Wie ein Krimineller unser Leben zerstörte!

Hilfe in der Not: Roswitha Meyer (53) und Dietmar Haschke (48) bekommen Unterstützung von Friedrich Schulze (66, Mitte), Leiter des Chemnitzer „Weißen Rings“.
Hilfe in der Not: Roswitha Meyer (53) und Dietmar Haschke (48) bekommen Unterstützung von Friedrich Schulze (66, Mitte), Leiter des Chemnitzer „Weißen Rings“.

Von Mandy Schneider

Chemnitz - Ein Krimineller zersprengte das normale Leben von Roswitha Meyer (53) und Dietmar Haschke (48). Die beiden verloren über Nacht alles.

Aus Eifersucht hatte Daniel S. (23) an einem Abend im März in einem Ebersdorfer Wohnhaus Benzin verschüttet und angezündet. Die Mieter ahnten nicht, was in der Nachbarwohnung vor sich ging.

Erst als die Verpuffung die Giebelwand verschob, schreckten sie auf. „Der Knall war ohrenbetäubend“ erinnert sich Roswitha Meyer. Die Feuerwehr rettete die Hausbewohner aus dem einsturzgefährdeten Haus.

Wenig später fand sich das Paar in einer Unterkunft für Wohnungslose wieder - in Pantoffeln und ohne Geld. „Es gab keine andere Möglichkeit. In unsere Wohnung durften wir nicht zurück.“

Finanzielle Reserven oder eine Versicherung hatten die arbeitslose Molkereifacharbeiterin und der frühere Rettungsassistent, der wegen einer Erkrankung erwerbsunfähig ist, nicht. Sie suchten bei Ämtern Hilfe. „Doch niemand fühlte sich zuständig.“

Der Täter: Daniel S. (23) zündete in einer Nachbarwohnung des Paares mit Benzin an.
Der Täter: Daniel S. (23) zündete in einer Nachbarwohnung des Paares mit Benzin an.

Erst Friedrich Schulze (66) vom „Weißen Ring“ kümmerte sich.

„Eine finanzielle Soforthilfe für Kleidung und Essen war nötig. Über die Möbelbörse wurde eine Grundeinrichtung für eine Wohnung besorgt“, so der ehrenamtliche Leiter der Chemnitzer Außenstelle des „Weißen Rings“.

Nach zwei Monaten hatte das Paar endlich wieder ein eigenes Obdach. Doch in der Wohnung fühlen sich beide bis heute fremd. „Ich durfte unsere alte noch einmal kurz betreten, konnte außer wenigen Dokumenten und Bildern nichts mitnehmen“, sagt Roswitha Meyer traurig.

Bis heute leidet sie unter Albträumen. Der „Weiße Ring“ vermittelte eine psychologische Behandlung.

Der Täter wurde zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Auf eine Entschädigung können die Opfer nicht hoffen. Friedrich Schulze: „Die müsste vor Gericht eingeklagt werden.“

Roswitha Meyer: „Ich hoffe, dass ich irgendwann nicht mehr bei jedem Knall zusammenschrecke.“

Tatort Klopstockstraße: Durch die Wucht der Explosion zieht sich ein Riss durchs ganze Haus, brockenweise fällt der Putz aus dem Mauerwerk.
Tatort Klopstockstraße: Durch die Wucht der Explosion zieht sich ein Riss durchs ganze Haus, brockenweise fällt der Putz aus dem Mauerwerk.

Fotos: Haertepress (2), Uwe Meinhold (1)


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0