So verlief die dritte Nacht in Heidenau

Heidenau - Nach den rassistischen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau will Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) am Montag die dortige Flüchtlings-Notunterkunft besuchen.

Auf Einladung von Sachsens stellvertretenden Ministerpräsidenten Martin Dulig (SPD) will sich Gabriel ein Bild von der Situation machen - als erstes Mitglied der Bundesregierung.

Der SPD-Chef hat dafür die Route seiner Sommerreise geändert. Gabriel ist bis Dienstagabend in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterwegs.

So berichtete MOPO24 am Sonntag aus Heidenau:

0:30 Uhr: Die Polizei stellte Waffen der Antifa in Heidenau sicher. Darunter auch mehrere Nothämmer.

Polizeisprecher Marko Laske zum Polizeieinsatz in Heidenau

Update 22:45 Uhr: Ein Großteil der Antifa ist am Bahnhof angekommen und tritt die Heimfahrt an. Die Polizei kontrolliert im Umfeld des Heimes nach wie vor Schaulustige und erkennbar Rechte und schickt sie weg. Nach Informationen von LVZ-Online wurde auch ein Kamerateam von der Polizei mit dem Schlagstock attackiert.

Update 22:20 Uhr: Inzwischen ist die Antifa vor dem Praktiker-Markt angekommen und hält eine Kundgebung ab. Die Lage spitzt sich zu. Offenbar gibt es immer wieder Zusammestöße während sich die Antifa auf dem Rückweg befindet, Angriffe und Flaschenwürfe zwischen Rechten und Linken. Daraufhin setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray gegen die Antifa ein. Die Demonstration wurde vom Asylheim weggedrängt. Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot wurden die Linken zum Bahnhof gebracht.

Update 20:30 Uhr: Innerhalb des Kontrollbereiches sind am Abend keine rechten Versammlungen zugelassen. Etwa 80 Personen wurden von der Polizei vom Bereich des Real-Parkplatzes am Asylheim weggeschickt. Inzwischen sind zwei Wasserwerfer vor Ort. Die Bereitschaftspolizei ist erstmals mit einem Einsatzzug angerückt.

Update 19:40 Uhr: Etwa 50 Rechte stehen auf auf dem Parkplatz des Realmarktes. Die Polizei hat einen Wasserwerfer in Heidenau aufgefahren.

Update 19 Uhr: Am Nachmittag lud der User "xsbilly" bei Youtube ein Video hoch, das offenbar von den Rechten selbst gedreht wurde. Darin sind die randalierenden Neonazis in Heidenau deutlich zu erkennen, unter anderem wie sie Polizisten angreifen. Nach kurzer Zeit wurde es wieder gelöscht. Doch die SPD Sachsen hatte es gesichert und Strafanzeige gestellt. SPD-Landtagsabgeordneter Henning Homann: „Um Beweise zu sichern und eine konsequente Strafverfolgung zu ermöglichen, habe ich das Video gesichert, Anzeige erstattet und das Video wieder ins Internet gestellt."

Update 17:43 Uhr: Polizeipräsident Dieter Kroll erklärt, dass der Angriff am Sonnabend völlig unvermittelt kam. "Er galt auch uns. Im Einsatz war alles, was wir zusammenkratzen konnten. Wir wissen, wer uns gegenüber stand. Die Strafverfolgung findet statt."

Update 17:38 Uhr: Innenminister Markus Ulbig (CDU) gibt Details zur Sicherheitszone bekannt. Sie soll in den kommenden Stunden eingerichtet werden. Dabei wird nicht nur das Umfeld des Asylheims einbezogen sein. Wegen der Ereignisse in den vergangenen Tagen soll sie bis in die Innenstadt gelten. In diesem Kontrollbereich dürfen Polizisten ohne besonderen Anlass Menschen kontrollieren, Personalien feststellen und Platzverweise aussprechen.

Update 17:19 Uhr: Wirtschaftsminister Martin Dulig findet klare Worte. Er verurteilt den "braunen Mob" und erklärt deutlich: "wir stehen hier, um klar zu machen, wir lassen uns das nicht gefallen!" Das ganze Statement im Video:

Update 17:13 Uhr: Nach dem Besuch des Erstaufnahmeheims in Heidenau bemüht sich Stanislaw Tillich um klare Worte zu den Neonazi-Randalen der vergangenen Nächte. "Es gibt null Toleranz gegenüber Rassismus" ... "Das werden wir mit dem staatlichen Gewaltmonopol auch durchsetzen". Das ganze Statement im Video.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich zur Gewalt in Heidenau

Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Abgeordnete des Sächsischen Landtages, und Martin Dulig.
Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Abgeordnete des Sächsischen Landtages, und Martin Dulig.
Stanislaw Tillich (CDU) vor Pressevertretern. Er verurteilt auch die "schwere Gewalt gegenüber den Polizisten".
Stanislaw Tillich (CDU) vor Pressevertretern. Er verurteilt auch die "schwere Gewalt gegenüber den Polizisten".

Update 17:00 Uhr: Am Sonntag riefen außerdem bei Facebook, Twitter und in Blogs verschiedene linke Gruppen dazu auf, am Abend nach Heidenau zu kommen. Vor dem Asylheim sollen sie sich treffen, um "die Nazis zu vertreiben". Aktuell wurde zwar zu keiner Demo gegen das Asylheim aufgerufen, dennoch ist davon auszugehen, dass sich erneut Rechte versammeln. Nicht auszuschließen, dass es zu erneuten Zusammmenstößen mit Linken und der Polizei kommt.

Roija (56) und Larissa (16) Weidhas aus Dresden verteilen selbst gebackenen Apfelkuchen.
Roija (56) und Larissa (16) Weidhas aus Dresden verteilen selbst gebackenen Apfelkuchen.

Fotos: Ove Landgraf, Juliane Morgenroth, Christian Essler, Eric Hofmann


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