Wiedereröffnung des Fernsehturms: In Wachwitz regt sich der Widerstand

Dresden - Des einen Freud ist des anderen Leid. An kaum einer Stelle wird das in Dresden so deutlich wie am Fernsehturm.

Stefan Berthold (56, l.), Uwe Katscher (53, M.) und Hendrik Haufe (52, r.) sehen die Wiederbelebung des Fernsehturms kritisch.
Stefan Berthold (56, l.), Uwe Katscher (53, M.) und Hendrik Haufe (52, r.) sehen die Wiederbelebung des Fernsehturms kritisch.  © Norbert Neumann

Während am Samstag hoch oben im Turm freudig ein weiterer Schritt in Richtung Sanierung gemacht wurde (TAG24 berichtete), formierte sich am Boden Widerstand gegen das Projekt. Denn anders als viele andere Dresdner, sind die Anwohner von den Plänen der Stadt wenig begeistert.

Diese hat gemeinsam mit Bund, Land und dem Eigentümer eine Absichtserklärung unterzeichnet. Inhalt: Wenn der Stadtrat mitspielt, geht Dresden in Vorleistungen, was die drei Millionen Euro teuren Planungsvorbereitungen angeht, ist damit aber auch beim Bund in Sachen Fördermittel direkt antragsberechtigt. Die drei Millionen werden später verrechnet. Zudem wurde bekanntgegeben, dass die Ausschreibung für den Betrieb der Publikumsflächen bis Jahresende passiert.

Den Anwohnern geht das alles zu schnell. Bevor über die Sanierung des Turms, dessen Betreibung und die Pläne für den Bau einer Seilbahn gesprochen wird, sollte ihrer Meinung nach zuerst über das Drumherum gesprochen werden. "Wir sind nicht gegen den Fernsehturm", sagt Anwohner Stefan Berthold (56), "aber es gibt keine Infrastruktur."

So sehen das viele Wachwitzer.

Einige Anwohner finden, dass Geld für die Turmsanierung woanders besser angelegt wäre.
Einige Anwohner finden, dass Geld für die Turmsanierung woanders besser angelegt wäre.  © Norbert Neumann

"In der Siedlung wissen viele, dass es schon zu DDR-Zeiten eine Katastrophe war. Und damals war die Straße breiter, es gab einen riesigen Parkplatz und auch die Wanderwege waren in besserem Zustand", erzählt Uwe Katscher (53). Während der Parkplatz seitdem deutlich kleiner geworden ist, haben mehr Menschen ein Auto. Mit dem wollen sie so nah wie möglich an den Turm heranfahren. "Als Anwohner kommen wir nicht mehr in die Grundstücke rein", befürchtet Berthold.

Einen Vorgeschmack gab es am Samstag. Da habe bereits Chaos geherrscht, weil viele Menschen dachten, der Turm sei offen, erzählt Hendrik Haufe (52). Er wohnt am Oberwachwitzer Weg und will sich wie viele Nachbarn nicht die Blechlawine vorstellen, die nach der Wiedereröffnung von der Pillnitzer Landstraße über die enge, kurvige Bergstraße zum Turm rollen würde.

Was die Anwohner aber vor allem wollen, ist eine Einwohnerversammlung. Über die erste vor zwei Jahren seien sie nämlich nicht informiert worden.

Marke und Münzen für den Fernsehturm

Anlässlich seines 50. Geburtstages ziert der Fernsehturm nun eine Briefmarke und eine Münze.
Anlässlich seines 50. Geburtstages ziert der Fernsehturm nun eine Briefmarke und eine Münze.  © Norbert Neumann

Der Fernsehturm soll wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Das passende Datum liefert in diesen Tagen schon mal die Eröffnung vor 50 Jahren.

So gibt es den Fernsehturm ab sofort als Motiv der neuen Sonderbriefmarke von "PostModern".

Aber auch als Münze ist die "Wachwitzer Nadel" zu haben - in Gold oder Silber, mit Spendenanteil.

Die Feinsilbermedaille kostet 59,90 Euro, darin sind 5 Euro Spende.

Die Gold-Münze kostet 999 Euro, davon sind 25 Euro Spende.

Interview: Das sagt OB Hilbert zum Fernsehturm

OB Dirk Hilbert (47,li., FDP) verspricht eine weitere Infoveranstaltung zum Turm.
OB Dirk Hilbert (47,li., FDP) verspricht eine weitere Infoveranstaltung zum Turm.

TAG24: Herr Hilbert, unser Fernsehturm wurde auf der Immobilien-Messe Expo-Real präsentiert. Gibt es Interessenten?

Hilbert: "Die Funkturm GmbH als Eigentümer und Ausschreibende hat auf der Messe Gespräche geführt, aber auch bereits davor. Zum Beispiel mit solchen, die bereits einen Fernsehturm betreiben. Der Startschuss zur Ausschreibung wird bis Jahresende erfolgen. Wir selbst werden in den nächsten Wochen weitere im Bereich der Eventlocation-Betreiber ansprechen."

TAG24: Fürs Café und die Aussichtsplattform.

Hilbert: "Ich erhoffe mir, dass nicht nur Konzepte für oben entwickelt werden, sondern auch für den Bereich am Fuß ein interessantes Angebot geschaffen wird, gerade für Familien. Es geht um ein Gesamtbetreiberkonzept."

TAG24: Wäre noch immer auch ein Hotel am Fuß möglich?

Hilbert: "Das halten wir nicht für ausgeschlossen. Immerhin gibt es ja noch ein Verwaltungsgebäude, was für den Turm-Eigentümer nicht mehr betriebsnotwendig ist. Und es sind Grundstücke sowohl von der Funkturm-Gesellschaft als auch von der Stadt da."

TAG24: Es gibt Anwohnerproteste. Auch, weil sich viele Nachbarn schlecht informiert fühlen.

Hilbert: "Da möchte ich fast in ein weinerliches Lachen ausbrechen. Weil ich beim Einstieg der Stadt bewusst gesagt habe, zu ernstzunehmenden Einwendungen machen wir eine Einwohnerversammlung. An Ort und Stelle, in dem Fall aus Platzgründen im Gymnasium in Bühlau. Da war kein einziger Anwohner da, der sich äußerte. Das tut mir ein bissl leid..."

TAG24: So kann das ja aber nicht bleiben.

Hilbert: "Genau. Wir haben eine Verkehrsstudie beauftragt. Weil uns sehr wohl bewusst ist, dass die verkehrliche Erschließung eine der Hauptherausforderungen für die Wiederinbetriebnahme ist."

TAG24: Was heißt das?

Hilbert: "Dass wir den Verkehr frühzeitig an einen Park & Ride-Platz abfangen und gar nicht erst in die Ortslage Wachwitz führen. Zum Beispiel an der B6. Untersucht werden Buslinien, die auch benachbarte touristische Attraktionen einbinden - eine Strecke Körnerplatz, Wachwitz, Pillnitz ist denkbar. Auch eine autonome Busshuttle-Strecke. Da ist schon das Herkommen eine Attraktion. Warum nicht die geplante Straßenbahnlinie Bühlau-Weißig bis Gönnsdorf verlängern?

Auf jeden Fall gibt es eine nächste Inforunde zum Thema!"

Am Samstag unterzeichneten Vertreter von Stadt, Land, Bund und Eigentümergesellschaft eine Absichtserklärung.
Am Samstag unterzeichneten Vertreter von Stadt, Land, Bund und Eigentümergesellschaft eine Absichtserklärung.  © Norbert Neumann
Die Idee einer Seilbahn zum Turm stößt bei den Anwohnern auf wenig Gegenliebe.
Die Idee einer Seilbahn zum Turm stößt bei den Anwohnern auf wenig Gegenliebe.  © Norbert Neumann
An mehreren Stellen hingen am Samstag Protestplakate.
An mehreren Stellen hingen am Samstag Protestplakate.  © Norbert Neumann

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