Wertpapierhandel mit Low-Cost-Broker – Was hat es damit auf sich?

Deutschland – Die Geburtsstunde der sogenannten Low-Cost-Broker war im Jahr 2013, als das kalifornische Start-Up Robinhood zum ersten Mal Aktienhandel zum Nulltarif ermöglichte. Das sorgte zugleich für ein enormes Aussehen bei den etablierten Online Brokern.

Seit diesem Zeitpunkt drängen immer mehr US-amerikanische Anbieter mit dem Nulltarif oder extrem geringen Gebühren beim Online-Handel von Aktien auf den Markt. Der Vergleich von Neo-Brokern auf brokervergleich.de zeigt, worauf Anleger bei der Auswahl eines Neo-Brokers achten sollten und welche Anbieter empfehlenswert sind.

© unsplash.com / Austin Distel

Aus den Berechnungen von brokervergleich.de wird deutlich, dass die Ordergebühren bei Neo-Brokern oftmals deutlich geringer sind. Das hat direkten Einfluss auf die Rendite. Vergleicht man z.B. die Anbieter Trade Republic und comdirect miteinander, kann die Rendite aufgrund geringerer Gebühren bis zu 20% höher ausfallen.

Keine leichte Entwicklung für die Banken

Das Geld in der Niedrigzinsphase auf dem Sparbuch zu lassen, macht keinen Sinn, im schlechtesten Fall erhebt die Bank hier sogar „Strafzinsen“. Als alternative Anlageform finden Aktien immer mehr Anklang. Und für den Kauf und Verkauf dieser Aktien benötigt man einen Broker.

In Deutschland findet in diesem Bereich ein echter Konkurrenzkampf statt. Dieser Wettbewerb hat zur Folge, dass der Kampf unter den Brokern vor allem über die Gebührensenkungen ausgetragen wird.

Für die Banken hat das erhebliche Folgen, denn einerseits verdienen die Banken inzwischen durch den Wertpapierhandel immer weniger Geld und andererseits sind sie gezwungen, hohe Investitionen zu tätigen, um technologisch mithalten zu können. Nur so können sie nämlich den wachsenden digitalen Bedürfnissen der Kunden weiterhin gerecht werden.

Genau betrachtet kann da schnell die Frage aufkommen, wie Low-Cost-Broker oder auch „Smartphone-Broker“ ihre Dienste zum Nulltarif oder mit extrem geringen Gebühren überhaupt anbieten können. Mancher Anleger stellt zudem möglicherweise die Frage, ob ein solcher Broker überhaupt ein gleichwertiges Angebot liefern kann wie andere Broker.

Ein Blick auf die Leistung der neuen Online-Broker

Grundsätzlich ist die Depotführung bei allen Low-Cost-Brokern kostenfrei. Das Konzept sieht hier vor, den Kunden auf der einen Seite ein gutes Angebot bereitzustellen, dieses aber auf der anderen Seite gleichzeitig einzuschränken. Auf diese Weise werden Kosten eingespart.

Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass Low-Cost-Broker deutlich weniger Produkte bereitstellen. Zudem lassen sich diese auch an weniger Börsen handeln. Aus diesem Grund können sie aber günstigere Konditionen anbieten als klassische Broker.

So funktioniert der provisionsfreie Wertpapierhandel

In Deutschland ist der Wertpapierhandel immer noch teuer, wenig komfortabel und oftmals auch noch kompliziert. Hierzulande fallen abhängig von der gewählten Bank bzw. dem gewählten Broker Gebühren von mindestens 5 bis 20 Euro bei Aktienkauf und -verkauf an. Hinzu kommt, dass vielerorts auch noch Depotverwaltungsgebühren anfallen.

Doch wenn ab jetzt alles kostenlos ist, wie können die neuen Anbieter dann überhaupt Geld verdienen? Tatsächlich kommt das aktuelle Geschäftsmodell weitgehend ohne Kosten für den Kunden aus. Vor allem liegt das daran, dass diese Anbieter auf Depotgebühren, Orderprovisionen und Fremdkostenpauschalen verzichten.

Ertragsüberschüsse werden an anderer Stelle erwirtschaftet

Um dieses Geschäftsmodell überhaupt tragbar zu machen, bedarf es einer sehr schlanken Aufstellung, die sehr geringe Kosten verursacht. Für gewöhnlich werden Transaktionen ausschließlich via Mobile App angeboten. Auch gibt es keine Call Center und, wie bereits erwähnt, steht hier nur ein stark reduziertes Angebot an Börsenplätzen und handelbaren Wertpapieren zur Verfügung.

Die von den Handelspartnern erhaltenen Zuwendungen sind hier der Haupteinnahmequelle der Low-Cost-Broker. Hierbei handelt es sich um die Marketingzuschüsse und Kick-Backs von Emittenten, Banken, Fondsgesellschaften und Börsenplätzen.

Das Geschäftsmodell ist nicht ganz unproblematisch

Alle Finanzinstitute erhalten die Zuwendungen von Emittenten, Banken, Fondsgesellschaften und Börsenplätzen, das gilt also nicht nur für die Low-Cost-Broker. Die Zahlungen sind getarnt als Marketingzuschüsse. Zwar sind diese aus juristischer Sicht nicht an die Handelsumsätze gekoppelt, allerdings in der Praxis sehr wohl.

Aus diesem Grund ist dieses Geschäftsmodell nicht ganz unproblematisch, da Zahlungen dieser Art laut WpHG und MiFID II eigentlich ausgeschlossen sind, oder besser gesagt, diese müssen an den Kunden ausgekehrt werden. Auf jeden Fall aber müssen sie transparent gemacht werden.

Laut Gesetz gibt es hier aber Ausnahmen. Zuwendungen, die darauf ausgelegt sind, die Qualität der erbrachten Dienstleistung für den Kunden zu verbessern sind gestattet. Die Qualitätsverbesserungen, sind aber häufig eher Bestandteile der etablierten Anbieter mit Beratung.

Es gibt einige Einschränkungen

Bei Low-Cost-Brokern ist alles sehr eng kalkuliert, was zur Folge hat, dass die Kunden hier grundsätzlich gewisse Einschränkungen hinnehmen müssen. Das betrifft vor allem das Angebot an Produkten, ebenso wie die Zahl der Börsenplätze, an denen man handeln kann. Je nach Broker sind diese Einschränkungen jedoch unterschiedlich.

Das begrenzte Angebot der Low-Cost-Broker

Gehandelt werden sowohl Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen und Zertifikate bei den Low-Cost-Brokern. Zudem gibt es auch zwei Anbieter, die kostenlose ETF-Sparpläne im Angebot haben.

Hauptsächlich besteht die Einschränkung darin, dass die ETF-Produkte nur von ausgewählten ETF-Anbietern gehandelt werden können. Auch wenn diese nicht von allen Low-Cost-Brokern angeboten werden, so ist das Gesamtangebot dennoch nicht klein.

Low-Cost-Broker und der Kundenkreis

Internetaffine Menschen, die auch im Finanzbereich gerne online tätig sind, für die sind die Low-Cost-Broker ganz sicher genau das Richtige. Das Gleiche trifft in jedem Fall auch auf die Vieltrader zu.

Etwas anders verhält es sich jedoch mit der Personengruppe, die besonderen Wert auf den persönlichen Kontakt zu ihrem Bankberater legen. Der klassische Broker, von dem man gewohnt ist, dass er 24/7 zur Verfügung steht, den Kunden mit Kreditkarten versorgt und auch noch ein Girokonto anbietet, ist für diese Personengruppe sicherlich der geeignetere Weg.

Für Anleger, die auf ein ausgewogenes Angebot über alle Kategorien hinweg Wert legen, gilt das ebenso. 

Titelfoto: unsplash.com / Austin Distel


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