Was Deutschland bewegt: Beuteland - Die Millionengeschäfte krimineller Clans

Wiesbaden/Berlin/Essen - Auf eine steigende Anzahl von "tatverdächtigen Zuwanderern" in den Ermittlungsverfahren gegen die Organisierte Kriminalität von Clans verweist der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch.

Razzia gegen gegen die Organisierte Kriminalität von Clans.
Razzia gegen gegen die Organisierte Kriminalität von Clans.  © Handout/WDR/RBB/dpa

Zwar gebe es noch keine verfestigten Strukturen, doch: "In etwa einem Drittel der Verfahren sind auch Zuwanderer als Tatverdächtige aufgetaucht. Und das bedeutet, wir müssen das Phänomen weiter sehr genau im Auge behalten", sagt Münch in der ARD-Dokumentation "Beuteland - Die Millionengeschäfte krimineller Clans" von WDR und RBB.

Man dürfe "solche Dinge nicht über Jahre laufen lassen. Das ist, glaube ich, die große Lehre, die wir aus den Entwicklungen der letzten 30 Jahre ziehen müssen".

Nach Aussage des Essener Polizeipräsidenten Frank Richter beobachtet die Polizei, dass Zuwanderer den alteingesessenen arabisch-libanesischen Clans zunehmend Konkurrenz machen und sie unter Druck setzen.

Während Zuwanderer aus dem Irak lange nur als sogenannte Läufer im Drogenhandel für die Alt-Clans tätig gewesen seien, seien nun Gruppierungen zu beobachten, die versuchten, "die Geschäfte zu übernehmen".

BKA-Chef: Clan-Kriminalität "sehr genau im Auge behalten"

Schwerbewaffnete Polizisten beim Abtransport von Bargeld, dass eine Clan-Familie in einem Wohnhaus gebunkert hatte.
Schwerbewaffnete Polizisten beim Abtransport von Bargeld, dass eine Clan-Familie in einem Wohnhaus gebunkert hatte.  © Handout/WDR/RBB/dpa

Richter befürchtet, dass es zwischen den alteingesessenen Clans und den neuen Gruppen zu Auseinandersetzungen kommen könnte. Manche neu Zugewanderten würden über "Kampferfahrung verfügen". "Das ist natürlich noch mal eine ganz, ganz andere Qualität als das, was wir momentan haben."

Allein in Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben des Innenministeriums in diesem Jahr bislang 720 Razzien gegen Clan-Kriminalität. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der "Rheinischen Post" hervor.

Seit der Erfassung solcher Razzien im Juli 2018 gab es insgesamt 860 Durchsuchungen. Die Fahnder kontrollierten dabei mehr als 26.100 Menschen - davon 19.200 in diesem Jahr. Sie registrierten mehr als 10.000 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten und nahmen rund 350 Personen fest.

Zuletzt sorgte der Fall des illegal nach Deutschland eingereisten libanesischen Clan-Mitglieds Ibrahim Miri für Aufsehen. Dieser wurde am Wochenende aus Bremen in sein Heimatland abgeschoben (TAG24 berichtete).

Der Clan-Chef wurde in Deutschland von 1989 bis 2014 insgesamt 19 Mal rechtskräftig verurteilt, unter anderem wegen Raubes, schweren Diebstahls, Hehlerei und bandenmäßigen Drogenhandels. Im März kam er vorzeitig frei, im Juli wurde er in den Libanon abgeschoben. Ende Oktober tauchte er in Bremen auf, stellte einen Asylantrag und wurde wieder festgenommen.

Die ARD-Dokumentation "Beuteland - Die Millionengeschäfte krimineller Clans" (WDR/rbb) strahlt Das Erste am Montag, 25. November, um 20.15 Uhr aus.

Clans im Visier des Staates – was bringt die harte Tour?

In dieser Doku-Szene werden Luxusautos beschlagnahmt. Den Eigentümern wird die Hinterziehung von rund 48 Millionen Euro an Steuern in mehreren Glücksspielhallen vorgeworfen.
In dieser Doku-Szene werden Luxusautos beschlagnahmt. Den Eigentümern wird die Hinterziehung von rund 48 Millionen Euro an Steuern in mehreren Glücksspielhallen vorgeworfen.  © Handout/WDR/RBB/dpa

Im Anschluss an die Dokumentation diskutiert Frank Plasberg in "Hart aber fair" (ARD, 21 Uhr) zum Thema "Clans im Visier des Staates – was bringt die harte Tour?":

Durchsuchen, beschlagnahmen, abschieben - was bringt die neue Strategie von Justiz und Polizei gegen Clan-Kriminalität? Lohnt der Aufwand oder ist das Ganze eine PR-Nummer?

Und warum reden alle über arabische Clans, obwohl es viele andere kriminelle Banden gibt?

Zu Gast sind: Herbert Reul, CDU, Innenminister des Landes NRW, Olaf Sundermeyer, Journalist; Co-Autor der ARD-Reportage "Beuteland - Die Millionengeschäfte krimineller Clans", und die Kriminologin Dorothee Dienstbühl. Außerdem Wirtschafts- und Islamwissenschaftler Ahmad A. Omeirate und der Strafverteidiger László Anisic.

Titelfoto: Handout/WDR/RBB/dpa

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