Defekte Wehr schneidet Hamburger Hafen von wichtigen Schiffswegen ab

Hamburg/Geesthacht/Lüneburg - Ein Defekt am Elb-Stauwehr bei Geesthacht lässt den Elbpegel rasant absinken.

Wasser der Elbe läuft über das Stauwehr bei Geesthacht.
Wasser der Elbe läuft über das Stauwehr bei Geesthacht.  © dpa/Markus Scholz

Seit Freitagnachmittag stehe das Wehr voll offen, sagte am Samstag ein Mitarbeiter der Notfallmeldestelle des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Magdeburg.

"Damit fließt eine Menge Wasser ab."

Mitarbeiter der Schifffahrtsverwaltung seien dabei, den Schaden zu beheben.

Laut Lüneburger Landeszeitung legt der abgesenkte Wasserstand die komplette Hinterlandanbindung des Hamburger Hafens still.

Der Schiffsverkehr auf dem Elbe-Seiten-Kanal in Niedersachsen sei ebenso betroffen wie auf dem Elbe-Lübeck-Kanal.

Der Pegel sei so schnell gesunken, dass es mit bloßem Auge erkennbar gewesen sei. Innerhalb weniger Stunden sollen es 50 Zentimeter gewesen sein.

Wehr sollte eigentlich gegen Niedrigwasser helfen

Bereits Mitte Juli machte sich das Niedrigwasser elbaufwärts bemerkbar: Bei Barförde ist der Pegel deutlich gesunken.
Bereits Mitte Juli machte sich das Niedrigwasser elbaufwärts bemerkbar: Bei Barförde ist der Pegel deutlich gesunken.  © dpa/Philipp Schulze

Wegen des offen stehenden Wehrs und des gesunkenen Wasserspiegels musste auch das Schiffshebewerk Lüneburg/Scharnebeck den Betrieb am Freitagabend einstellen.

Das sei eine erhebliche Verkehrseinschränkung, sagte der Sprecher in Magdeburg.

Zu mehr Details konnte er sich nicht äußern.

"Wir haben da einen Schadenfall, das müssen wir am Montag genau sondieren", sagte der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lauenburg, Tillmann Treber, der Online-Ausgabe der Landeszeitung.

Wegen des seit Monaten herrschenden Niedrigwassers sollte am Wehr Geesthacht eigentlich der Pegel der Elbe so gehalten werden, dass Schifffahrt noch möglich ist.

Update, 14.53 Uhr

Ein Binnenschiff fährt auf dem Elbe-Lübeck-Kanal. (Archivbild)
Ein Binnenschiff fährt auf dem Elbe-Lübeck-Kanal. (Archivbild)  © dpa/Jens Büttner

Der an mehreren Stellen defekte Damm am Elbstauwehr bei Geesthacht hat die Schifffahrt im Norden zum Teil lahmgelegt.

Mehr als 30 Schiffe mussten am Wochenende auf der Elbe eine Zwangspause einlegen, wie Thilo Wachholz von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt Hannover am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Wegen der unterspülten Stellen am Stauwehr wurde der Wasserdruck vom Damm genommen, wie der Dezernatsleiter für Schleusen und Wehre weiter sagte.

Der Wasserspiegel sei deshalb am Samstag im gesamten oberen Becken zwischen Geesthacht (Herzogtum Lauenburg) die Elbe aufwärts bis Scharnebeck (Landkreis Lüneburg) um einen halben Meter abgesenkt worden.

"Damit es keinen Strömungsdruck mehr auf den Damm gibt."

Für die Schifffahrt bedeute der niedrigere Wasserstand auf der Elbe keine Gefahr, so der Fachmann. "Sie könnten noch selbst fahren."

Arbeiter sind dabei den Defekt am Fundament des Elb-Stauwehrs mit Sand abzusichern.
Arbeiter sind dabei den Defekt am Fundament des Elb-Stauwehrs mit Sand abzusichern.  © dpa/Markus Scholz

Das Schiffshebewerk in Scharnebeck (Landkreis Lüneburg) am Elbe-Seiten-Kanal dagegen musste deshalb zunächst seinen Betrieb einstellen. Ab einer Absenkung von mehr als 40 Zentimetern beziehungsweise auf unter vier Meter könne das Hebewerk nicht mehr arbeiten.

Von der Sperrung ist das komplette Hinterland des Hamburger Hafens betroffen, also auch der Schiffsverkehr auf dem Elbe-Seiten-Kanal in Niedersachsen sowie der auf dem Elbe-Lübeck-Kanal. Etwa drei Dutzend Frachtschiffe warten auf ihre Weiterfahrt. Darunter sind auch mehrere Containerschiffe. "Die haben sich auch ein bisschen beschwert. Das gab sogar Hupkonzerte", sage Wachholz dazu.

Bis Montag werden sich die Crews zunächst gedulden müssen. Bis dahin sollen die Bauarbeiten an dem kaputten Wehr bei Geesthacht mindestens noch dauern. Dafür sollen die unterspülten Stellen vom Wasser und vom Land aus wieder mit Material aufgebaut und verstärkt werden. "Ich gehe davon aus, dass das Montag schon abgeschlossen werden kann. Dann kann man auch mit der Schifffahrt wieder weitermachen."

Gleichzeitig soll die Zwangspause auch für ohnehin geplante Bauarbeiten an den technischen Anlagen genutzt werden. Das Schiffshebewerk in Scharnebeck kann Wachholz zufolge unter der Woche etwa 50 Schiffe, auch bis zu 185 Meter lange Containerschiffe, durchschleusen.

Der Schaden an dem Damm war am Freitag festgestellt worden. Der Damm werde regelmäßig einmal in der Woche auf Schäden kontrolliert.

Titelfoto: dpa/Markus Scholz

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