Wasserstoff oder Batterie? Wie sieht die Zukunft in Deutschland aus?

Nürnberg - Deutschland will in den nächsten drei Jahrzehnten klimaneutral werden. Viele Autohersteller haben die Abkehr von Verbrennungsmotoren schon beschlossen. Doch wie sieht die Zukunft aus: Wasserstoff oder Batterie?

Veronika Grimm (49) erachtet Wasserstoff als Antrieb für Autos und Lastwagen in den kommenden Jahrzehnten als unentbehrlich sein.
Veronika Grimm (49) erachtet Wasserstoff als Antrieb für Autos und Lastwagen in den kommenden Jahrzehnten als unentbehrlich sein.  © Timm Schamberger/dpa

Wasserstoff als Antrieb für Autos und Lastwagen auf deutschen Straßen wird nach Ansicht der "Wirtschaftsweisen" Veronika Grimm (49) in den kommenden Jahrzehnten unentbehrlich sein.

"Es ist utopisch zu glauben, dass die batteriegestützte Elektromobilität die alleinige Lösung sein wird", erklärte die Nürnberger Volkswirtschaftsprofessorin, die auch Vorständin des Wasserstoffzentrums Bayern ist, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Zuletzt hatte es vermehrt Berichte gegeben, wonach europäische Autohersteller nicht mehr auf den Wasserstoff als Antriebsart der Zukunft setzen wollen.

Besonders im Schwerlastverkehr könne die Wasserstofftechnik vergleichsweise früh effizient eingesetzt werden, sagte Grimm.

Ziel müsse sein, ein Tankstellennetz für Wasserstofffahrzeuge zu errichten, von dem später auch der Auto-Verkehr profitieren könne.

In der Schweiz fahren bereits 50 Lastwagen des koreanischen Herstellers Hyundai mit Wasserstoff, bis 2025 sollen es 1600 werden. "Der Aufbau kann zum Beispiel zunächst über regionale Verbünde erfolgen, die dann später sukzessive ausgebaut werden können", sagte Grimm.

Deutsche Automobilindustrie beim Thema Wasserstoff gefordert

Wie sieht die Zukunft aus? (Symbolbild)
Wie sieht die Zukunft aus? (Symbolbild)  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Die CO2-Emissionen im Verkehr seien seit 1990 nicht gesunken, im Lastverkehr sogar gestiegen, hielt Grimm fest. Die Elektrifizierung im Schwerlastverkehr gehe aber aufgrund des Reichweitenproblems nicht über Batterietechnik.

"Die Alternative wären Oberleitungen, damit müsste man dann aber alle europäischen Haupttrassen ausstatten", sagte Grimm.

Im Vergleich dazu sei Wasserstoff, mit Strom aus erneuerbaren Energien in Gegenden der Welt produziert, wo dies günstig und hocheffizient möglich sei, die wahrscheinlich auch kostengünstigere Alternative - Transportkosten fielen kaum mehr ins Gewicht.

Die deutsche Automobilindustrie einschließlich Zulieferern sei gut beraten, ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten beim Thema Wasserstoff nicht leichtfertig aufzugeben. Langfristig werde die weltweite Nachfrage deutlich steigen.

"Ein Verzicht auf den schnellen Hochlauf von Wasserstoff würde bedeuten, wichtige Exportmärkte aufs Spiel zu setzen - denn deutsche Unternehmen sind exzellent aufgestellt, Schlüsselkomponenten für die Wasserstoffwirtschaft zu produzieren, wie Fahrzeuge, Brennstoffzellen, Logistik- und Tankstelleninfrastruktur", sagte die Wissenschaftlerin.

Der Freistaat Bayern genauso wie die Bundesregierung haben eine eigene Wasserstoffstrategie formuliert.

Die Regierung fördert die Entwicklung des Energieträgers bis 2023 mit 300 Millionen Euro. Bayern will bis 2023 ein Netz von 100 Wasserstoff-Tankstellen aufbauen, vorwiegend für Lkw-Flotten. Der Freistaat stellt 50 Millionen Euro bereit.

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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