Chef ruft aus Urlaub an und entlässt Hunderte Angestellte

Wattens (Österreich) - Wenn es um Kündigungen geht, scheint Schmuckhersteller Swarovski kein glückliches Händchen zu haben.

Blick auf die Swarovski-Zentrale in Wattens.
Blick auf die Swarovski-Zentrale in Wattens.  © dpa/epa/Thomas Böhm

Im Juli wurden die ersten Entlassungen im Hause Swarovski vollzogen. Die Angestellten erhielten per E-Mail Information darüber, ob ihre Stelle gestrichen wird oder nicht (TAG24 berichtete). Schon zu diesem Zeitpunkt wurde angekündigt, im Herbst weitere Stellenstreichungen vorzunehmen. 

Wohl weil es bei den E-Mail-Kündigungen sowohl aus den eigenen Reihen, als auch aus der Bevölkerung zu Unmut kam, entschied sich das Unternehmen nun für eine andere Form zum Überbringen der schlechten Nachrichten.

Wie der österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) mitteilte, wurden Angestellte in Gruppen in einem Raum gebeten, in dem Großbildschirme standen. Auf diesen gab es zwei Felder: Ein grünes mit den Namen derer, die bleiben dürften und ein rotes Feld mit den Namen der Mitarbeiter, die die Firma verlassen müssten.

Der österreichische Fernsehsender Servus TV berichtete gar von einer Gruppen-Videokonferenz, bei der mehrere Angestellte auf einmal entlassen wurden. Der Chef soll sich dabei für 15 Minuten aus dem Urlaub in die Firma geschaltet und die Botschaft übermittelt haben.

Swarovski bestätigt Kündigungsmitteilungen

Das Hauptgeschäft von Swarovski besteht aus Schmuck und dekorativen Figuren aus Kristallglas.
Das Hauptgeschäft von Swarovski besteht aus Schmuck und dekorativen Figuren aus Kristallglas.  © 123RF/TEA

Gegenüber dem ORF bestätigte Swarovski die Kündigungsformen. 

Allerdings sollen Betroffene bereits vor der Maßnahme mit den zwei Feldern auf großen Bildschirmen persönlich informiert wurden sein. 

Das Unternehmen bedauere es, "sollte es in einer Abteilung zu einer Fehlleistung einer Führungskraft gekommen sein" und die Angestellten erst auf den Monitoren über ihre Zukunft informiert worden sein.

Swarovski versicherte zudem, einen "'ehrlichen, achtsamen und respektvollen Umgang mit den Mitarbeitern" zu führen.

Wie viele Angestellte von der aktuellen Kündigungswelle betroffen sind, wurde nicht bekannt. Branchenkenner gehen von etwa 400 gestrichenen Stellen am Hauptsitz in Wattens bis zum Jahresende aus.

Die Arbeiterkammer (AK) findet deutliche Worte für diesen Umgang mit den zum Teil langjährigen Arbeitern: "Ich habe selten etwas derartig Niveauloses gesehen", teilte AK-Präsident Erwin Zangerl mit. 

Die betroffenen Mitarbeiter sollen sich vorerst auf keine Angebote des Unternehmens einlassen und sich mit der AK verbinden.

Titelfoto: Montage: dpa/epa/Thomas Böhm, 123RF/TEA

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