Mordfall Lübcke: So oft taucht Name von Stephan E. in NSU-Geheimpapier auf

Wiesbaden/Kassel - Vor wenigen Wochen gewannen Journalisten vor Gericht: Der Verfassungsschutz muss bestimmte Fragen zum Hauptverdächtigen im Mordfall Lübcke beantworten (TAG24 berichtete). Aber bringen die neuen Informationen auch mehr Klarheit?

Stephan E. war zwei Wochen nach dem Mord an Walter Lübcke festgenommen worden.
Stephan E. war zwei Wochen nach dem Mord an Walter Lübcke festgenommen worden.  © DPA

Nach Einschätzung der hessischen Linksfraktion bleiben trotz der gerichtlich erzwungenen neuen Informationen über den Hauptverdächtigen Stephan E. weiterhin viele Fragen offen.

Laut "Welt am Sonntag" taucht der Name von Stephan E. elfmal in einem Geheimbericht des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) auf, in dem es unter anderem um die Neonazi-Szene in Nordhessen und ihren Bezug zum NSU geht.

"Es ist vor allem unklar, welcher Zeitraum von den Namens-Nennungen betroffen ist", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken im Hessischen Landtag, Hermann Schaus, am Montag in Wiesbaden.

Das Verwaltungsgericht hatte im August entschieden, dass das LfV Journalisten der "Welt am Sonntag" Auskunft zu Berichten über den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geben muss.

Die Kammer verpflichtete das Amt mittels einstweiliger Anordnung, einen Teil der Fragen zu beantworten. Die geheimen Berichte umfassen den Zeitraum 1992 bis 2012. Eine bloße Nennung der Zahl der Namens-Nennungen gefährde nicht die Arbeitsweise des Landesamtes, so das Gericht.

Weitere Informationen zu Stephan E. über die Zahl elf hinaus gab das LfV nicht heraus.

Gehörte Stefan E. zum engeren NSU-Unterstützerkreis

Am 2. Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident Lübcke on seinem Wohnhaus im nordhessischen Wolfhagen mit einem Kopfschuss getötet.
Am 2. Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident Lübcke on seinem Wohnhaus im nordhessischen Wolfhagen mit einem Kopfschuss getötet.  © DPA

Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke (CDU) war Anfang Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen bei Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden.

Der rund zwei Wochen nach der Tat festgenommene Stephan E. hatte zunächst ein Geständnis abgelegt, dieses später aber widerrufen (TAG24 berichtete).

"Ich finde elfmal viel", sagte Schaus. Stephan E. könne zum "engeren NSU-Unterstützerkreis gezählt werden".

Für mehr Transparenz müsse der allgemeine Teil des rund 250 Seiten starken Geheimberichtes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sagte Schaus.

Er forderte zusätzlich, dass der Innenausschuss des Landtags in weitere bislang geheime LfV-Dokumente Einsicht nehmen darf, bei denen es unter anderem um Stephan E. geht.

Titelfoto: DPA

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