OB Jung spricht in Weihnachts-Ansprache über Populismus und die Ängste der Leipziger vor Zugezogenen

Leipzig - Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (60, SPD) hat sich am Mittwoch mit einer Videobotschaft an die Bewohner der Messestadt gewandt.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (60, SPD) sprach am Mittwoch in einer Videobotschaft zu den Leipzigern.
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (60, SPD) sprach am Mittwoch in einer Videobotschaft zu den Leipzigern.  © DPA

In Anzug und Schlips spricht das Stadtoberhaupt in die Kamera. Vor ihm steht ein Adventskranz, drei der vier roten Kerzen brennen.

Jung verweist in seiner Weihnachtsansprache auf die Schlaglichter 2018.

Einleitend erläutert er, dass die Arbeitslosigkeit mit 6,1 Prozent so niedrig wie schon lange nicht mehr. "Wir bieten mittlerweile mehr als 260.000 Frauen und Männern einen festen Arbeitsplatz an", so der Bürgermeister. Das seien 60.000 Stellen mehr als noch vor zehn Jahren. Auch das Durchschnittseinkommen sei gestiegen. Einer vierköpfigen Familie stünden zirka 300 Euro mehr zur Verfügung als noch vor fünf Jahren.

Dennoch sei die soziale Not sichtbar und spürbar. In diesem Punkt sei die Stadt besonders gefordert, jedoch "sollten wir uns aber auch alle gemeinsam angesprochen fühlen."

Sichtlich das Highlight des amtierenden Oberbürgermeisters: Der Sieg der Leipziger Wasserwerke im Prozess gegen die Schweizer Großbank UBS. Jung dazu: "Für die kriminellen Machenschaften des ehemaligen Wasserwerke-Geschäftsführers müssen nicht die Leipzigerinnen und Leipziger haften. Wir haben kein Risiko mehr, dass wir hunderte Millionen Euro zahlen müssen."

2019 stünde der 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution an. "'Für ein offenes Land mit freien Menschen' hieß damals eine der Forderungen. Sie hat nichts an Aktualität verloren."
2019 stünde der 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution an. "'Für ein offenes Land mit freien Menschen' hieß damals eine der Forderungen. Sie hat nichts an Aktualität verloren."  © Screenshot Facebook/Stadtverwaltung Leipzig

Der Zuzug nach Leipzig habe angehalten. Mehr Kinder denn je besuchen eine Leipziger Schule. Der Stadt-Chef verspricht Investitionen, Sanierungen, Modernisierungen und Schul-Neubauten in Höhe von einer halben Milliarde Euro. Er betont aber auch, wie schwierig es ist Handwerker und Baufirmen zu finden.

Burkhard Jung kündigt darüber hinaus Investitionen in das Leipziger Straßenbahnnetz an, um auch in den nächsten Jahren "sicheren, sauberen und leistbaren Verkehr" anbieten zu können. Die vielen Baustellen, die sich deshalb in Leipzig auftun werden, bittet der 60-Jährige jetzt schon zu entschuldigen.

Das Oberhaupt der Leipziger verweist auf das Wahljahr 2019 und appelliert an die Bewohner der sächsischen Großstadt, am 26. Mai sowohl an den Wahlen zum neuen Stadtrat als auch an der Wahl des Europaparlaments teilzunehmen.

Der SPD'ler spricht auch die Themen "Globalisierung" und "Digitalisierung" an. "Viele fühlen sich getrieben von Globalisierung und Digitalisierung", sagt er. "Wir nutzen den Komfort, den unser Smartphone jeden Tag bietet und werden doch das Gefühl nicht los, dass wir nicht verstehen, was vor sich geht. [...] Die Chancen der digitalen Revolution sind dennoch sehr groß. Wir müssen aber offensiv darüber sprechen."

Anschließend warnt Burkhard Jung vor Populismus. "Angst besiegt man nicht mit einfachen Antworten. Angst besiegt man, indem man in die dunklen Ecken schaut, indem man sich mit dem Fremden und Neuen vertraut macht. Das Unverständliche ist nicht weg, wenn wir es aussperren. Es löst sich aber auf, wenn wir es analysieren und ihm gegenübertreten mit wachem Verstand."

Der Stadt-Chef weiter: "Ich möchte mich auch im Jahr 2019 mit Ihnen dafür einsetzen, dass wir in Leipzig offen und neugierig bleiben. Wer zu uns kommt und unsere gesellschaftliche Ordnung respektiert, ist uns willkommen. Alle sind eingeladen mit anzufassen und unsere Stadt mitzugestalten."

Burkhard Jung verabschiedet sich mit den Worten "Von Herzen wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und Ihren Lieben frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr 2019" von den Leipzigern. Da können wir uns nur anschließen!


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