Whistleblower erhält Dresden-Preis

Kam 1974 als Flüchtling im Vietnam-Krieg nach Dresden: Bui Truong Binh (61) überreicht am Sonntag in der Dresdner Semperoper einem einst verhassten Amerikaner den Friedenspreis.
Kam 1974 als Flüchtling im Vietnam-Krieg nach Dresden: Bui Truong Binh (61) überreicht am Sonntag in der Dresdner Semperoper einem einst verhassten Amerikaner den Friedenspreis.

Von Antje Meier und Uwe Blümel

Dresden - Der 7. Internationale Friedenspreis wird am Sonntag um 11 Uhr in der Semperoper verliehen. In diesem Jahr geht er an den amerikanischen Friedensaktivisten und Whistleblower Daniel Ellsberg (84).

Eine Laudatio soll dabei vom aktuell bekanntesten Whistleblower der Welt kommen - Edward Snowden (32) wird, so der Plan, per Livestream aus Moskau zugeschaltet (siehe unten).

Preisträger Ellsberg veröffentlichte 1971 geheime Akten zum Vietnamkrieg. Den Preis überreicht ihm Bui Truong Binh (61): Ein Dresdner Vietnamese, einst Flüchtling, der sagt: „Lange Zeit habe ich die Amerikaner gehasst.“ Am Sonntag schüttelt er einem die Hand.

„Daniel Ellsberg hat alles riskiert, um das Leben von vietnamesischen Menschen zu retten“, liest Bui Truong Binh aus seiner Rede vor. Versöhnliche Worte für den einstigen Feind.

Bui Truong Binh wuchs mit drei Schwestern im nordvietnamesischen Hai Duong auf.

Der US-amerikanische Whistleblower Daniel Ellsberg (84) wird mit dem internationalen Friedenspreis ausgezeichnet.
Der US-amerikanische Whistleblower Daniel Ellsberg (84) wird mit dem internationalen Friedenspreis ausgezeichnet.

Geboren wurde er 1955, als der (zweite) Vietnamkrieg (bis 1975) ausbrach. Sein Vater kämpfte gegen die Amerikaner, starb nach Kriegsende an Lungenkrebs – vermutlich ausgelöst durch den Einsatz chemischer Waffen.

Ab 1972 begannen die USA verstärkt den Norden zu bombardieren. Auch Bui Truong Binh wurde beinahe getroffen. „Wir hatten Löcher, also so etwas wie Bunker. Da konnte ich mich rein retten, als die Bombe einschlug“, erinnert sich der Dresdner, der sich im Ausländerrat der Stadt engagiert.

Bis heute trägt er davon drei Nägel im Rücken mit sich herum. „Immer wenn ich fliegen will, piepsen die Metalldetektoren“, sagt er lachend.

Danach entschied die Familie, ihn wegzuschicken. „Ich bin der einzige Sohn meiner Eltern. Da wollte meine Familie sichergehen, dass wenigstens einer überlebt“, erzählt Binh. 1974 kam er per Regierungsabkommen in die DDR, lernte Landmaschinenbau. Seit 1983 lebt er in Dresden und gründete eine Familie.

Den Vietnamkrieg kann er nicht vergessen, sagt er. Dafür aber verzeihen. „Binh heißt Frieden“, erzählt der 61-Jährige. „Und das ist alles, was ich will.“

So kommt Snowden in die Oper

Edward snowen (32) enthüllte die weltweite Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten.
Edward snowen (32) enthüllte die weltweite Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten.

Dresden - Er holt heute Edward Snowden (32) in die Semperoper: Videotechniker Knut Geng (52) beamt den berühmten Whistleblower im russischen Exil auf eine 17 mal 9,50 Meter große Leinwand.

Snowden will gegen 12.30 Uhr live eine Laudatio auf den Preisträger halten - wenn die Geheimdienste die Leitung nicht kappen.

„Der Kontakt kommt über einen Mittelsmann in Amerika zustande“, verrät Geng. „Für die Gespräche mit ihm reichte mein Schul-Englisch aus.“

Der Techniker muss heute sicherstellen, dass Snowden gesehen wird, via Kamera selbst einen Blick in den Opernsaal werfen kann und sein Übersetzer zu hören ist. Dabei steuert Geng die Übertragung aus der Projektionsloge vom 2. Rang.

„Für die technische Umsetzung hat ein fünfköpfiges Team das Netz in der Oper aufgerüstet und mit dem Internet verbunden“, sagt Geng.

Ansonsten ist er für die Projektion des Feuers im „Freischütz“ oder die Animation fliegender Schwäne im Ballett „Schwanensee“ zuständig.

Videotechniker Knut Geng (52) beamt den Whistleblower am Sonntag an die Wand.
Videotechniker Knut Geng (52) beamt den Whistleblower am Sonntag an die Wand.

Fotos: Steffen Füssel, dpa


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