Zollaufschlag bei Internet-Schnäppchen: Das müsst Ihr jetzt beachten!

Deutschland - Akkus, LED-Leuchten, Handyhüllen oder USB-Sticks: Billigprodukte aus dem Nicht-EU-Ausland wie China oder den USA sind im Internet der Renner. Doch für Schnäppchenjäger könnte es künftig an der Haustür zu bösen Überraschungen kommen, wenn der Postbote plötzlich eine Servicegebühr kassieren will. Was Bestellungen bei Billigplattformen wie Wish künftig zusätzlich kosten und wie man die Zollgebühren umgehen kann.

Handyhüllen können schnell mal viel teurer werden. (Symbolbild)
Handyhüllen können schnell mal viel teurer werden. (Symbolbild)  © Montage: 123RF/Margarita Basarab, 123RF/FRANCOIS POIRIER

Die neuen Regeln

Bisher gingen Bestellungen von eingeführte Waren aus dem Nicht-EU-Ausland wie den USA, China, der Schweiz und seit dem Brexit auch Großbritannien bis zu einem Warenwert von 22 Euro steuerfrei durch den Zoll. Außer den Versandkosten fielen keine weiteren Gebühren an. Diese Zollfreigrenze ist am 1. Juli weggefallen. Bestellung aus Ländern außerhalb der EU müssen jetzt gemeldet und versteuert werden.

Zusätzlich zu den Einfuhrabgaben berechnen viele Paketdienste außerdem eine Auslagenpauschale oder Servicepauschale (knapp 6 Euro bei DHL oder UPS). Damit lassen sie sich den Aufwand bezahlen, dass sie bei steuerpflichtigen Sendungen die Abwicklung mit der Zollbehörde übernehmen. Die Gebühr wird entweder beim Postboten gleich an der Haustür oder beim Abholen des Päckchens fällig.

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Kosten-Beispiel Handyhülle

Wie macht sich der Aufpreis in der Praxis bemerkbar? Wer zum Beispiel eine schicke Handyhülle als Sonderangebot für 10 Euro bei einem Onlinehändler in China bestellt, muss darauf zuerst einmal 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer zahlen - in unserem Fall, also 1,90 Euro. Obendrauf kommt dann noch die Servicepauschale von 6 Euro. Am Ende kostet das vermeintliche 10-Euro-Schnäppchen plötzlich 17,90 Euro. Das sind fast 80 Prozent mehr als der ausgewiesene Preis auf der Internetseite.

Bei einem Warenwert von 7 Euro würde sich der Endpreis sogar auf 14,33 Euro mehr als verdoppeln. Nicht zu vergessen: die regulären Verpackungs- und Versandkosten. Ob sich das Angebot dann noch lohnt, muss jeder selbst entscheiden.

Was muss ich prüfen?

Ab sofort muss man vor einer Bestellung genau darauf achten, von wo die Produkte versandt werden. Bei Bestellungen über Amazon und andere in der EU ansässige Plattformen mit europäischer Steuernummer übernehmen sie das Einbehalten und Abführen der Steuer: 19 oder bei Büchern ermäßigt 7 Prozent. Wer jedoch direkt bei Billigplattformen wie Wish in Drittländern kauft, muss die Abgaben zahlen.

Achtung, die Servicepauschale wird auch für Waren fällig, die vor dem 1. Juli bestellt, aber erst danach geliefert werden. Es gilt das Datum, wann das Päckchen beim Zoll eingeht.

Tipp: Mit dem Abgabenrechner auf der Internetseite oder der App vom Zoll kann man sich die voraussichtlichen Einfuhrabgaben berechnen lassen.

www.zoll.de

Ausnahme

Es gibt eine Bagatellgrenze: Die Einfuhrumsatzsteuer wird vom Zoll erst dann erhoben, wenn sie mindestens einen Euro beträgt. Rechnerisch ist das ab einem Warenwert von 5,26 Euro der Fall. Für alles, was unter diesem Sachwert liegt, werden auch weiterhin keine Steuern und Zölle fällig. Hintergrund: Der Einzug von Kleinstbeträgen würde die Arbeit des Zolls lähmen.

So geht's ohne Gebühr

Kann ich mir auch Päckchen aus dem Nicht-EU-Ausland schicken lassen, ohne sie versteuern oder beim Zoll anmelden zu müssen? Ja, doch dann muss es als persönliches Geschenk für Privatpersonen gekennzeichnet sein (also ohne Rechnung). Achtung: Der Inhalt darf den Wert von 45 Euro nicht übersteigen, um abgabenfrei zu bleiben.

Titelfoto: Montage: 123RF/Margarita Basarab, 123RF/FRANCOIS POIRIER

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