Experten diskutieren: Wie viel Luxus brauchen Woba-Mieter?

"Glückauf"-Chef Olaf Brandenburg (vorn am Mikrofon) fürchtet eine Neiddiskussion.
"Glückauf"-Chef Olaf Brandenburg (vorn am Mikrofon) fürchtet eine Neiddiskussion.  © Norbert Neumann

Dresden - In Dresden sollen Wohnungen dank Fördergeld um bis zu 3,50 pro Quadratmeter billiger werden. Doch wie viel Luxus brauchen die neuen Billig-Wohnungen?

Am Dienstag gab es dazu eine Expertenanhörung im Stadtrat. Zukünftig sollen in Dresden die neuen Woba-Wohnungen, aber auch Sozialwohnungen privater Anbieter, mit bis zu 3,50 Euro pro Quadratmeter und einer Bindefrist von 15 Jahren gefördert werden.

Das Geld wird als einmaliger Baukostenzuschuss an Bauherren auf dessen Antrag hin ausgezahlt. Sämtliche bis 2019 geplanten 2500 Woba-Wohnungen würden nach diesen Standarts gebaut.

Die städtische Bau-Tochter Stesad plant bereits an 500 Wohnungen. So sind unter anderem die Neubauten in Leuben an der Ulmenstraße und in Nickern am Nickerner Weg nach den Förderrichtlinien ausgelegt.

Dennoch gab es am Dienstag aus Expertensicht einiges zu bemängeln.

Nachdem etliche Plattenbauten abgerissen wurden, soll die Woba wieder günstige Wohnungen schaffen.
Nachdem etliche Plattenbauten abgerissen wurden, soll die Woba wieder günstige Wohnungen schaffen.  © Norbert Neumann

Olaf Brandenburg, Vorstand der WG „Glückauf“ Süd, kritisiert die aus seiner Sicht zu hoch angesetzten Standarts. „Ich habe Sorge vor einer Neiddiskussion. Wenn das Sozialwohnungen sind, weiß ich nicht, wie wir unsere Wohnungen nennen sollen. Solche Standarts erreichen wir auch nach Sanierung nicht.“

Auch der Experte der Linken, Berlins Ex-Staatssekretär Andrej Holm, sieht Änderungsbedarf. „Werden realistische Neubau-Kaltmieten von 10 Euro um 3,50 Euro reduziert, sind sie immer noch zu teuer für Hartz-IV-Empfänger. Das Programm verfehlt seine Zielgruppe.“

Architekt Ludger Kilian: „Wir reden von Mindeststandards, nicht von Vorzeigeprojekten.“ Unterstützung für die Richtlinie gab es vom Chef des Dresdner Mietervereins Peter Bartels.

Eine weitere Forderung: Bevor gebaut wird, soll die Dresdner Gestaltungskommission die Architektur „freigeben“.

Das sind die Standards für Woba-Wohnungen

  • Singlewohnungen haben maximal 45 Quadratmeter Wohnfläche, bis drei Personen kommen jeweils 15 Quadratmeter dazu, für jede weitere Person zehn Quadratmeter.
  • Kinderzimmer sollen mindestens zehn, besser zwölf Quadratmeter groß sein.
  • Ab fünf Personen ist ein zweites Bad zwingend.
  • Jede Wohnung bekommt einen Gartenanteil oder einen Balkon.
  • Ab fünf Etagen ist ein barrierefreier Aufzug notwendig.
  • Jeder Duschbereich ist mindestens 90×120 cm groß.
  • Jeder Raum, außer dem Bad, hat 1,20×1,20 m „freien Bewegungsraum“.
  • Jedes Bad hat Platz für eine Waschmaschine, jedes Haus hat einen Trockenraum.
Die künftigen Sozialwohnungen sollen alle einen Balkon oder eine Terrasse bekommen.
Die künftigen Sozialwohnungen sollen alle einen Balkon oder eine Terrasse bekommen.  © Stesad

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