Wie viele Beton-Plätze bekommt Dresden noch?

Arthur John (20), Benita Horst (37, FDP), Sandro Hanke (19), Jaqueline Muth (34, Linke) Georg von Rüdiger (20) und Mirko Sennewald (41, v.l.) trugen symbolisch den Scheuneplatz zu Grabe.
Arthur John (20), Benita Horst (37, FDP), Sandro Hanke (19), Jaqueline Muth (34, Linke) Georg von Rüdiger (20) und Mirko Sennewald (41, v.l.) trugen symbolisch den Scheuneplatz zu Grabe.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Kaum zu glauben, aber ab Montag sollen die Bagger vor der Scheune in der Neustadt anrücken. Ein maroder Vorplatz wird zu einem versiegelten Multifunktionsplatz - nach 15 Jahren Planung.

Ähnlich dem Postplatz droht eine weitere kaum genutzte Betonwüste an zentraler Stelle. Politiker und Neustadt-Aktivisten trugen den alten Platz gestern symbolisch zu Grabe.

Was kommt, ist eine Lösung die allen gerecht werden soll. „Die bereits früher kritisierte Verpostplatzung des Scheune-Vorfeldes wird jetzt Realität“, mahnt Stadträtin Jaqueline Muth (34, Linke).

Und in der Tat: "Wegen der offenen Nutzung muss die Fläche größtenteils versiegelt werden. Autos, Marktstände oder andere Dinge sind sonst nicht denkbar", sagt Jens Rossa (45) vom beauftragten Büro „r+b lanschafts architektur“.

Auch die Bunte Ecke in der Neustadt wurde vor wenigen Jahren erneuert, ein großer Teil zugepflastert.
Auch die Bunte Ecke in der Neustadt wurde vor wenigen Jahren erneuert, ein großer Teil zugepflastert.

Zudem sei die Reinigung einfacher und günstiger. Die Versiegelung von Plätzen hat sich bereits an vielen anderen zentralen Plätzen der Stadt durchgesetzt:

Die bunte Ecke an der Alaunstraße wurde zur grauen Ecke. Es dauerte Jahre, bis sich Neustädter wieder an dem Plastereck niederließen.

Auch der noch junge Korea-Platz an der Weißeritzstraße (370.000 Euro) ist nahezu komplett versiegelt. Nur einige Bäume durchstechen den gepflasterten Boden, sorgen für Naturgefühl.

Mit diesem Problem musste bis 2009 auch der Postplatz kämpfen. Damals stellten Unbekannte aus Protest bepflanzte Toiletten auf.

Wenige Wochen später reagierte die Stadt, stellte Grünbeete auf. Bepflanzte Toiletten wurden vor der Scheune bislang aber noch nicht aufgestellt.

So versiegelt ist Dresden

Der Koreanische Platz an der Weißeritzstraße (370.000 Euro) ist auf dem Boden nahezu komplett versiegelt.
Der Koreanische Platz an der Weißeritzstraße (370.000 Euro) ist auf dem Boden nahezu komplett versiegelt.

Die Dresdner Altstadt ist laut Stadtverwaltung als ein Schwerpunkt der Versiegelung deutlich erkennbar.

Doch die jetzige Betonierung des Scheune-Vorplatzes folgt einem Trend: Die Äußere Neustadt hat in Dresden den höchsten Versiegelungsgrad (73 Prozent), dicht gefolgt von der Inneren Altstadt (71 Prozent).

Auf Platz drei liegt Löbtau-Süd (62 Prozent). Deutlich offener gestaltet ist der Stadtteil Gruna östlich des Großen Gartens (53 Prozent).

Ein rundum grünes Areal ist der Freiberger Platz an der Annenkirche.
Ein rundum grünes Areal ist der Freiberger Platz an der Annenkirche.
Der Postplatz gilt als Sinnbild der Versiegelung. Die Beete wurden 2009 nachträglich aufgestellt.
Der Postplatz gilt als Sinnbild der Versiegelung. Die Beete wurden 2009 nachträglich aufgestellt.

Fotos: Steffen Füssel, Christian Suhrbier


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