Jugendlicher erleichtert sich an Hecke, dann steckt ihm ein Messer im Rücken

Oldenburg - Dass er sich an einer Hecke erleichtern wollte, musste ein Jugendlicher in Oldenburg fast mit dem Leben bezahlen. Ein Mann soll dem 17-Jährigen nach einem Streit ein Messer in den Rücken gerammt haben.

Der 30-Jährige muss sich von Donnerstag an vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.
Der 30-Jährige muss sich von Donnerstag an vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.  © DPA

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll sich der mutmaßliche Täter darüber geärgert haben, dass sich der Jugendliche erleichtern wollte.

Jetzt muss sich der 30-Jährige wegen Totschlags vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Er sitzt seit seiner Festnahme im Frühjahr in Untersuchungshaft.

Nach der Anklageverlesung sollen nach Angaben eines Gerichtssprechers am ersten Prozesstag mehrere Zeugen aussagen. Darunter auch zwei Freunde, die das Opfer an jenem Abend begleitet hatten.

Der Geschädigte selbst ist Nebenkläger in dem Prozess. Er musste nach der lebensgefährlichen Attacke in der Innenstadt im März mehrmals operiert werden.

Update 10.58 Uhr: Angeklagter schweigt

Der angeklagte 30-Jährige wollte sich am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Oldenburg nicht zu den Vorwürfen äußern.

Er habe das Sterben des 17-Jährigen in Kauf genommen, sagte Staatsanwältin Gesa Weiß bei der Anklageverlesung am Donnerstag. "Sein Leben konnte nur durch mehrere Operationen gerettet werden."

Update, 12.22 Uhr: Opfer sagt unter Tränen aus

Der heute 18-Jährige sagte dagegen vor Gericht aus: An jenem Abend Anfang März wollte er mit zwei Freunden in der Innenstadt feiern gehen. Fünf bis sechs Bier hatte jeder von ihnen getrunken. Weinend schildert er, was damals geschah. Immer wieder versagt ihm dabei die Stimme: Vor dem Lokal stand eine lange Schlange, und die Blasen der drei drückten. Also gingen sie zu einem Parkplatz in der Nähe, um dort an eine Hecke zu urinieren.

"Der Angeklagte nahm daran Anstoß", sagt Staatsanwältin Weiß. Das habe er lautstark kundgetan, es sei zum Streit gekommen. Dann habe er den Jugendlichen angegriffen, der ihm am nächsten stand - ihm zielgerichtet und kraftvoll in den Rücken gestochen, sagt Weiß.

Der Jugendliche versuchte noch, wegzurennen. "Die Hose war noch offen", sagt er vor Gericht. Doch der Angreifer war schneller. "Auf einmal wurde es warm an der Seite", berichtet der 18-Jährige. "Ich habe hingefasst, die Hand war voller Blut.» Drei Monate lag der Schüler im Krankenhaus, davon mehrere Wochen im Wachkoma.

Noch heute sind die Druckstellen der Atemmaske in seinem Gesicht zu sehen. Der Messerstich und die Operationen haben große Narben an seinem Oberkörper hinterlassen. Noch mehr leide er aber unter den psychischen Folgen, sagt er. Abends traue er sich nicht mehr alleine nach draußen.

Titelfoto: DPA


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0