Werden sie erneut abgeschossen? Thüringens Wölfin hat wieder Hybridennachwuchs

Ohrdruf - Thüringens bisher einzige nachweislich standorttreue Wölfin hat wieder Mischlingsnachwuchs bekommen.

Auf diesem Bild erkannten die Experten das Gesäuge der Wölfin.
Auf diesem Bild erkannten die Experten das Gesäuge der Wölfin.

Eine Aufnahme aus einer in ihrem Revier auf dem Bundeswehrübungsplatz Ohrdruf platzierten Fotofalle zeigt drei Welpen, zwei schwarz, einer grau. Die Jungtiere ähneln nach Angaben des Umweltministeriums von Dienstag optisch sehr dem Nachwuchs, den ein Haushund bereits 2017 mit der Wölfin gezeugt hatte.

Daher gingen Experten davon aus, dass es sich erneut um Mischlinge, sogenannte Wolf-Hund-Hybride handelt. Die Aufnahme stammt von 20. Juli. Ein genetischer Beleg dafür, dass es sich um Hybride handelt, liegt aber nicht vor.

In Abstimmung mit der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf plant das Umweltministerium nun wieder, die Tiere lebend mit sogenannten Kastenfallen zu fangen. Sollte das gelingen, würden sie in den Alternativen Bärenpark nach Worbis gebracht werden.

Diesen Plan hatte das Umweltministerium bereits für den ersten Mischlingswurf der Wölfin verfolgt. Das gelang bisher aber nicht. Vier der sechs Mischlinge aus dem ersten Wurf wurden inzwischen mit Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde aus Artenschutzgründen erschossen.

Die Hybride sollen aus der freien Wildbahn entfernt werden, damit sie nicht den Genpool der - als stark gefährdet eingestuften - Art Wolf verwässern.

Nachwuchs vom eigenen Sohn?

Das der Vater nicht unbedingt wieder ein Haushund sein muss, erklärter Umweltministerin Anja Siegesmund gegenüber der TA. Denn bevor er abgeschossen wurde, lebte einer ihrer Söhne bei der Wölfin, scheint sich vor seinem Tod im April mit ihr gepaart zu haben.

Bei den Schäfern aus der Region wächst nun die Angst, dass die zahlreichen Attacken auf ihre Tiere, die die Geburt der Mischlinge 2017 mit sich brachten, wieder von vorne losgehen. 80 Risse machten die Wölfin damals zum gefährlichsten Raubtier Deutschlands und bereits in den vergangenen zwei Wochen griff sie neunmal an.

Nun soll noch in dieser Woche ein Antrag auf Abschuss der Wölfin gestellt werden, sie zeige artuntypisches Verhalten bei der Jagd und auch damit, dass sie nun zum zweiten Mal Hybridennachwuchs bekommen habe, so ein Bauer. Tierschützer sehen das anders. Die Wölfin verhalte sich nunmal wie ein Wolf.

Mit Fangkäfigen wie diesen versuchte man bereits die Wölfe einzufangen, gelungen ist das bisher nicht.
Mit Fangkäfigen wie diesen versuchte man bereits die Wölfe einzufangen, gelungen ist das bisher nicht.  © DPA

Mehr zum Thema Thüringen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0