Wie Terroristen bis 2020 die Macht übernehmen wollen

Der Terrorfürst al-Sarkawi entwickelte den Plan mit. Er wurde 2006 bei einem Luftangriff getötet.
Der Terrorfürst al-Sarkawi entwickelte den Plan mit. Er wurde 2006 bei einem Luftangriff getötet.

Hamburg - Im Jahr 2005 veröffentlichte Der Spiegel einen Plan, in dem die Ziele des Terrornetzwerks Al Qaida dargelegt werden. Erschreckend ist, wie weit diese bis heute umgesetzt wurden.

Der jordanische Journalist Fuad Hussein hatte führende Köpfe des Terrornetzwerkes - unter anderem mit dem irakischen Al Qaida-Chef al-Sarkawi, nach ihren Zielen und Plänen befragt. Heraus kam ein Bild des Schreckens.

Von 2000 bis 2020 sollte in sieben Phasen ein die arabische Welt umspannendes Kalifat errichtet werden.

Auch wenn Al-Qaida geschwächt ist und als Terrornetzwerk heute keine Führungsrolle mehr spielt, ist es schockierend, dass im Jahr 2015 bereits Phase 5 realisiert ist.

Konkret beinhaltet die Al-Qaida Agenda folgende strategische Schritte:

Erste Phase: Zwischen 2000 bis 2003 sollte die USA durch Terroranschläge dazu provoziert werden, in der arabischen Welt Kriege zu führen. So sollten die Muslime "aufgeweckt" werden und sich dem Kampf anschließen.

Zweite Phase: Bis 2006 sollten sich möglichst viele Kämpfer der Terrororganisation anschließen. Der Irak ist als Standort für die entstehende "Armee" eingeplant.

IS-Terroristen in Syrien.
IS-Terroristen in Syrien.

Dritte Phase: 2007 bis 2010 sollten die Kämpfer "aufstehen". Es werde eine Konzentration auf Syrien geben aber auch mit Anschlägen auf die Türkei, Israel und Jordanien solle sich der Al-Qaida Terror etablieren und so weitere Terroristen rekrutieren helfen.

Vierte Phase: Von 2010 bis 2013 gelte es, möglichst viele arabische Regierungen zu stürzen, um den Einfluss des Westens in dieser Region zurückzudrängen. Außerdem sollten Ölfelder angegriffen und die USA mit Cyberterrorismus geschwächt werden.

Fünfte Phase: Zwischen 2013 und 2016 könne in der arabischen Welt ein Kalifat ausgerufen werden. Der Westen und Israel seien bereits zu schwach, um dagegen ernsthaften Widerstand leisten zu können.

Sechste Phase: Ab 2016 wird es zur "totalen Konfrontation" kommen. Von dem Kalifat aus ließe sich mit der "islamischen Armee" eine "Schlacht zwischen Glauben und Unglauben" anzetteln.

Siebte Phase: Der Krieg werde nicht länger als zwei Jahre dauern, dann werde der Rest der Welt gegen die Kampfkraft der Muslime klein beigeben. Das nun Arabien umfassende Kalifat werde deshalb Bestand haben.

2005 analysierte der Spiegel-Autor noch, dass es sich um ein nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 im Nachinein an der Realität orientierte Aufstellung handele. Die weiteren Schritte könnten gar nicht umgesetzt werden. "Mit der Wirklichkeit haben insbesondere die Phasen 4 - 7 kaum noch etwas zu tun", schreibt er.

Zehn Jahre später sieht die Realtität allerdings ganz anders aus. Die Phasen 4 und 5 sind bereits umgesetzt oder "in Arbeit". Viele arabische Regierungen wurden seit 2010 gestürzt, ganz Nordafrika und der Nahe Osten sind destabilisiert.

In Teilen Syriens und des Iraks konnte die radikalen Islamisten des IS ein Kalifat ausrufen.

Nach den schrecklichen Anschlägen von Paris sieht es sogar danach aus, als habe bereits die sechste Phase begonnen.

Fotos: dpa


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