Empörung über frauenfeindlichen Eheratgeber in der Türkei

Kütahya - Die Türkei hat den Rückwärtsgang eingelegt und rast mit Vollgas in längst vergangene Zeiten. Zumindest in der Stadt Kütahya. Dort gibt die Ortsverwaltung Neu-Verheirateten einen Eheratgeber an die Hand, der vor Frauenfeindlichkeit nur so strotzt.

"Für den Fall, dass die Frau zickig ist, sollte der Mann sich nicht sofort scheiden lassen, damit diese Frau nicht auch noch zum Verhängnis für einen anderen Mann wird. Stattdessen sollte der Ehemann eine zweite Frau ehelichen, damit sie die erste Ehefrau zur Vernunft bringt", rät Hasan Caliskan, der Verfasser des Leitfadens.

Wie der Spiegel berichtet, ist Caliskan ein ehemaliger Mitarbeiter von Diyanet, der höchsten islamischen Autorität im Land. Und der Ultra-Konservative weiß offensichtlich auch, wie "Fehlverhalten" vor der Geburt, Kinder im späteren Leben beeinträchtigen kann.

"Wenn du als Ehefrau beim Sex sprichst, wird dein Kind stottern", schreibt Caliskan in seinem Werk "Ehe und Familienleben".

Zu Frauen am Arbeitsplatz hat der Verfasser selbstverständlich auch eine Meinung: "Im Arbeitsleben kann die Frau einen noch attraktiveren Mann als ihren Ehemann sehen und sich in ihn verlieben. Sie soll daher ihre Beine übereinanderschlagen und lieber zu Hause bleiben." Ganz schön harter Tobak!

Das sehen auch Teile der Bevölkerung so. Mehrere Medien berichteten über den Ratgeber, der teils zu Unglauben und Entsetzen unter den Türken führte. Denn der Leitfaden erinnert mit seinen Forderungen doch eher ans Mittelalter, denn ans 21. Jahrhundert.

Noch vor dem medialen Aufschrei machte eine Abgeordnete der Oppositionspartei CHP im Parlament auf die Broschüre aufmerksam. Auch sie empfindet den Eheratgeber als frauenverachtend.


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