Lkw-Fahrer sind sauer wegen Bedingungen in der Corona-Krise

Lastwagenfahrer bekommen in diesen Tagen viel Lob zu hören. Sie gehörten zu den Helden der Corona-Krise. Doch der Alltag der Fernfahrer sieht oft ganz anders aus.
Ronny Knoblauch steht auf dem Gelände der Spedition Universaltransport in Paderborn vor seinem LKW. 
Ronny Knoblauch steht auf dem Gelände der Spedition Universaltransport in Paderborn vor seinem LKW.  © David Inderlied/dpa

Die "Helden des Alltags" sind sauer. Wenn Lastwagenfahrer Ronny Knoblauch in diesen Tagen mit seinem 40-Tonner zu einer Abladestelle kommt, sucht er oft vergeblich eine saubere Toilette. 

"Manchmal steht nur ein dreckiges Mobilklo da", schimpft der 44-Jährige am Telefon. 

"Wir dürfen nicht mehr auf die Firmentoiletten." Der Grund: Die Furcht der belieferten Unternehmen, die Brummi-Fahrer könnten das neuartige Coronavirus einschleppen.

Selbst Händewaschen sei oft nicht richtig möglich. "Mal ist Seife da, mal nicht", berichtet Knoblauch. 

Ganz zu schweigen von einer Dusche auf dem Firmengelände. Bislang konnte er sich nach anstrengenden Nachtfahrten selbstverständlich in den Waschräumen der belieferten Unternehmen duschen - die seien jetzt gesperrt.

Knoblauchs Chef Holger Dechant ist deshalb der Kragen geplatzt. Zusammen mit anderen Spediteuren aus Ostwestfalen hat er einen Appell zugunsten der Fahrer gestartet. 

"Die Erfahrung der vergangenen Tage zeigt, dass unseren Fahrern nicht nur mangelnde Wertschätzung der Gesellschaft entgegen gebracht wird. Sie werden von einigen Kunden bei Eintreffen am Auslieferungsort geradezu ausgegrenzt", klagen die Transportunternehmer. 

Selbstverständlich müsse alles getan werden, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, betonen die Spediteure. "Aber auch unsere Berufskraftfahrer benötigen Zugang zu sanitären Einrichtungen."

Knoblauchs Erfahrungen seien kein Einzelfall, heißt es beim Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). "Manche Firmen behandeln die Fahrer wie Aussätzige", sagt dessen Chef Dirk Engelhardt. 

"Ich verstehe jeden Fahrer, der im Moment sauer ist." Die Unternehmen müssten auf ihren Firmenhöfen entweder Waschräume nur für die Fernfahrer öffnen oder vernünftige Sanitärcontainer mit Duschen aufstellen, fordert Engelhardt. "Einfache Mobiltoiletten sind keine Alternative."

Vernünftige Bedingungen für Lkw-Fahrer gefordert

Der LKW-Fahrer beklagt, dass aufgrund der Beschränkungen wegen der Coronakrise die Sanitäranlagen an Autohöfen und Rastplätzen nicht mehr geöffnet sind.
Der LKW-Fahrer beklagt, dass aufgrund der Beschränkungen wegen der Coronakrise die Sanitäranlagen an Autohöfen und Rastplätzen nicht mehr geöffnet sind.  © David Inderlied/dpa

An den Autobahnen hat sich die Lage nach GDL-Angaben für die Lastwagenfahrer inzwischen entspannt. "Das hat sich verbessert", sagt Engelhardt. 

Nach Inkrafttreten der Corona-Sperren hätten Lastwagenfahrer vor allem abends vor verschlossenen Sanitäranlagen an den Raststätten gestanden. Viele Fahrer machten sich über die sozialen Medien Luft.

Auch die Verkehrsminister haben sich inzwischen zu Wort gemeldet. Fernfahrer müssten auch in Corona-Zeiten auf den Rastanlagen der Autobahnen essen, duschen und auf Toilette gehen können, forderten sie am vergangenen Freitag. 

Das Raststätten-Unternehmen Tank & Rast hatte zuvor bereits reagiert. 

An allen Rastanlagen mit Tankstellen stünden sanitäre Einrichtungen, inklusive Duschen, kostenfrei zur Verfügung, teilte ein Sprecher mit. Die Anlagen würden regelmäßig kontrolliert. Wo nötig, werde zusätzlich gereinigt. Auch das Angebot an warmen Mitnahmegerichten sei ausgeweitet worden - zu einheitlich festgelegten Preisen für Currywurst, Frikadellen und Leberkäse.

Ronny Knobloch fährt unterdessen weiter. "Ein bisschen mulmig ist mir schon", räumt er ein. Zum Schutz vor dem Virus hat er Handschuhe und ein Desinfektionsspray dabei. Ob die hygienischen Bedingungen besser werden? "Ich hoffe", sagt der Lastwagenfahrer. 

Verbandschef Engelhardt fürchtet, dass nicht alle so geduldig sind. Bis Ende der Woche müsse eine Lösung her. "Wenn nicht, dann weiß ich nicht, ob die Fahrer noch fahren", warnt er.

Titelfoto: David Inderlied/dpa

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