Wehe, wenn der Frühling kommt: Wildenfels zittert vor Fliegen-Plage

Wildenfels - Wenn die Temperaturen ansteigen, terrorisieren wieder Schwärme von Stubenfliegen die Bewohner der Siedlung im Wildenfelser Ortsteil Schönau. Der mutmaßliche Verursacher will die Dauerplage jetzt abrupt bekämpfen - mit einer Kündigung!

"Grillen ist im Garten unmöglich": Bürgermeister Tino Kögler (49, parteilos) zeigt den Fliegenfänger eines Anwohners.
"Grillen ist im Garten unmöglich": Bürgermeister Tino Kögler (49, parteilos) zeigt den Fliegenfänger eines Anwohners.  © Maik Börner

"Die Fliegenplage füllt bereits einen Extra-Ordner", klagt der Wildenfelser Bürgermeister Tino Kögler (49, parteilos).

Laut Beschwerden fallen die fliegenden Plagegeister seit Jahren wie Invasoren über Busse des örtlichen Reisebusunternehmens und bei den Siedlungsbewohnern ein.

Den Verursacher der biblischen Plagen hat Kögler längst ausgemacht: das Kompostwerk Schönau der Wertstoffzentrum Zwickauer Land GmbH (WZL). Dort reife die Fliegenbrut beim Kompostieren der Bioabfälle aus dem Landkreis Zwickau und dem Vogtland unter freiem Himmel heran. Kögler: "Das hat uns ein Insektenexperte der Freien Universität Berlin bestätigt und zu einem Insektizid geraten."

Das lehnt WZL-Geschäftsführer Tom Speth (34) ab: "Unser Kompost wird später schließlich in der Landwirtschaft auf die Felder gestreut." Speth rückt den Plagegeistern stattdessen mit Schlupfwespen zu Leibe, "die ihre Larven in den Fliegeneiern einnisten."

Doch die Fliegen blieben und Bürgermeister Kögler beschwerte sich beim Zwickauer Landrat Christoph Scheurer. Der ordnete nach "Ermittlungen der Emissionsschutzbehörde die vollständige Einhausung des Bioabfalls" an. Darauf will sich Speth jedoch nicht einlassen, pocht auf seine bestehende Genehmigung: "Eine neue Halle würde bis zu 1,5 Millionen Euro kosten und weitere Auflagen nach sich ziehen."

Im drohenden Rechtsstreit macht Speth jetzt kurzen Prozess. "Am Mittwoch haben wir den Bioabfallvertrag zum Ende des Jahres gekündigt." Damit muss sich der Landkreis Zwickau jetzt wohl nach einem neuen Verwerter für die jährlich bis zu 1800 Tonnen in Schönau verrottenden Bioabfällen umsehen.

Die Folge könnten steigende Entsorgungskosten sein.

Hofft auf ein Ende der Fliegenplage: Mit diesem Brief bittet der Wildenfelser Bürgermeister den Landrat um Hilfe.
Hofft auf ein Ende der Fliegenplage: Mit diesem Brief bittet der Wildenfelser Bürgermeister den Landrat um Hilfe.  © Maik Börner
"Im Sommer unerträglich": Bei einer Ortsbegehung hat Bürgermeister Kögler einmal "auf drei belegten Käsebrötchen 47 Fliegen gezählt".
"Im Sommer unerträglich": Bei einer Ortsbegehung hat Bürgermeister Kögler einmal "auf drei belegten Käsebrötchen 47 Fliegen gezählt".  © Maik Börner
"Nicht alle Fliegen kommen hier von uns": WZL-Geschäftsführer Tom Speth kompostiert in der ehemaligen DDR-Mastbullenanlage heute Ökoabfälle - in der angeblich "modernsten Anlage in Sachsen".
"Nicht alle Fliegen kommen hier von uns": WZL-Geschäftsführer Tom Speth kompostiert in der ehemaligen DDR-Mastbullenanlage heute Ökoabfälle - in der angeblich "modernsten Anlage in Sachsen".  © Maik Börner

Titelfoto: Maik Börner

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