Die ganze Wahrheit über die schockierende PEGIDA-Grafik

Auf diese Grafik der Landesdirektion Sachsen bezog sich Lutz Bachmann (42). Sie war aber missverständlich.
Auf diese Grafik der Landesdirektion Sachsen bezog sich Lutz Bachmann (42). Sie war aber missverständlich.

Von Torsten Hilscher und Dirk Hein

Dresden - Große Aufregung um eine von PEGIDA gepostete offizielle Grafik. Der Post wurde mehr als 1000 Mal geteilt und hitzig diskutiert.

Demnach sind in Sachsen von 31.096 abgelehnten Asylbewerbern unglaubliche 24.787 untergetaucht. MOPO24 fragte nach. „Ja, die Fakten stimmen. Die Grafik stand auf unserer Homepage", bestätigte Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion Sachsen.

Aber wie kann das sein? Insgesamt lebten zum Stichtag 30. Juni 2015 nur 22.154 Asylbewerber in Sachsen. Also können doch unmöglich deutlich mehr ausreisepflichtig sein, als überhaupt da sind.

Die verbesserte Grafik mit Fußnote, dass sich die Zahlen summiert auf 24 Jahre beziehen.
Die verbesserte Grafik mit Fußnote, dass sich die Zahlen summiert auf 24 Jahre beziehen.

"Allerdings waren die Fakten missverständlich dargestellt", so Felber. Denn es handelt sich bei der Zahl um die Summe aller abgelehnten und verschwundenen Asylbewerber seit 1991.

Die Flüchtlinge sind somit nicht aktuell in Sachsen „untergetaucht", sondern gingen innerhalb der letzten 24 Jahre "verloren". Das sind jährlich 1000.

Entsprechend wurde dieser Zeitraum in der neuen Grafik mit einer Fußnote klargestellt, und außerdem wurde das missverständliche "untergetaucht" in "unbekannter Aufenthaltsort" geändert.

„Dieser Umgang mit Zahlen war leichtsinnig“, rügt Christian Hartmann (41), Innen-Experte der CDU, die Fehler der Landesdirektion. Die überarbeiteten Grafiken stehen hier auf der Homepage der Landesdirektion Sachsen.

Alle Asylbewerber mit unbekanntem Aufenthaltsort erhalten übrigens keine Leistungen des Staates mehr.

Fotos: dpa, sachsen.de, Harry Haertel


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