Er verhält sich unnatürlich: Der Problemwolf aus der Lausitz

In Rietschen geht der Wolf um.
In Rietschen geht der Wolf um.

Niesky - Er quert Dorfstraßen, schleicht über Grundstücke, huscht an Fenstern vorbei: Die meisten im Oberlausitzer Dörfchen Teicha (200 Einwohner) haben den Problemwolf schon selbst gesehen. Spurensuche in Wolfsrevier.

Der Teichaer Wolf hat einen Namen: Er heißt „Pumpak“. Das ist polnisch, steht für „der Fette“. Da der Jährlingsrüde gut genährt ist, haben ihn Wolfsexperten aus Polen so genannt. Dort wurde das Raubtier im Mai 2015 geboren, ergab die genetische Auswertung von Haarproben.

Wegen einer Verletzung humpelt er. Seit 12. November auch durch Teicha. „Es ist ein wildes Raubtier, das sollte man nicht verharmlosen“, sagt Anwohner Andreas Nicko (40). „Angst habe ich nicht, aber Respekt.“

Verkäuferin Rosemarie Broda (66): „Ich habe Angst um meine Enkel. Um zur Schule zu kommen, müssen sie im Dunkeln an Feldwegen laufen.“

Ist für den Abschuss: Mathias Rösch (56).
Ist für den Abschuss: Mathias Rösch (56).

Auch Rentnerin Renate Großmann (75) sorgt sich um die Kinder: „Wenn die Enkel zu Besuch kommen, lasse ich sie nicht mehr alleine draußen spielen. Beim Spazieren meide ich jetzt Waldwege und wenig beleuchtete Ecken.“

Anders Bürgermeister Ralf Brehmer (49, SPD): „Ich selbst bin sehr oft im Wald unterwegs, meine Joggingrunde liegt mitten im Wolfsgebiet. Ich sehe keine Veranlassung meine Runde zu ändern.“

Viele Häuser und Gehöfte liegen am Wald. „Ich sperre den Hühnerstall später auf und zeitiger zu“, sagt eine Tierhalterin. Doch Tageslicht stört den Wolf bei seinen Streifzügen durch die Siedlungen genauso wenig wie Menschen oder bellende Hunde.

Nutztiere soll das Raubtier aber bislang stets verschont haben. Wieso verhält sich „Pumpak“ nur so unnatürlich?

Augenzeugin Karolin Scharf (27) informiert Redakteur Hermann Tydecks (33).
Augenzeugin Karolin Scharf (27) informiert Redakteur Hermann Tydecks (33).  © Holm Helis

„Es gibt Berichte, wonach der Wolf im Welpenalter von Menschen gefüttert wurde“, sagt Jana Endel (38) vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz.

„Wir gehen davon aus, dass er im Siedlungsbereich etwa an Komposthaufen nach Nahrung sucht.“ Darum forderte der Landkreis auch alle 1500 Haushalte in Rietschen schriftlich auf, Speisereste nicht mehr auf offenem Kompost zu entsorgen.

„Für mich ist das kein Problem", sagt Anwohner Joachim Pötschke (57). „Wir müssen uns arrangieren. Der Wolf sollte jetzt mit Gummigeschossen vergrämt werden.“

Metallarbeiter Mathias Rösch (56): „Hier gehört er nicht her. Ich bin für Abschuss.“ Bei Karolin Scharf (27), auf deren Grundstück „Pumpak“ 15 Minuten lang umherschlich, haben Experten eine Wildkamera aufgehängt. In die Foto-Falle tappten bereits Rehe und Füchse.

„Pumpak“ wurde zuletzt am Nikolaustag gesichtet.

Nahaufnahme von "Pumpak". Seine Zutraulichkeit könnte für ihn zur Gefahr werden.
Nahaufnahme von "Pumpak". Seine Zutraulichkeit könnte für ihn zur Gefahr werden.  © Peter Mau
Hat Respekt vor dem Tier: Verkäuferin Rosemarie Broda (66).
Hat Respekt vor dem Tier: Verkäuferin Rosemarie Broda (66).  © Holm Helis
Ist für den Einsatz von Gummigeschossen: Joachim Pötschke (57).
Ist für den Einsatz von Gummigeschossen: Joachim Pötschke (57).  © Holm Helis

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