"Kennste den schon?": Darüber lachen Knastbrüder

Hünfeld - Im grauen Gefängnis-Alltag gibt es gemeinhin nicht viele emotionale Lichtblicke. Die Stimmung hinter Stacheldraht und hohen Mauern ist gedrückt. In der Justizvollzugsanstalt im osthessischen Hünfeld ist nun mit einem ungewöhnlichen Projekt versucht worden, Abhilfe zu schaffen.

Meins Coetsier (Re.) und Andreas Leipold sind die Urheber des Projekts "Humor hinter Gittern - der hat gesessen"
Meins Coetsier (Re.) und Andreas Leipold sind die Urheber des Projekts "Humor hinter Gittern - der hat gesessen"  © DPA

Ein Stimmungsaufheller getreu der Devise: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Zwei kirchliche Seelsorger haben ein Witzebuch herausgebracht. Titel: "Humor hinter Gittern". Unterzeile: "Der hat gesessen!"

Die Witze, Zeichnungen, Cartoons und sonstigen Beiträge stammen von Häftlingen und vom Personal, sogar Anstaltsleiter Lars Streiberger hat etwas beigesteuert, wie der katholische Seelsorger Meins Coetsier offenbart. Der Geistliche aus den Niederlanden startete im Sommer 2017 zusammen mit seinem evangelischen Amtskollegen Andreas Leipold einen Aufruf in der Anstalt zur Aktion "Humor hinter Gittern".

Humor helfe schließlich, die schwierige Situation der Haft besser zu ertragen und das menschliche Zusammenleben erträglich zu gestalten, schrieben die selbst ernannten "Himmelskomiker" an Insassen und Personal im Gefängnis.

Herausgekommen ist im Oktober 2018 ein Büchlein mit mehr als 50 Witzen. Die beiden Geistlichen haben dem Gemeinschaftswerk zunächst keine große Bedeutung beigemessen. Dass es nun für Gesprächsstoff sorgt, verwundert und erfreut sie gleichermaßen. "Wir sind überrascht, dass es so hohe Wellen schlägt", sagt Leipold.

Auch der katholische Seelsorger Coetsier bestätigt: "Natürlich sind die Zeiten hinter Gittern ernst und schwer mit vielen Problemen, psychisch auffälligen Momenten, Gewaltakten und Langeweile." Aber Humor könne Spannungen abbauen, sagt sein evangelischer Amtskollege Leipold. Coetsier findet auch: "Witze und gute Laune tragen zur Seelen-Hygiene bei." Zudem könnten sich die Insassen kreativ betätigen.

Nach dem Witzebuch: Weitere Projekte in Planung

Schon vor gut zwei Jahren erschein ein Kochbuch mit dem Titel "Kit(t)chen Cooking unter der Führung der beiden Seelsorger.
Schon vor gut zwei Jahren erschein ein Kochbuch mit dem Titel "Kit(t)chen Cooking unter der Führung der beiden Seelsorger.  © DPA

Das hessische Justizministerium begrüßt die Arbeit der Seelsorger. Sie unterstützten die Arbeit der Justiz-Beamten im Strafvollzug enorm, indem sie sich in Projekten für die Gefangenen engagierten. Ein Justizsprecher sagte: "Die Themen für diese Projekte suchen sie sich frei aus und orientieren sich dabei häufig an den Bedürfnissen und Wünschen der Inhaftierten.

Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung der Gefangenen. Denn der Fokus aller Anstrengungen liegt immer darauf, dass sie nach ihrer Haftentlassung ein eigenverantwortliches und straffreies Leben führen."

Die Themen, über die in der Hünfelder Haftanstalt Witze gemacht wurden, seien ähnlich wie auch außerhalb. "Es wird aber auch die System-Hierarchie im Gefängnis in Frage gestellt", sagt Leipold. Doch Witze über die Justizvollzugsbeamten hätten es nicht ins Buch geschafft.

"Natürlich gibt es Tabus, etwa wenn auf Kosten von Minderheiten, die sexuelle Orientierung oder Religion gescherzt wird. Über den Islam zum Beispiel sollten keine Witze gemacht werden. Das würde die Stimmung nur belasten."

Wer die Witzesammlung aus dem Hünfelder Knast lesen möchte, bekommt sie aber nicht im Buchhandel. Verschickt wird das Buch nur auf Mail-Anfrage für zehn Euro plus Versandkosten. "Damit decken wir dann gerade einmal die Druckkosten", sagt Leipold und stellt klar, dass keine Gewinne damit erwirtschaftet werden sollen.

Mit Buchprojekten im Gefängnis kennen sich die Seelsorger aus. Im Mai 2017 erschien bereits ein Kochbuch "Kit(t)chen Cooking". Gefangene, die auf ihren Haftstationen kochen, verrieten ihre Küchen-Hits. Mehr als 60 Rezepte kamen zusammen, von der "Schlemmerschnitte" zum Frühstück über "Nudeln mit Tomaten à la Susi" als Hauptgericht bis hin zum "Somalischen Knastkuchen". Die Häftlinge können sich fürs Kochen mit ihrem Geld im Gefängniseinkauf mit Zutaten versorgen. Kochrezepte und Witze sind nun in einem Buch zusammengefasst.

Die Hünfelder Knast-Literaten haben auch schon das nächste Projekt geplant. "Wir denken da an Gedichte und lyrische Texte. Dann haben wir auch mal eine ernste Grundierung. Vielleicht schaffen wir das bis Jahresende", erklärt Gefängnispfarrer Leipold. Ein Arbeitstitel für Werk Nummer drei schwebt ihm auch schon vor. "Born to be wild."

Titelfoto: DPA


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