Wenn der Superknast kommt: „Wer beschützt unsere Kinder?“

Von Frank Harnack

Grit Fischer (36) und Lutz Reinhold (53) vor dem Gelände des künftigen Superknasts. Im Hintergrund laufen Abbrucharbeiten.
Grit Fischer (36) und Lutz Reinhold (53) vor dem Gelände des künftigen Superknasts. Im Hintergrund laufen Abbrucharbeiten.

Zwickau - Noch ist kein Stein für den Superknast in Marienthal vermauert. Und doch verbreitet die geplante JVA Angst und Schrecken.

Grit Fischer (36) lebt in knapp 100 Meter Entfernung. Ihre kleine Tochter wird bald eingeschult. Die bange Frage der Mutter: „Wer beschützt unsere Kinder?“

In der JVA in Marienthal, einem 150 Millionen Euro teuren Gemeinschaftsprojekt von Sachsen und Thüringen, sind 800 Haftplätze geplant. Darunter auch 100 für Freigänger. Und vor denen haben die Marienthaler Angst.

„Die Rückfallquote bei solchen Leuten ist hoch, zwei Drittel wandern wieder in den Knast“, will Lutz Reinhold (53), Sprecher der Bürgerinitiative gegen die JVA, herausgefunden heben.

Der Balkon von Grit Fischer (36) ist gut zu erkennen. Mit einem Anti-Knast-Plakat macht sie ihrer Wut Luft.
Der Balkon von Grit Fischer (36) ist gut zu erkennen. Mit einem Anti-Knast-Plakat macht sie ihrer Wut Luft.

Die Marienthaler glauben nicht an den Erfolg von Resozialisierungsmaßnahmen. Stattdessen argwöhnen sie: „Im Einzugsbereich der Freigänger liegen Schulen und Kindergärten“, sagt Grit Fischer. Lutz Reinhold wird deutlicher: „Jedes missbrauchte Kind ist eines zu viel.“

Was die Marienthaler auch befürchten: Das mit den Freigängern die Drogenkriminalität in den Ortsteil mit seinen 16000 Einwohner einzieht.

All ihre Sorgen und Ängste haben die Marienthaler den Behörden gemeldet. Gehör finden sie keines. So ihr Eindruck. „Hier entscheiden Politiker über die Köpfe der Bürger hinweg“, sagt Reinhold, selbst Zwickauer Stadtrat.

Ein Bürgerbegehren, für das 10391 Stimmen gesammelt wurde, „hat der Stadtrat 2013 einfach abgebügelt.“ Die letzte Hoffnung der Marienthaler: Am Chemnitzer Amtsgericht läuft eine Klage.

Fotos: Peter Zschage


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