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Wie wollen wir im Alter leben? Drei Wünsche für den Ruhestand

Wie wollen wir im Alter leben? Was können wir jetzt dafür tun, damit es uns später auch gut geht? WIr erklären Euch, was es für Möglichkeiten gibt.

Wir alle werden älter, jeder Einzelne und jede Einzelne von uns hat gegenüber früheren Generationen eine höhere Lebenserwartung. Auch die Gesellschaft insgesamt wird älter, der Anteil der älteren Bevölkerung nimmt stetig zu. Das hat vielerlei Auswirkungen auf die Sozialsysteme, die Arbeitswelt und den Wohnungsmarkt. Vor allem aber ändert sich der Blick auf die ältere Generation, ihre Erwartungen und Ansprüche. Lesen Sie hier, welche Wünsche die meisten von uns für ein selbstbestimmtes Leben im Alter haben.

Swiss-Life-Studie zum Älterwerden

Zum Thema Älterwerden hat Swiss Life eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben, die erfragt, wie das selbstbestimmte Leben im Alter heute und in Zukunft gestaltet werden sollte. Andreas Fischer, Direktor Marketing und Kommunikation bei Swiss Life Deutschland, sagt zu den Ergebnissen: „Ein Hauptaspekt dabei ist die Selbstbestimmung und damit der Wunsch, die eigene Entscheidungsfreiheit zu behalten und unser Leben bis ins hohe Alter zu genießen, unabhängig von finanziellen und möglichst auch gesundheitlichen Sorgen oder gesellschaftlichen Konventionen.“

Die gestiegene Lebenserwartung verlängert den Ruhestand

Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahren gestiegen.
Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahren gestiegen.

Ausgangspunkt für die Studie ist die stetig steigende Lebenserwartung der Deutschen, wie sie das Statistische Bundesamt berechnet. Heute haben Frauen zum Zeitpunkt ihres Abschieds aus dem Berufsleben mit 65 Jahren noch 20,9 Jahre ihres Lebens vor sich, bei Männern sind es 17,7 Jahre. In der nahen Zukunft wird die Lebenserwartung weiter steigen: Im Jahr 2060 werden die Seniorinnen im Alter von 65 Jahren eine weitere Lebenserwartung von 25 Jahren oder mehr haben, die Senioren von mindestens 22 Jahren.

Die Wissenschaftler des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung unterscheiden zwischen dem individuellen Altern und dem Altern einer ganzen Bevölkerung.

Für das individuelle Altern stehen diese Faktoren:

  • Der medizinische Fortschritt reduziert Säuglings- und Müttersterblichkeit.
  • Weniger Menschen haben einen Beruf mit körperlich schwerer Arbeit.
  • Der Lebensstil ist allgemein gesünder.
  • Bessere Hygiene und Ernährung führen zu besserer Gesundheit und weniger Krankheiten.
  • Die Menschen wissen, dass Sport sowie körperliche und geistige Aktivitäten wichtig sind.

Die Gesellschaft wird älter, wenn die Kindergenerationen kleiner werden, und dadurch der Anteil der älteren Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung zunimmt. Auch dafür gibt es mehrerer Ursachen:

  • Die Familienplanung ab den 1970er Jahren (die „Pille“) ließ die Geburtenraten sinken.
  • Die Ausbildungszeiten wurden deutlich länger, das Heiratsalter stieg an.
  • Kinder wurden nicht mehr als Arbeitskraft oder Alterssicherung gesehen.

Unser langes Leben: Problem oder Chance?

Die alternde Gesellschaft wird oft als Problem diskutiert – als Belastung für das Renten- und Gesundheitssystem, oder unter dem Blickwinkel drohender Altersarmut. Die meistgenannten Probleme in der Swiss-Life-Studie sind steigende Rentenkosten, der erhöhte Druck auf soziale Einrichtungen und der Druck auf das Gesundheitswesen (befragt wurden Personen aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz).

Doch was sind die Chancen und Vorteile, die sich daraus ergeben, dass wir länger leben? Die Umfrage von Swiss Life ist auch dieser Frage nachgegangen und hat interessante Ergebnisse erbracht. Die Befragten nannten diese Vorteile einer steigenden Lebenserwartung für die Gesellschaft:

  • Die Beziehungen zwischen den Generationen vertiefen sich: Es gibt mehr Kontakte zwischen Kindern und ihren Groß- und Urgroßeltern. Dies meinten mehr als 50 Prozent der Befragten.
  • An zweiter Stelle (von ebenfalls über 50 Prozent der Befragten genannt) stehen die Freizeitmöglichkeiten: Menschen haben nach dem Beginn des Ruhestands mehr Zeit für ihre Engagements und Freizeitaktivitäten.
  • Eine große Gruppe von mehr als 40 Prozent der Befragten sieht einen Gewinn für die Gesellschaft, wenn sich Ältere länger ehrenamtlich und politisch engagieren können.

Wunsch: Den Lebensabend genießen

Den Lebensabend genießen...
Den Lebensabend genießen...

Auch für den Einzelnen ergeben sich Chancen aus der längeren Lebenserwartung. In der Studie zeigt sich das an den Antworten auf die Frage „Worauf freuen Sie sich mit Blick auf den Ruhestand am meisten, was genießen Sie daran am meisten?“

Mehr als 60 Prozent der Befragten sehen den Ruhestand als eine Zeit, in der sie ihre Hobbys pflegen können. Über die Hälfte schätzt die Freiheit, sich ihre Zeit frei einteilen sowie reisen zu können.

Zahlen des Statistische Bundesamts belegen, dass die Senioren heute so aktiv sind wie nie zuvor. So engagieren sich beispielsweise mehr als ein Drittel der Menschen im Alter von 60 bis 69 Jahren sowie immerhin ein Viertel aller über 70-Jährigen ehrenamtlich. Sie sind im kirchlichen und sozialen Bereich tätig oder sie helfen bei der Integration von noch Älteren, sozial Schwächeren und Flüchtlingen. Sie übernehmen Aufgaben in Sport- und Kulturvereinen, arbeiten im Tier- und Umweltschutz mit, sind in Parteien und lokalen Netzwerken aktiv.

Eine weitere Leidenschaft der Senioren ist das Reisen: Mehr als die Hälfte der Senioren ab 65 Jahren verreist mindestens einmal im Jahr. Den Senioren steht heute die Welt offen, die beliebtesten Reiseziele sind Italien, Österreich und Spanien.

Wunsch: Soziale Bindungen und unabhängige Lebensgestaltung

In der Swiss-Life-Studie nennen 44 Prozent der Befragten die besseren Kontaktmöglichkeiten zu Familien und Freunden als einen großen Vorteil des längeren Lebens. Werte, die das Forschungsinstitut Deutsches Zentrum für Altersfragen ermittelt hat, zeigen, dass die Älteren diese Chance nutzen. Entgegen landläufiger Meinung fühlen sich Ältere nicht öfter einsam als andere Altersgruppen, im Gegenteil: Mehr als drei Viertel aller Menschen zwischen 70 und 85 Jahren sagen, ihre Einsamkeit sei „eher gering“. Nur 1,7 Prozent sagen „eher hoch“. Zum Vergleich die 40- bis 54-Jährigen: 67,7 Prozent sind eher wenig einsam, 1,8 Prozent eher sehr einsam.

Ältere Menschen in Deutschland verfügen über ein stabiles Netzwerk aus Verwandten und Freunden, das ihnen hilft, ihre Unabhängigkeit zu bewahren – soziale Bindungen und der Erhalt der Unabhängigkeit sind für sie kein Widerspruch. Der Wunsch, das Leben selbstbestimmt und unabhängig zu gestalten, steht auf der Wunschliste ganz oben. 91 Prozent der von Swiss Life Befragten sagen, die Unabhängigkeit sei ihnen äußerst wichtig oder sehr wichtig.

Wunsch: Arbeitskraft würdigen

Das Rentenalter steigt...das zeigen die Statistiken.
Das Rentenalter steigt...das zeigen die Statistiken.

Das Regelrentenalter in der gesetzlichen Rente ist bereits gestiegen und es wird weiter an der Altersschraube gedreht. So schlägt Bundesfinanzminister Schäuble vor, das Rentenalter auf 70 Jahre anzuheben, um die Rentenkassen zu entlasten. Die zuständige Arbeitsministerin Andrea Nahles lehnt dies zwar ab, aber die Diskussion schwelt weiter. Was meinen die Bürger?

Die Swiss-Life-Studie zum längeren Lebens geht auch dieser Frage nach. Die Antworten:

  • 34 Prozent sagen, sie wollen möglichst jung in Rente gehen, damit sie sich Freizeitaktivitäten und ehrenamtlichen Tätigkeiten widmen können.
  • 33 Prozent wollen zum traditionellen Renteneintrittsalter in Rente gehen.
  • 16 Prozent wollen möglichst lange in ihrem Beruf arbeiten.
  • 13 Prozent möchten bei Erreichen des Rentenaltes mit reduzierter Stundenzahl weiterarbeiten.
  • 4 Prozent wollen sich beruflich neu orientieren, wenn sie das Rentenalter erreichen.

Nimmt man diese Aussagen zusammen, wollen die meisten eher nicht ihre Lebensarbeitszeit verlängern. Doch trotz aller Freude auf den Ruhestand fällt vielen Arbeitnehmern der Abschied vom Beruf schwer – sie verlieren damit ihren strukturierten Tagesablauf, soziale Kontakte und oft auch die Anerkennung und Selbstbestätigung, die ihnen der Beruf gegeben hat. Dagegen hilft es, wenn sich die Neu-Rentner ein soziales Netz aufbauen, indem sie sich ehrenamtlich oder in Vereinen engagieren oder ihr Hobby verstärken. Andere halten den Kontakt zum alten Arbeitgeber, stehen als Berater zur Verfügung oder arbeiten in Teilzeit weiter.

Auch Arbeitgeber sollten sich umstellen: Sie profitieren davon, wenn sie einen gleitenden Übergang ermöglichen. Sie verhindern, dass wertvolles Know-how plötzlich verloren geht, und zeigen ein wertschätzendes Verhalten, das auch bei den jüngeren Kollegen einen guten Eindruck hinterlässt. Werden ältere Mitarbeiter beispielsweise in den Ruhestand gedrängt, kann dies einen negativen Einfluss auf das gesamte Betriebsklima haben.

Rentenversicherung vor Herausforderungen

Die Rentenversicherung steht vor einer neuen Herausforderung.
Die Rentenversicherung steht vor einer neuen Herausforderung.

Die alternde Gesellschaft steht vor besonders großen Herausforderungen, wenn es ans Bezahlen geht. Heute schon versorgen (rechnerisch) zwei Erwerbstätige einen Rentner, in Zukunft wird sich das Verhältnis weiter verschieben. Bei der Frage, wer für die steigenden Rentenkosten aufkommen soll, gibt es in der Studie von Swiss Life interessanterweise große Unterschiede – je nachdem, ob die Befragten in der Schweiz, in Frankreich, Österreich oder Deutschland leben.

In Frankreich und der Schweiz wird zunächst der einzelne Rentner in der Verantwortung gesehen (Nennung von 61 Prozent und 63 Prozent), erst danach der Staat (59 Prozent und 61 Prozent). In Deutschland wird von 76 Prozent der Staat genannt, an zweiter Stelle der Einzelne (47 Prozent). In Österreich sind sogar 85 Prozent der Befragten der Meinung, der Staat sei für steigende Rentenkosten zuständig.

Mehr Lebensqualität im Alter

In allen europäischen Ländern altern die Gesellschaften. Die Lebenserwartung steigt, gleichzeitig werden weniger Kinder geboren – Verschiebungen, die sich auf alle Bereiche des Lebens auswirken. Nicht nur Arbeitswelt, Sozialversicherungen und Gesundheitssystem müssen sich auf die alternde Bevölkerung einstellen, sondern auch Städteplaner, Architekten und Bildungseinrichtungen.

Die längere Lebenserwartung hat viele positive Aspekte für die Gesellschaft, angefangen vom hohen gesellschaftlichen Engagement der Älteren bis hin zu den vertieften Beziehungen zwischen den Generationen. Die einzelnen Bürger freuen sich, wenn sie ihre Selbstständigkeit möglichst lange behalten können, und sind gern bereit, in Verein, Kirche oder im Wohltätigkeitsbereich zu helfen.

Verbände, Wissenschaftler, Politiker, engagierte Bürgerinnen und Bürger, Kommunalverwaltungen und Unternehmen haben viele Vorschläge entwickelt, damit die positiven Aspekte überwiegen und die mit der längeren Lebenserwartung verbundenen Probleme gelöst werden. Nur ein paar Beispiele:

  • Arbeitgeber sollten sich beizeiten auf den demographischen Wandel einstellen und den Beitrag der älteren Kollegen wertschätzen.
  • Kommunale Programme unterstützen Ältere dabei, sich aktiv zu beteiligen.
  • Die öffentliche Infrastruktur sollte benutzerfreundlicher für Ältere gestaltet werden.
  • Kreative Wohnmodelle bewahren die Autonomie des Einzelnen und bieten dennoch Unterstützung und Betreuung.

Wenn diese und weitere Ideen umgesetzt werden, ist das ein großer Gewinn – sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft insgesamt.

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