SAP-Aktie stürzt ab: Chef Klein verteidigt Kurswechsel

Walldorf - SAP-Chef Christian Klein (40) hat seinen Strategieschwenk hin zu mehr Wachstumsinvestitionen als notwendigen Schritt verteidigt.

Die Aktie von SAP brach am Morgen um rund 14 Prozent ein.
Die Aktie von SAP brach am Morgen um rund 14 Prozent ein.  © Uwe Anspach/dpa

"Ich opfere den Erfolg unserer Kunden nicht der kurzfristigen Optimierung unserer Marge", sagte der Vorstandschef des Dax-Konzerns am Montag in einer Telefonkonferenz. Die Kunden fragten verstärkt Software aus der Cloud zur Nutzung über das Internet nach. 

Insofern wäre das Beibehalten der alten Mittelfristziele mit dem Fokus auf die eigene Profitabilität gegen deren Wünsche gewesen. Finanzchef Luka Mucic ergänzte, das Management steuere das Unternehmen nicht nach der operativen Marge. "Wir wollen ein Wachstumsunternehmen bleiben", sagte der Manager.

SAP will mit Investitionen in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages in den kommenden beiden Jahren noch stärker auf das Wachstum mit Software über das Internet setzen. Nun sollen vor allem bestehende Kunden der SAP-Kernsoftware zur Unternehmenssteuerung hin zu Cloudangeboten bewegt werden.

Der schnellere Umstieg von Kunden auf solche Programme wird das bisher in Aussicht gestellte Wachstum der bereinigten operativen Marge (bereinigtes Ebit) auf rund 34 Prozent bis 2023 voraussichtlich deutlich hemmen, wie SAP bereits am Sonntagabend mitgeteilt hatte. 

SAP-Aktie verlor am Morgen rund 14 Prozent

Christian Klein (40), Vorstandsvorsitzender des Softwarekonzerns SAP, spricht bei der Bilanzpressekonferenz des Softwarekonzerns SAP.
Christian Klein (40), Vorstandsvorsitzender des Softwarekonzerns SAP, spricht bei der Bilanzpressekonferenz des Softwarekonzerns SAP.  © Uwe Anspach/dpa

Das Ziel hatte noch Kleins Vorgänger Bill McDermott (59) ausgegeben, nachdem er ebenfalls lange das Wachstum als oberstes Ziel favorisiert hatte.

Die Aktie des wertvollsten deutschen Unternehmens verlor vorbörslich auf der Handelsplattform Tradegate am Morgen rund 14 Prozent.

Cloudverträge sind erst mit längerer Laufzeit so lukrativ wie Softwarelizenzen gegen hohe Einmalbeträge. SAP hatte mit Beginn des vergangenen Jahrzehnts vor allem über milliardenschwere Zukäufe das eigene Cloudangebot gestärkt, in den vergangenen Jahren dann aber auch eigene Kernprogramme als Cloudversion angeboten. 

"Wir glauben, dass uns die Investitionen in die Lage versetzen, beim Umsatz künftig stärker zu wachsen, wenn die Investitionsphase vorbei ist", sagte Mucic.

Titelfoto: Uwe Anspach/dpa

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