Dieses Dorf hat Dresden zur Stadt gemacht

Pfarrer Gerold Heinke (55): "Die Bedeutung Zadels für Dresden stützt den starken Lokalpatriotismus sicher noch mehr."
Pfarrer Gerold Heinke (55): "Die Bedeutung Zadels für Dresden stützt den starken Lokalpatriotismus sicher noch mehr."

Von Hermann Tydecks

Dresden - Die meisten Dresdner haben noch nie von Zadel gehört, einem verschlafenen Nest nördlich von Meißen. Dabei verdankt Dresden dem 166-Seelen-Dorf seinen verbrieften Aufstieg von der Sumpfsiedlung zur Stadt vor 800 Jahren!

"Wer seine Zukunft gestalten will, muss seine Wurzeln kennen", sagte OB Dirk Hilbert (44, FDP) am Donnerstag im Stadtarchiv.

Dort wurde eine der bedeutendsten Urkunden der Dresdner Geschichte präsentiert: Auf dem Pergament (vermutlich aus Schafhaut) vom 21. Januar 1216 finden sich die lateinischen Worte: "in civitate nostra Dreseden". Heißt soviel wie "in unserer Stadt Dresden".

Erstmals ist damit das Stadtrecht für Dresden verbrieft und damit der Beginn einer arbeitenden Stadtverwaltung, die Dirk Hilbert 800 Jahre später anführt.

"Mit Kirche, Weingütern und Bergen, mehreren Lehrpfaden und einem kleinen Heimatmuseum haben wir einiges zu bieten", sagt der aus Zadel stammende Martin Hammer (67).
"Mit Kirche, Weingütern und Bergen, mehreren Lehrpfaden und einem kleinen Heimatmuseum haben wir einiges zu bieten", sagt der aus Zadel stammende Martin Hammer (67).

Doch ohne Zadel gäbe es die Urkunde gar nicht!

Der eigentliche Zweck des Papiers: Mit ihm ging die kleine Bauernsiedlung in den Besitz der Wettiner über.

Der Meißner Markgraf Dietrich "der Bedrängte" übertrug Zadel und seine Güter an das Kloster Zelle (heute Altzella) bei Nossen, dem Hauskloster der Wettiner - und schrieb damit auch Dresdner Geschichte!

Und das kleine Dörfchen an der Elbe existiert noch heute, gehört zur Gemeinde Diera-Zehren. "Ich war schon mal da zu einer Feier", sagt OB Hilbert.

"Wir danken dem Ort, da wir mit ihm unsere Geschichte dokumentieren konnten!"

Darüber freut sich auch Zadel-Oberhaupt und Gemeinde-Bürgermeisterin Carola Balk (53): "Ein erhebendes Gefühl, dass Zadel für Dresden so bedeutend ist."

Anwohner Martin Hammer (67): "Ich hoffe, dass unser schönes Zadel am Elberadweg nun bekannter wird, mehr Besucher kommen."

Die St. Andreas Kirche oder der Weingutshof des Prinzen zur Lippe (mit Vinothek und Restaurant) sollen einen Besuch wert sein.

Prinzessin und Prinz zur Lippe: "Die Zadeler sind engagiert und verwurzelt in alten Traditionen."
Prinzessin und Prinz zur Lippe: "Die Zadeler sind engagiert und verwurzelt in alten Traditionen."
Sie hat in Zadel das Sagen: Carola Balk, Bürgermeisterin der Gemeinde Diera-Zehren im Landkreis Meißen.
Sie hat in Zadel das Sagen: Carola Balk, Bürgermeisterin der Gemeinde Diera-Zehren im Landkreis Meißen.

Fotos: Petra Hornig (4), Thomas Türpe (1)


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