Wieso hat Dresden die teuersten Asyl-Betten?

Kristin Kaufmann will, dass die Flüchtlinge die vollen Kosten selbst bezahlen. Michael Schmelich findet das ungerecht.
Kristin Kaufmann will, dass die Flüchtlinge die vollen Kosten selbst bezahlen. Michael Schmelich findet das ungerecht.  © Harry Härtel/Haertelpress, Ove Landgraf

Dresden - In Thüringen zahlt ein Flüchtling theoretisch 150 Euro, in Hamburg 141 Euro und in Bayern 278 Euro für sein Bett in einer Sammelunterkunft.

In Dresden sollen jetzt 600,36 Euro fällig werden. Der Widerstand im Stadtrat ist enorm.

"Das ist doch Irrsinn: Es werden keine Lofts vermietet, sondern Betten in Sammelunterkünften. Wir sind hoch unzufrieden mit der Vorlage", sagt Pia Barkow (31, Linke) und kritisiert damit ungewöhnlich offen die Pläne der eigenen Sozialbürgermeisterin.

Geht es nach dem Willen von Kristin Kaufmann (41, Linke), sollen die Flüchtlinge die vollen anfallenden Gebühren zahlen.

Hintergrund für den enorm hohen Betrag: In Dresden dürfen keine Durchgangszimmer belegt werden.

Zudem dürfen maximal 65 Personen pro Heim untergebracht werden.

600 Euro pro Monat für so eine einfache Unterkunft? Der Widerstand im Stadtrat ist enorm.
600 Euro pro Monat für so eine einfache Unterkunft? Der Widerstand im Stadtrat ist enorm.  © Harry Härtel/Haertelpress

Fatal: Flüchtlinge, die Hartz-IV-Leistungen erhalten, können die anfallenden Kosten einfach ans Amt weiterreichen.

Asylbewerber, die noch in einem Heim leben, aber arbeiten dürfen oder eine Ausbildung machen, werden zur Kasse gebeten.

Bedeutet: Wer selber arbeitet, wird mit überdurchschnittlich hohen Kosten für die Unterkunft belastet.

"Ich frage mich, welche Vorstellung von Sozialpolitik hinter solchen technokratischen Monstern steckt? Wie kann man Menschen, die alles daran setzen, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, dafür bestrafen?", ärgert sich Michael Schmelich (63, Grüne).

Entsprechend deutlich fiel eine erste Abstimmung im Finanzausschuss aus. Kein einziger Stadtrat, parteiübergreifend, stimmte zu.

Jetzt soll in den Ratsfraktionen zusammen mit der Sozialbürgermeisterin nachverhandelt werden.

Ziel dabei: Wie bei anderen Gebühren auch, soll nur ein Teil der anfallenden Kosten auf die Betroffenen umgelegt werden.

Titelfoto: Harry Härtel/Haertelpress, Ove Landgraf


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