Geht eine Sprachschule mit dieser Juden-Anspielung zu weit?

Dieser vermeintlich kreative Witz geht vielen Usern viel zu weit.
Dieser vermeintlich kreative Witz geht vielen Usern viel zu weit.

Wien - Ein Mann mit Hut, runder Brille, Sakku und langer Hakennase steht ratlos am Bahnsteig. "Enjoy life in full trains" steht daneben geschrieben. Genau diese Werbekampagne löst gerade einen riesigen Shitstorm im Netz aus.

Unter Beschuss? Die österreichische Sprachschule Berlitz und deren neue Werbeagentur Warda.

"Geschichtslos, gedankenlos oder offen antisemitisch", schreibt eine Userin bei Twitter. Damit spricht sie vielen aus dem Herzen. Denn die Anspielung auf Judentransporte ist quasi unverkennbar. Der Satz "Das Leben in vollen Zügen genießen" ziert pietätlose Memes im Netz, als Schriftzug vor historischen Bildern der grausamen Deportationen von Juden im Zweiten Weltkrieg.

"Das Advert ist purer Antisemitismus mit einem Witz aus der Nazi-Szene", meint ein anderer. Doch das Unternehmen sah sich anscheinend - anfangs - keiner Schuld bewusst.

Man hätte extra die junge, kreative Werbeagentur Warda beauftragt, um die Aktionsangebote zu bewerben, so der O-Ton von Heino Sierath, Geschäftsführer bei Berlitz. Von gewohntem Selbstbewusstsein strotzen auch die Werber: "Ich bin megastolz auf mein Team und darüber, dass wir uns durchsetzen konnten. Wir freuen uns sehr, zum ersten Mal bei einem Kunden in den Lead zu gehen.“, zitiert der Tagesspiegel den Warda-Geschäftsführer Eugen Prosquill.

Doch nun bröckelt die Fassade langsam. Zu groß ist die Kritik an der Rhetorik der Kampagne. Man versucht sich in Erklärungen:

„Das von uns verwendete Gesicht zur Kampagne entstammt einer Online-Bilddatenbank und soll keineswegs den vermeintlichen Stereotypen eines Juden darstellen – die selbe Person findet man auch als Feuerwehrmann und als schwitzenden Touristen in der Wüste, wir haben in anderen Eigenprojekten schon mehrfach unsere Meinung zu Antisemitismus, Rassismus und menschenverachtendem Gedankengut gezeigt. Der Vorwurf, auf die Deportationen im zweiten Weltkrieg oder auf sonstige Parallelen zum Antisemitismus anzuspielen, empfinden wir als fehl am Platz. Berlitz steht für Brücken bauen durch Sprache und dafür wird geworben.", heißt es von Seiten der Agentur am Dienstagabend.

Ausversehen? Sehr fraglich. Ein User meint zu Recht: "Wenn Berlitz den Witz selbst gemacht hätte, hat er aber nicht!". Der Gründer der Sprachschule war selbst Jude.


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