Wer isn dette?

Der wiederauferstandene „Führer“ (Oliver Masucci) mit seiner neuen Sekretärin Fräulein Krömeier (Franziska Wulf).
Der wiederauferstandene „Führer“ (Oliver Masucci) mit seiner neuen Sekretärin Fräulein Krömeier (Franziska Wulf).

Von Nada Weigelt

Berlin - Darf man über Hitler lachen? David Wnendt stellt die Frage in der Bestsellerverfilmung „Er ist wieder da“ längst anders. Der Film ist komisch, aber auch bittere Realität.

„Wer isn dette?“ Die Jungs auf dem Parkplatz über dem einstigen Führerbunker in Berlin wundern sich, als ihnen ein scheinbar verwirrter Mann in abgerissener Nazi-Uniform entgegenkommt.

Es ist die Stelle, an der einst Adolf Hitler und seine Lebensgefährtin Eva Braun nach ihrem Selbstmord vom 30. April 1945 verbrannt worden sein sollen. Nun also kehrt er zurück.

„Er ist wieder da“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Bucherfolgs von Timur Vermes durch Regisseur David Wnendt.

Adolf Hitler studiert befremdet die Berliner Zeitungen, der Kioskbesitzer (Lars Rudolph) schaut zu.
Adolf Hitler studiert befremdet die Berliner Zeitungen, der Kioskbesitzer (Lars Rudolph) schaut zu.

20 Wochen lang führte die schräge Hitler-Satire 2012 die Bestsellerliste an, mehr als 2,3 Millionen Exemplare sind verkauft worden, Lizenzen in 41 Sprachen vergeben.

Wnendt wäre nicht Wnendt, würde er die Vorlage nicht um einige Volten weiterdrehen. Zwar macht auch bei ihm der wiedererwachte Hitler eine atemberaubende Karriere als TV-Star, weil die Menschen ihn als einen begnadeten, politisch abgedrehten Comedian sehen. Doch der Film hält vor allem dem Publikum einen Spiegel vor. Er zeigt, wie das Deutschland von heute einen Hitler erneut aufnimmt, wie es sich von ihm wohlig aus der „Volksseele“ sprechen lässt.

Wenn irgendwo der Spruch noch passt vom Lachen, das einem im Halse stecken bleibt, dann bei dieser bitterbösen, erschreckenden und unbedingt sehenswerten Satire. „Mir war wichtig, die Realität in den Film zu holen, um etwas über unsere heutige Gesellschaft auszusagen“, sagt Wnendt.

Mit seinem Hauptdarsteller, dem 1968 in Stuttgart geborenen Wiener Burgschauspieler Oliver Masucci, macht er eine Reise durch Deutschland und lässt ihn in voller Montur als Hitler-Double mit den Menschen von der Straße sprechen: dem Rentner, dem Arbeitslosen, der Hundezüchterin und dem bayerischen Bergbauern. Als würde der aufgeräumte „Führer“ dem Volk die Scham nehmen, über verborgene Ängste zu sprechen, sprudeln Vorurteile, Fremdenhass und Politikverdrossenheit nur so heraus.

380 Stunden Filmmaterial haben die Macher von dieser Reise mitgebracht - und ein Teil davon ist als Doku-Block im Film zu sehen. Anders als in den meisten Hitler-Filmen - von Charlie Chaplins „Großem Diktator“ (1940) bis zu Bernd Eichingers „Untergang“ (2004) mit Bruno Ganz - arbeiten Wnendt und Masucci bewusst daran, ihren „Führer“ nicht als die Inkarnation des Bösen zu zeichnen.

„Auch Hitler war ein Mensch und kein Monster“, sagt Wnendt. „Ohne das Volk und die Menschen, die ihn freiwillig gewählt haben, hätte es seinen Aufstieg nicht gegeben.“

Fotos: Constantin Film


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