Darum schauen ihr eine Million Menschen beim Koksen zu

Zu Weihnachten bekommt Nellie ein Tütchen Kokain. "Ich hätte jetzt gerne Sex", ist ihre erste Reaktion.
Zu Weihnachten bekommt Nellie ein Tütchen Kokain. "Ich hätte jetzt gerne Sex", ist ihre erste Reaktion.

Amsterdam - Ein Labor, das aussieht wie unser alter Chemieraum, zwei junge Erwachsene. Nellie Benner beugt sich über den Tisch und schnupft eine Kokain. Und fast eine Million Menschen sehen ihr dabei zu - auf dem staatlichen Jugend-Fernsehsender BNN.

Ecstasy, Ketamin, DMT, LSD, Kokain oder Speed. Die Moderatorin der Sendung Drugslab hat alles schon probiert. Und wenn nicht sie, dann ihre Kollege Rens oder Bastiaan. Ihr Job ist es, den Zuschauern die Wirkung und Zusammensetzung von Drogen aller Art näher zu bringen.

Und wie sollte man darüber berichten, wenn man es nicht selbst probiert hat? So zumindest die Intention hinter der Sendung. Alles findet natürlich nur "im Namen der Wissenschaft" statt.

"Auf der ganzen Welt interessieren sich Menschen für Drogen. Genauso wie wir", erklären die Moderatoren zu Beginn eines der zehnminütigen Clips. "Wir probieren es für Euch aus, damit Ihr es nicht tun müsst."

Die Zuschauer erfahren, wie schlecht oder gut es einem geht, wenn man dieses oder jenes genommen hat. Wie schlimm der Tag danach ist, wie die Moderatoren Angst- oder manchmal auch Glückszustände erleben.

Kurz nachdem Nellie gekokst hat, kann sie nur noch an eines denken. "Ich hätte jetzt gerne Sex", sagt sie kichernd. Als sie hingegen die getrocknete Pflanze Salvia raucht, bekommt sie einen echte Panikattacke.

Nellie und Renn beim Speed-Testing.
Nellie und Renn beim Speed-Testing.

Doch würden sie wirklich alles nehmen? Haben die drei nicht manchmal Angst?

Zwei Dinge sind von vorherein Tabu: Crystal Meth und Heroin. Beides einfach zu gefährlich. Auch kommen die Drogen aus "seriösen" Quellen und werden vor dem Konsum von Experten doppelt auf ihre Inhaltsstoffe kontrolliert.

Auch versteckt sich, für die Zuschauer nicht sichtbar, immer ein Mediziner mit im Studio. So geht der Sender auf Nummer sicher, dass den beiden nichts passiert.

Trotzdem: Verständlicherweise erntet die Show nicht nur Zuspruch. Viele kritisieren, dass die jugendlichen Zuschauer durch die Show erst auf manche Substanzen aufmerksam gemacht werden.

Auch wird der Rausch-Zustand oft ziemlich positiv dargestellt. Wenn Rens Ecstasy probiert tanzt er seelig durchs Labor, die beiden lachen und haben Spaß. Und der wird auch noch vom Staat finanziert, denn der Kanal BNN (Barts Neverending Network) ist ein öffentlich-rechtlicher Sender.

Die Macher sind jedoch fest davon überzeugt, mit dem Format mehr aufzuklären als zu motivieren.


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