dass die Jobcenter sachsenweit tausende Leistungsberechtigte zur Mitwirkung aufgefordert haben, den Unterhaltsvorschuss als vorrangige Leistung zu beantragen.

Für diese Leute bedeutet das neue Gesetz nicht unbedingt mehr Geld, aber zusätzlichen bürokratischen Aufwand.

Aber auch bei den Jugendämtern. Jugendamtsleiter Claus Lippmanns aus Dresden: "Die Bearbeitungszeit wird sich anfangs mit Sicherheit erhöhen. Unsere Mitarbeiter sind natürlich bestrebt, bis zum Ende des Jahres wieder Normalität zu erreichen.“ In Chemnitz wurden sechs zusätzliche Stellen geschaffen.

Für die Städte und Kreise ist der Segen aus dem Bund eher ein Fluch. Denn die zusätzlichen Kosten werden von den kommunalen Haushalten getragen. So kalkuliert Chemnitz in diesem Jahr mit 2,29 Millionen Euro für den Unterhaltsvorschuss, ab 2018 bereits mit über drei Millionen.

Zwar kämpfen die kommunalen Spitzenverbände gerade mit dem Freistaat um eine Neuregelung bei der Kostenverteilung, Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Eigentlich können sich die Kommunen bei dem schuldigen Elternteil den Vorschuss zurückholen. Doch das gelingt - je nach Stadt - nur in 15 bis 25 Prozent der Fälle.

In den Jugendämtern herrscht in den letzten Wochen erhöhter Beratungsbedarf. Für viele Alleinstehende gibt es zusätzliche Unterstützung vom Amt.
In den Jugendämtern herrscht in den letzten Wochen erhöhter Beratungsbedarf. Für viele Alleinstehende gibt es zusätzliche Unterstützung vom Amt.  © DPA

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