Polizei-Azubi mit gewalttätiger Vergangenheit an Messerstecherei beteiligt

Bei der Messerstecherei in Wiesbaden gab es zwei Verletzte und einen Toten.
Bei der Messerstecherei in Wiesbaden gab es zwei Verletzte und einen Toten.  ©  dpa/Michael Ehresmann/Wiesbaden112.de

Wiesbaden - Wie Tag24 bereits mitteilte, kam es am Sonntag zu einer Messerstecherei in Wiesbaden. Nun stellt sich heraus, dass einer der Beteiligten ein Polizei-Azubi ist.

Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, war der Mann bereits als Gewalttäter aufgefallen und in den Polizeiakten vermerkt. Trotz dessen konnte er im Februar eine Ausbildung als Polizeianwärter in Hessen beginnen.

Zwischenzeitlich wurde der 23 Jahre alte Student der hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung Wiesbaden festgenommen. Den Tatverdacht zog er durch eine gemeinsame Flucht mit den anderen beiden Verdächtigen auf sich.

Im Zuge dessen wurde seine dunkle Vergangenheit aufgedeckt. Bereits vor seiner Ausbildung wurden ihm mehrere Körperverletzungen und räuberische Erpressung vorgeworfen.

Mittlerweile ist der Polizeianwärter allerdings wieder auf freiem Fuß, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Es gäbe keine Grund für einen dringenden Tatverdacht.

Die Frage ist nun, wie es überhaupt zu einem solchen Fehler kommen konnte. Vor allem Innenminister Peter Beuth (CDU) steht unter Beschuss. SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser teilte mit, dass sie darin "ein eklatantes Versagen im Zuständigkeitsbereich des Innenministers“ sehe . Besonders die „hervorragende Arbeit der hessischen Polizei“ dürfe nicht diskreditiert werden durch schwarze Schafe, die „offenbar problemlos“ alle Kontrollen überwinden könnten.

Eine neue Überprüfung habe ergeben, dass der 23-Jährige die Einstellungsvoraussetzungen für die Ausbildung bei der Polizei Hessen nicht erfülle.

Nun soll auch insgesamt durch das Ministerium geprüft werden, ob die Anwärter genügend durchleuchtet werden. Bei 22 von 600 Bewerbern läge ein sogenannter "Polas"-Eintrag vor. Das Polizei-Auskunftssystem vermerkt Hinweise, die nicht als Beweis für eine tatsächlich verübte Straftat gelten.

Nach eigener Aussage entscheidet die Polizeiakademie Hessen „nach einer individuellen Einzelfallprüfung“ ob ein Bewerber trotz eines solchen Eintrags ausnahmsweise zugelassen werden könne. Gewalttätiges oder aggressives Verhalten würde dabei als Ausschlussgrund für die Bewerbung gelten. Doch genau diese Eigenschaften lagen bei dem 23-Jährigen definitiv vor.

Auch wenn er erst einmal wieder freigelassen wurde, so gab es dennoch Konsequenzen für den Anwärter: Er darf weder die Ausbildung fortsetzen noch das Gebäude wieder betreten.

Polizei-Azubi bereits vor Messerstecherei als gewalttätig bekannt. (Symbolbild)
Polizei-Azubi bereits vor Messerstecherei als gewalttätig bekannt. (Symbolbild)  © dpa/Franziska Kraufmann, dpa/Boris Roessler

Titelfoto: dpa/Franziska Kraufmann, dpa/Boris Roessler


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