Der Wirecard-Skandal war der größte Wirtschafts-Raubzug Deutschlands!

Berlin - Knapp zwei Jahre nach der Wirecard-Insolvenz erscheint am morgigen Freitag ein maßgebliches Buch zum Skandal: Unter dem Titel "House of Wirecard" veröffentlicht der britische Reporter Dan McCrum die deutsche Ausgabe seiner Geschichte des Milliardenbetrugs bei dem ehemaligen Dax-Konzern und Zahlungsdienstleister.

"Financial Times"-Journalist und Enthüller des Wirecard-Skandals: Dan McCrum.
"Financial Times"-Journalist und Enthüller des Wirecard-Skandals: Dan McCrum.  © Kay Nietfeld/dpa

Der für die Londoner "Financial Times" arbeitende Journalist hatte den Fall mit Hilfe von Whistleblowern und Kollegen in fünfjähriger Recherche aufgedeckt - und dabei befürchtet, selbst Job und Existenzgrundlage zu verlieren. "Mehr als einmal glaubte ich, meine Karriere sei zu Ende", schreibt McCrum in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe, die beim Econ-Verlag erscheint.

Denn der Reporter wurde im Zuge seiner Recherche selbst Zielscheibe von Ermittlungen der deutschen Behörden.

"Ein kaum bekannter Reporter drüben in London hatte die Seiten der FT für einen Rachefeldzug gegen eines der erfolgreichsten Technologieunternehmen Europas gekapert." So empfand McCrum die Stimmung in Deutschland gegen ihn.

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Seine Recherchen nahmen ihren Ausgang in Auffälligkeiten der Wirecard-Bilanzen. Über Jahre hatte er jedoch keine Beweise.

Bis ein Wirecard-Mitarbeiter in Singapur der "Financial Times" interne Belege und Dokumente zuspielte.

Die Wirecard AG mit Sitz in Aschheim gestand 2020 ein, dass für das Jahr 2019 keine ausreichenden Nachweise über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro ermittelt werden konnten. Der britische Journalist Dan McCrum deckte den Skandal auf.
Die Wirecard AG mit Sitz in Aschheim gestand 2020 ein, dass für das Jahr 2019 keine ausreichenden Nachweise über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro ermittelt werden konnten. Der britische Journalist Dan McCrum deckte den Skandal auf.  © Montage: Simone Bischof

Investigativ-Journalist geriet ins Visier deutscher Behörden

McCrums Artikel führten 2019 schließlich dazu, dass der Wirecard-Vorstand in Erklärungsnot geriet und einer Sonderprüfung der Geschäftszahlen durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zustimmte. In deren Bericht war dann erstmals quasi offiziell von fehlenden Belegen in Milliardenhöhe die Rede. Ende Juni 2020 folgte der Insolvenzantrag, nachdem Wirecard einräumen musste, dass auf Treuhandkonten verbuchte 1,9 Milliarden Euro nicht auffindbar waren.

Eine Abrechnung mit den deutschen Behörden ist das Buch jedoch nicht: Der zwischenzeitlich selbst in Verdacht geratene McCrum hält fest: "Die lange, gründliche und erschöpfende öffentliche Untersuchung deutet auf die Bereitschaft hin, Lehren aus dem Fall Wirecard zu ziehen."

Übrigens: Seit 2020 wird der frühere Vorstand der Skandalbank Wirecard, Jan Marsalek, weltweit per Haftbefehl gesucht. Der 42-Jährige soll seine Gläubiger um mehr als 3,1 Milliarden Euro gebracht haben. Inzwischen wurden weitere brisante Details bekannt. Sie betreffen auch Angela Merkel (67, CDU) und Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD).

Dan McCrum "House of Wirecard". Gebundene Ausgabe (Econ Verlag), 1. Auflage. ISBN 978-3-430-21064-5 25. Preis: 25 Euro. Das englischsprachige Original ist unter dem Titel "Money Men: A Hot Startup, A Billion Dollar Fraud, A Fight for the Truth" erschienen.

Titelfoto: Montage: Kay Nietfeld/dpa, Simone Bischof

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