YouTube wird sterben, behaupten viele Stars im Netz

Brüssel - "YouTube wird es bald nicht mehr geben", "Millionen YouTube-Konten werden gelöscht". Unter solchen oder ähnlichen Namen machen derzeit viele Videos bei YouTube die Runde.

YouTube-Chefin Susan Wojcicki.
YouTube-Chefin Susan Wojcicki.  © DPA

Unter #saveyourinternet wird erklärt, dass wegen Artikel 13 der geplanten europäischen Urheberrechts-Richtlinie gravierende Einschnitte bei YouTube drohen.

Wegen möglicher Urheberrechtsverstöße drohten Millionenklagen. Würde etwa auf einem privaten Kanal Musik oder ein Foto verwendet, das gegen Urheberrecht verstößt, droht dem Unternehmen YouTube eine Klage.

Bisher muss YouTube erst reagieren, wenn sie auf den Verstoß aufmerksam gemacht werden.

YouTube-Chefin Susan Wojcicki rief deshalb die Nutzer der Plattform zum Protest auf und lieferte die Argumente gleich mit: "Der Vorschlag könnte Plattformen wie YouTube zwingen, nur Inhalte von einer Handvoll großer Unternehmen zuzulassen".

Mit diesen Unternehmen (wie großen TV-Sendern und Zeitungsverlagen) könnte YouTube so genannte Lizenzvereinbarungen abschließen, um sich abzusichern.

Wegen der drohenden Haftung könne es für die Online-Dienste zu riskant werden, auch kleinere Inhalte-Anbieter ihr Material hochladen zu lassen. Die Neuregelung würde das Internet, wie man es heute kennt, "drastisch verändern". "Millionen Menschen" könnte die Möglichkeit genommen werden, ihre Inhalte weiter bei YouTube hochzuladen.

So würden viele der heute bekannten YouTuber bald nicht mehr existieren, Millionen Konten einfach gelöscht werden, weil YouTube technisch nicht in der Lage wäre, jeden einzelnen Upload genau nach Urheberrechtsverletzungen zu überprüfen.

Artikel 13: Panikmache oder reale Gefahr?

Künftig könnte es schwieriger werden, Inhalte bei YouTube hochzuladen.
Künftig könnte es schwieriger werden, Inhalte bei YouTube hochzuladen.  © DPA

Wird es YouTube wie wir es kennen tatsächlich bald nicht mehr geben?

So drastisch wird es wohl nicht werden. Es ist aber wahrscheinlich, dass sich künftig einiges bei Plattformen wie YouTube ändern wird. Der Aufruf von YouTube gegen Artikel 13 zu protestieren ist daher vor allem Lobbyarbeit in einem Gesetzgebungsprozess.

Fakt ist zunächst: Noch steht gar nicht fest, wie der Artikel 13 überhaupt genau aussehen wird. Es handelt sich derzeit um einen Gesetzesvorschlag (hier steht der gesamte aktuelle Text), über den noch diskutiert wird.

So gibt es Stimmen, die jene Unternehmen, die bereits Upload-Filter einsetzen, von den Neuerungen ausnehmen würden. Damit wäre YouTube aus dem Schneider.

Die andere Seite möchte diese Ausnahme nicht machen. Allerdings zeichnet sich noch nicht ab, welche der beiden Positionen sich in der endgültigen Fassung von Artikel 13 durchsetzen wird.

Nutzer müssten nach Ansicht der Piratenpolitikerin im EU-Parlament Julia Redas in jedem Fall aber damit rechnen, dass Uploadfilter ihre Inhalte häufiger als bisher blockieren. Außerdem müssten kleinere Plattformen ebenfalls derartige Filter installieren und Lizenzvereinbarungen schließen. Das sei für viele allein aus wirtschaftlicher Sicht nicht möglich.

Die Möglichkeit, eigene Inhalte hochzuladen, dürfte daher vielfach eingeschränkt werden. Dass es allerdings zu einem Massensterben von Youtubekanälen kommen wird, ist so noch nicht abzusehen.

Ein Sprecher der EU-Kommsion erklärte dazu: Der Gesetzesvorschlag der EU-Kommission ziele nicht auf YouTuber (wie Bibi & Co.) oder auf andere Plattformen.

"Sie werden weiterhin in der Lage sein, das zu tun, was sie heute tun, etwa Anleitungen oder andere kreative Inhalte hochladen." Stattdessen solle die Position von Rechteinhabern gestärkt und ihre Inhalte besser vergütet werden. Derzeit würden EU-Staaten und Europaparlament über eine ausgewogene Reform verhandeln.

Viele Youtuber fürchten, dass die Plattform durch den neuen Artikel untergeht.
Viele Youtuber fürchten, dass die Plattform durch den neuen Artikel untergeht.

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