Wohnungsdurchsuchung in Heilbronn nach Online-Angriff auf Politiker

Heilbronnn - Im Zusammenhang mit dem Online-Angriff auf Politiker und Prominente haben Beamte des Bundeskriminalamts einem Bericht zufolge eine Wohnung eines Mannes in Heilbronn durchsucht.

Bei dem Online-Angriff wurden Daten von Politikern und Prominenten gehackt.
Bei dem Online-Angriff wurden Daten von Politikern und Prominenten gehackt.  © DPA

Das meldeten das ARD-Politikmagazin "Kontraste" und das rbb-Inforadio am frühen Montagmorgen unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Demnach fand der Einsatz bereits am Sonntagmorgen statt, beschlagnahmt wurden technische Geräte.

Der Mann sei 19 Jahre alt, er werde als Zeuge in dem Verfahren zu dem Datenklau geführt, hieß es. Der Betroffene bestätigte dem Sender die Durchsuchung und veröffentliche auf Twitter eine Post. Das Bundeskriminalamt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Was ist passiert? In der Nacht zum Freitag war über einen Medienbericht öffentlich bekannt geworden, dass ein Unbekannter über ein Twitter-Konto bereits im Dezember über eine Art Adventskalender massenhaft Daten und Dokumente im Netz veröffentlicht hatte - darunter Handynummern, Fotos und private Chat-Protokolle. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sind unter den Betroffenen. Viele der Opfer erfuhren von dem Online-Angriff nach eigenen Worten erst am Freitag aus den Medien.

Dann sorgte das BSI mit seiner Informationspolitik für Irritationen. Schönbohm sagte dem Sender Phoenix am Freitag: "Wir haben schon sehr frühzeitig im Dezember auch schon mit einzelnen Abgeordneten, die hiervon betroffen waren, dementsprechend gesprochen." Daraufhin äußerten sich viele Betroffene verärgert, weil sie von nichts wussten.

Einen Tag später gab das BSI allerdings an, dass die Experten einen Fall von Anfang Dezember sowie vier weitere Fälle im Lauf des Jahres 2018 zunächst für Einzelfälle gehalten hatten. Einen Zusammenhang habe man erst "durch die Analyse der Gesamtheit der aktuell im ganzen veröffentlichten Datensätze" feststellen können.

Von einer geplanten oder erfolgten Veröffentlichung der gestohlenen Daten im Zusammenhang mit dem Twitter-Account "G0d" (@_0rbit) habe man bis zur Nacht zu Freitag "keine Kenntnis" gehabt. Auch Seehofer weiß nach eigenen Angaben erst seit Freitagmorgen von den Veröffentlichungen. Für Stirnrunzeln sorgt bei Politikern auch, dass der Twitter-Account noch bis Freitag online war, obwohl beispielsweise das Kanzleramt bereits kurz vor Mitternacht informiert wurde.

Aufklärung wird nun unter anderem von einer Sondersitzung des Bundestag-Innenausschusses am Donnerstag erwartet. "Wir pochen darauf, dass wir so schnell wie möglich Informationen bekommen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Patrick Schnieder. Erst dann lasse sich sagen, ob auch in der Kommunikation zwischen Sicherheitsbehörden etwas schiefgelaufen sei und ob es Defizite gebe.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist die AfD als einzige im Bundestag vertretene Partei nicht von dem Datendiebstahl betroffen. Thüringens AfD-Chef Björn Höcke schrieb am Sonntag auf Facebook: "Die Veröffentlichung privater Daten von Politikern und Prominenten ist ein widerlicher Übergriff, den wir aufs Schärfste verurteilen. Auch wenn es Gegner trifft."

Titelfoto: DPA

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