Seid ihr schwindelfrei? Das ist das abenteuerlichste Job-Angebot im Osten!

Daniel Stolle von der Zopf Energieanlagen GmbH wartet ein Windrad. Insgesamt 17 Angestellte beschäftigt das Unternehmen, darunter Ingenieure, Elektriker, Schlosser und Monteure.
Daniel Stolle von der Zopf Energieanlagen GmbH wartet ein Windrad. Insgesamt 17 Angestellte beschäftigt das Unternehmen, darunter Ingenieure, Elektriker, Schlosser und Monteure.  © DPA

Leipzig - Dieser Arbeitsplatz ist nichts für Menschen mit Höhenangst. In 76 Meter Höhe warten Eric Nilsson und Daniel Stolle ein Windrad. Die beiden sind Elektriker und prüfen dort oben - mit Haken und Seil gesichert - die Rotorblätter auf sichtbare Schäden.

Nilsson und Stolle gehören einer gefragten Spezies an: Sie sind Fachkräfte in der Windkraft. Viele Unternehmen in der Branche suchen nach Menschen wie ihnen.

Die Anforderungen an sie sind hoch: Fit müssen sie sein für den langen Senkrecht-Aufstieg im Innern des Windrads. Und fit müssen sie auch in ihrem Fachgebiet sein. "In der Regel sind die Zweierteams da oben auf sich allein gestellt und können nicht mal eben den Meister holen", sagt ihr Chef Andreas Arens.

Arens ist Geschäftsführer der Zopf Energieanlagen GmbH, eines Leipziger Windenergie-Unternehmens, das Windräder plant, betreibt und wartet. Drei Duos wie Nilsson und Stolle beschäftigt er für die Wartung von Windrädern. Daneben sind noch vier Ingenieure an Bord, Schlosser und Monteure.

Gute Leute aus all diesen Berufsgruppen seien schwer zu finden.

Die Elektriker Eric Nilsson (vorn) und Daniel Stolle von der Zopf Energieanlagen GmbH warten in 76 Meter Höhe ein Windrad in einem Windpark bei Neukyhna.
Die Elektriker Eric Nilsson (vorn) und Daniel Stolle von der Zopf Energieanlagen GmbH warten in 76 Meter Höhe ein Windrad in einem Windpark bei Neukyhna.  © DPA

"Windenergie ist ein ziemlich spezielles Thema", sagt Arens. "Dafür gibt es keinen richtigen Ausbildungsberuf." Seine Leute muss er sich meist aus anderen Bereichen zusammensuchen.

Bis die Hochschulen ihre Lehrpläne auf die ständig neuen Anforderungen für Ingenieure abgestimmt hätten, dauere es Jahre. Um die besten Köpfe sei daher eine Art kannibalischer Wettstreit ausgebrochen, sagt Arens.

In Thüringen sitzen neben Zulieferern zwar nur einige kleinere Projektentwickler. Doch die suchen laut Verband händeringend nach Fachleuten: In dem Bundesland wird die Windenergie gerade deutlich ausgebaut.

Der große Windradbauer Enercon hat einen Standort in Magdeburg und versucht, eigene Mitarbeiter weiterzubilden, um dem Mangel von innen zu begegnen, teilt eine Sprecherin mit. Und weil die Angestellten heute nicht mehr ausschließlich aufs Gehalt setzten, versuche man, ihnen eine gute Work-Life-Balance zu bieten.

Auch Andreas Arens in Leipzig verfolgt diese Strategie: Vor Kurzem hat er einen Porsche-Ingenieur für sein Leipziger Unternehmen gewonnen. Dem 35-jährigen Roger Reinken gefallen die Arbeitsbedingungen. Früher musste er im Schichtdienst arbeiten, jetzt hat er mehr Zeit für seine Familie. Er entwickelt unter anderem Steuerplatinen für ältere Windräder, für die es keine Ersatzteile mehr gibt.

Für Fachkräfte wie Reinken ist die große Nachfrage ein Glücksfall. "Sie hat dazu geführt, dass nach und nach das Lohnniveau gestiegen ist", sagt Helmut Axthelm, der für den Verband Windenergie die gesamtdeutsche Situation im Blick behält.


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