Bedrohliche Situation: Führt der Fachkräfte-Mangel zum Verlust des Wohlstands?

Berlin - Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger (58) hat vor massiven Folgen des Fachkräftemangels in Deutschland gewarnt.

Weniger Neueinstellungen in der Corona-Krise sind nach Ansicht von Arbeitsmarktforschern für die aktuelle Personalnot in einigen Branchen verantwortlich.
Weniger Neueinstellungen in der Corona-Krise sind nach Ansicht von Arbeitsmarktforschern für die aktuelle Personalnot in einigen Branchen verantwortlich.  © Christian Charisius/dpa

Dulger sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der Fachkräftemangel ist so bedrohlich, dass wir wahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren einen Wohlstandsverlust hinnehmen müssen."

Der richtige Weg wäre, die Zuwanderungspolitik sofort hoch flexibel anzugehen und schnelle und unkomplizierte Zuwanderung für Qualifizierte zu ermöglichen. Dulger hält mindestens 500.000 mehr Fachkräfte pro Jahr für nötig.

"Ab 2025 kommt die demografische Wende", sagte Dulger mit Blick auf die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge, die zunehmend in Rente gehen. "Wir haben zurzeit eine Rekordzahl von rund 45 Millionen Erwerbstätigen in der deutschen Wirtschaft. Davon werden wir in den nächsten zehn Jahren rund fünf Millionen Menschen verlieren, die in den wohlverdienten Ruhestand gehen."

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Neben Zuwanderung müssten inländische Potenziale gehoben werden, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

"Es sollte allen, die noch keinen Abschluss geschafft haben, noch mal eine zweite und dritte Chance gegeben werden. Wir müssen auch Tempo machen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Seit Jahren fehlen Betreuerinnen und Betreuer in den Kindergärten."

Es sei an der Zeit, endlich die Kinderbetreuung substanziell zu verbessern.

Weniger Hilfen für Arme und Bedürftige

Auch medizinisches Personal wird in Deutschland dringend gesucht.
Auch medizinisches Personal wird in Deutschland dringend gesucht.  © Sebastian Gollnow/dpa

"Wenn wir es nicht schaffen, werden wir einen Wohlstandsverlust hinnehmen müssen, weil natürlich fünf Millionen weniger Erwerbstätige Steuern bezahlen und in die Sozialkassen einzahlen. Dieses Geld wird fehlen", sagte Dulger.

Und weiter: "Unserem Sozialstaat stehen dann nicht mehr die Mittel zur Verfügung, die bisher zur Verfügung standen." Der Staat könnte sich dann nicht mehr die Hilfen von heute für Arme und Bedürftige leisten.

"Wenn wir jetzt auch unsere Renten nicht reformieren, dann werden wir zukünftig nicht mehr rund 100 Milliarden Euro in die Renten stecken müssen, sondern wir werden 180 und 200 Milliarden in die Renten stecken müssen – einfach, weil wir mehr Rentner sind."

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Stünden dem immer noch niedrigere Beiträge gegenüber, müsste der Staat immer mehr aus Steuermitteln ausgleichen.

"Was er dann in Zukunft nicht mehr so gut kann, weil immer weniger Steuern zufließen, weil immer weniger Erwerbstätige da sind", so Dulger.

Rainer Dulger (58), Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), befürchtet einen Wohlstandsverlust in Deutschland.
Rainer Dulger (58), Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), befürchtet einen Wohlstandsverlust in Deutschland.  © Sven Hoppe/dpa
Auf einen Handwerker-Termin muss man derzeit mitunter monatelang warten. Nach der coronabedingten Zwangspause ist auch in dieser Branche der Fachkräftemangel ein Hauptthema.
Auf einen Handwerker-Termin muss man derzeit mitunter monatelang warten. Nach der coronabedingten Zwangspause ist auch in dieser Branche der Fachkräftemangel ein Hauptthema.  © Sven Hoppe/dpa

Bewerbungsverfahren vereinfachen

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sowie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hatten Vorschläge gemacht, wie mehr Einwanderer schneller nach Deutschland kommen können. So müssten Verfahren digitalisiert und dadurch beschleunigt werden. Lange Wartezeiten bei der Vergabe von Visaterminen müssten ein Ende haben.

Dulger schlug eine zentrale Agentur vor, die dafür zuständig sei, dass sich Interessierte aus der ganzen Welt online bewerben können - "und dann von dieser Agentur genau informiert werden, was sie alles brauchen, welche Unterlagen sie einreichen müssen".

Titelfoto: Montage: Christian Charisius/dpa, Sebastian Gollnow/dpa, Sven Hoppe/dpa (2)

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