"Weißer weißer Tag": Grausamer Unfall mit Todesfolge sorgt bei Witwer für Verzweiflung

Deutschland - Der bisher schwächste fremdsprachige "Oscar"-Kandidat der Award-Saison stammt aus Island! "Weißer weißer Tag" ist ein Liebes- und Familiendrama, das einen trotz wichtiger Themen wie Trauerverarbeitung leider komplett kaltlässt.

Ingimundur (Ingvar Sigurdsson) kümmert sich liebevoll um seine Enkelin Salka (Ida Mekkin Hlynsdottir).
Ingimundur (Ingvar Sigurdsson) kümmert sich liebevoll um seine Enkelin Salka (Ida Mekkin Hlynsdottir).  © PR/Arsenal Filmverleih

Dabei beginnt der Film rasant. Ein Auto quält sich durch dichten Nebel eine Landstraße entlang, kommt dann von der Fahrbahn ab, rast durch eine Leitplanke und stürzt in den Abgrund hinab.

Am Steuer war die Frau von Ingimundur (Ingvar Sigurdsson), die ihr Leben bei diesem furchtbaren Unfall verlor und ihn alleine zurückließ. Er beschäftigt sich nun mit der Renovierung eines leerstehenden Hauses, das seinem Vater gehörte.

Der knurrige Polizist zieht dort ein und kümmert sich immer wieder liebevoll um seine Enkeltochter Salka (Ida Mekkin Hlynsdottir), auf die er oft aufpasst.

Obwohl er sich einem Psychologen anvertraut, kommen seine wahren, tiefsitzenden Gefühle anfangs nicht an die Oberfläche - später allerdings schon!

Hierbei spielt das anfänglich genannte Zitat "wenn alles weiß ist und es keinen Unterschied mehr zwischen dem Himmel und der Erde gibt, können die Toten zu uns Lebenden sprechen" eine wichtige Rolle.

Denn Ingimundur befindet sich nämlich auf der Suche nach der Wahrheit über seine Frau...

"Weißer weißer Tag" ist künstlerisch wertvoll, aber emotionslos

Ingimundur (Ingvar Sigurdsson) ist Polizist. Er besucht seine Kollegen mehrfach.
Ingimundur (Ingvar Sigurdsson) ist Polizist. Er besucht seine Kollegen mehrfach.  © PR/Arsenal Filmverleih

Diese Geschichte hat Regisseur Hylnur Palmason ("Vinterbrødre") äußerst durchwachsen umgesetzt.

Der isländische Filmemacher hat zwar einen erkennbar hohen künstlerischen Anspruch und liefert in Zusammenarbeit mit seiner großartigen Kamerafrau Maria von Hausswolff reihenweise Bilder voll kühler poetischer Schönheit ab, gibt dem Publikum durch seinen sperrigen Stil aber keine Möglichkeit, emotional in sein Werk einzusteigen.

Der Beginn im dichten Nebel ist interessant, doch schon die nächste Szene vorm späteren Haus Ingimundurs ist viel zu langatmig.

So wird das Gebäude mit einer entfernten Standkamera zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten gezeigt, was visuell durchaus ansprechend ist, jedoch auch substanzlos, weil diese Sequenz viel zu ausgewalzt ist.

Von solchen experimentellen, nicht wirklich nachvollziehbaren und ermüdenden Szenen gibt es über den ganzen Film hinweg verteilt einige.

Zwar versteht man als Zuschauer problemlos, dass Ingimundur um seine Frau mit widersprüchlichen Gefühlen trauert, doch wirklich warm wird man mit dem schwierigen Charakter trotz der starken Leistung vom bärbeißigen Sigudsson ("Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen", "Der Eid ", "Everest") nicht.

Der Funke springt bei "Weißer weißer Tag" nicht über

Ingimundur (Ingvar Sigurdsson) beschützt seine Enkelin Salka (Ida Mekkin Hlynsdottir) nach einem schockierenden Erlebnis, für das er verantwortlich war.
Ingimundur (Ingvar Sigurdsson) beschützt seine Enkelin Salka (Ida Mekkin Hlynsdottir) nach einem schockierenden Erlebnis, für das er verantwortlich war.  © PR/Arsenal Filmverleih

Dafür verliert sich das anfängliche Interesse zu schnell, lässt einen "Weißer weißer Tag" erstaunlich kalt, weil die Machart viel zu spartanisch und abstrakt ist.

Es passiert in jedem Moment immer irgendetwas, weil Palmason viele Details in seinen Film einbaut. Doch viel zu selten wird dabei die Geschichte vorangetrieben, weshalb sich das anfänglich gute Bild nach einer halben Stunde wandelt und man sich mit zunehmender Dauer immer stärker langweilt.

Das 109 Minuten lange Drama entwickelt sich also zu einer äußerst zähen Angelegenheit, die mental schlaucht, weil es durch den fehlenden Rhythmus äußerst schwierig ist, konzentriert bei der Sache zu bleiben.

Der Film muss sich darüber hinaus auch vorwerfen lassen, pseudo-intelligent- und absichtlich offen konstruiert zu sein, um möglichst großen Interpretationsspielraum zu lassen und dabei das Wichtigste zu vernachlässigen: die Emotionen.

Der Funke mag einfach nicht überspringen, obwohl die behandelten Themen um Trauerverarbeitung, Beziehungen, aufgestaute negative Gefühle, Zusammenhalt in der Familie und Gemeinschaft an sich spannend sind und Stoff für ein richtig starkes Gesamtkunstwerk geboten hätten.

Die Umsetzung kann da allerdings nicht mithalten, weshalb "Weißer weißer Tag" trotz der erstklassigen Kameraführung, mystischen Locations und exzellenten schauspielerischen Leistungen ein insgesamt enttäuschendes Drama geworden ist, das durch seine zusammenhangslose Machart wohl nur für Fans von "The Tree of Life" oder "Melancholia" interessant ist.

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