Bier-Krise in Deutschland: Tausende Liter in den Gully schütten

Düsseldorf – Bier in den Gully schütten. Diese bittere Stunde rückt mit jedem weiteren Tag des wiederholt verlängerten Corona-Lockdowns für zahlreiche Brauer, Getränkehändler und Gastronomen in Deutschland näher. Denn an den eingelagerten Bierfässern tickt unerbittlich der Countdown des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Brauer befürchten, tausende Liter Bier in den Gully schütten zu müssen. (Symbolbild)
Brauer befürchten, tausende Liter Bier in den Gully schütten zu müssen. (Symbolbild)  © Patrick Seeger/dpa

"Das ist der Alptraum", sagt der Chef der Düsseldorfer Hausbrauerei "Füchschen", Peter König. Etwa 2000 bis 3000 Liter Altbier werde er entsorgen müssen, das im Oktober abgefüllt wurde. "Das tut weh", betont König. Ihm falle es schwer, im Geschäft zu sein, die Ruhe zu ertragen.

Besonders Brauer, die auf den Ausschank und Feste ausgerichtet sind, müssten Bier im großen Stil vernichten, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele. Millionenwerte werden nach seinen Worten in den Gully gekippt.

Weil Kneipen und Restaurants geschlossen sind und keine Großveranstaltungen über die Bühne gehen können, ist in den Fassbierabfüllungen der Brauereien das Licht aus.

Und es kommt es noch dicker - Großhändler bringen Fassbier zum Vernichten in der Brauerei zurück: "Das findet zurzeit überall in Deutschland statt", sagt der Herausgeber des Branchenmagazins "Inside", Niklas Other.

Wie groß die vernichtete Menge ist, lässt sich laut Brauer-Bund nicht genau abschätzen. "Nicht alles Bier, das bisher zurückgeliefert wurde, musste vernichtet werden, und nicht alles Bier, das nicht getrunken wurde, wurde auch gebraut", sagt Eichele.

Lockdown und Karneval-Ausfall sind besonders bitter für Brauereien

Wegen des Corona-Lockdowns kann in in Gastronomiebetrieben derzeit kein Bier ausgeschenkt werden. (Symbolbild)
Wegen des Corona-Lockdowns kann in in Gastronomiebetrieben derzeit kein Bier ausgeschenkt werden. (Symbolbild)  © Christoph Soeder/dpa

Brauer, Großhändler und Wirte seien vor dem zweiten Lockdown ab November zwar vorsichtig gewesen, erklärt Branchenexperte Other. "Bis zum erhofften Ende des Lockdowns im Frühling werden es in Deutschland trotzdem einige Hunderttausend Hektoliter sein."

Die Großbrauerei Veltins hat im ersten, kürzeren Lockdown eigenen Angaben zufolge so gut wie kein Bier vernichten müssen. Nun geht das Unternehmen davon aus, dass es ein paar Tausend Liter sein werden.

Mit den Verlängerungen habe der zweite Lockdown schlichtweg Gastronomen den Hahn abgedreht. Branchenweit würden in einem bisher nicht gekannten Ausmaß viele Tausend Fässer Bier aus der Gastronomie halbvoll, fast voll oder fast leer in die Brauereien zurückgefahren.

Auch der Kölner Brauerei-Verband berichtet, dass die Branche aus dem ersten Lockdown gelernt und die Absatzmengen vorsichtiger kalkuliert habe.

Besonders bitter sei, dass der Lockdown die für Kölsch umsatzstärksten Monate treffe, sagt Geschäftsführer Christian Kerner. "Der Karneval als Faktor, gerade jetzt im Januar und im Februar, fällt komplett weg. Das ist enorm", sagt Kerner.

Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

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