Merkel-Dämmerung: Dieser Sachse will ihr Asyl geben

Von Björn Strauss

Mainz/Berlin - Freitagabend wird flink durch die Woche "gehetzt". Zumindest im ZDF bei Oliver Welke, der regelmäßig politische Umstände der Woche Revue passieren lässt. Seine Satire-Show kommt an - Millionen Bürger des Landes schauen zu, wenn "herausragende" Politiker mit Welke'scher Häme überschüttet werden.

Oliver Welke (52) und Olaf Schubert (50) im Disput über Angela Merkels Zukunft.
Oliver Welke (52) und Olaf Schubert (50) im Disput über Angela Merkels Zukunft.  © ZDF/heuteShow

Als das politische Groko-Berlin in dämmriger Missionarsstellung vor sich hinträumte, bot sich dem ulkigen Welke sonst oft nur die AfD als Gag-Geber an.

Traf es im Allgemeinen also die AfD und Trump, bekam am Freitagabend die nahezu führer*Innnenlose CDU - und im Besonderen (Noch-)Kanzlerin Merkel - ihr Fett weg. Und das war ein spritziges Merkel-Feuerwerk, welches da gezündet wurde...

Klar, es ist DIE Steilvorlage für jeden Späßlemacher im Lande, wenn Angela Merkel "Ihren" Vorsitz der CDU beiseite legt.

Sie will zwar noch durchhalten bis ins Jahr 2021, aber wer offenen Auges durch Kommentare, Kleinanzeigen oder Berichte geht, spürt - das wird wohl nix.

Nun hat sich die "heute-show" den schleichenden Rücktritt der Bundeskanzlerin auf die Agenda2021 geschrieben. Schließlich tut sich "plötzlich was in der Union, nach 18 Jahren Wachkoma". Das lässt sich ein Welke nicht vom Pausenbrot nehmen.

Welke und Schubert im Merkel-Disput

"Kramp-Karrenbauer muss weg" - wäre "zu lang auf Transparenten", meint Dennis Knossalla.
"Kramp-Karrenbauer muss weg" - wäre "zu lang auf Transparenten", meint Dennis Knossalla.  © ZDF/heuteShow

Vom vorhersagbaren Gag bis hin zu grenzwertiger Breitseite war alles dabei. Schließlich vergisst die "Lügenpresse" nichts - auch nicht Merkels Schlag gegen Schröder, als dieser seinen Partei-Vorsitz dereinst ablöffelte... "Als Kanzler Schröder damals den SPD-Vorsitz abgeben musste, da hat ein junger Zonen-Backfisch völlig zu Recht gefragt", leitet er eben jenen Merkel- Beitrag aus dem Jahre 2004 ein, als sie Schröders Parteivorsitz-Verzicht kritisierte.

Nicht nur die arme Merkel musste dran glauben. Auch die aufstrebenden Vielleicht-Vorsitzenden Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz.

Offenbar hat Welke aber seinen Narren an Spahn gefressen, denn Kramp-Karrenbauer wäre eh zu lang, um sie auf Plakaten der Besorgten zu verewigen ("Kramp-Karrenbauer muss weg" - wäre in der Tat "zu lang auf Transparenten").

Und bei Merz ging's ab unter die Gürtellinie: Merz stehe "für die alte CDU. Als das noch eine Jungs-Partei war, bevor die olle Merkel den Laden komplett kastriert hat. Jetzt kommt die Rache der Penisse. Man hat's ja versucht mit einer Frau, es hat nicht funktioniert."

Und dann wurde es heftig-ostdeutsch:

Olaf Schubert musste ran an den Speck. Was bleibt von der Ära Merkel? Schubert: "Es bleiben drei Schränke voller Hosenanzüge." Geschenkt.

Weiter erklärt der Ossi: "13 Jahre! Was wird heute noch über den Hitler geredet, bei dem waren es zwölf. Man muss auch mal anerkennend sagen: Am Ende von Merkels Regierungszeit ist Deutschland insgesamt in einem besseren Zustand als damals 1945."

Schubert: "Die Lücke, die Frau Merkel hinterlässt, muss man erst mal finden."
Schubert: "Die Lücke, die Frau Merkel hinterlässt, muss man erst mal finden."  © ZDF/heute show

Aber ein Schubert wäre kein Schubert, wenn er nicht auch lieblich-positive Worte gefunden hätte. "Dass sie jetzt geht, das geht mir schon ans Herz. Das ist komisch, denn bis dahin ging sie mir immer auf den Sack." Freiwillig sei sie schließlich gegangen - "nach intensiver Aufforderung" zumindest.

Schubert glaubt gar, Merkels angekündigter Abgang sei eine Finte. "Sie will die Großmäuler aus der Reserve locken. Und jetzt werden die irgendwo in Brandenburg im CDU-Gulag interniert und Merkel regiert weiter, bis selbst die Junge Union verrottet ist."

Außerdem sagte der sächsische Strickwaren-Clown: "Die Lücke, die Frau Merkel hinterlässt, muss man erst mal finden."

Und zum Schluss gibt sich Olaf heimisch-versöhnlich: "Frau Merkel, Sie können sich bei mir jederzeit verstecken. Ich meine nicht in der Wohnung, eine Frau in dem Alter macht ja auch Arbeit. Aber hinter dem Haus haben wir einen kleinen Garten. Kaum Wölfe..." Das waren ernsthaft unterhaltsam flinke 39 Minuten Polit-Satire im ZDF, die über 4,51 Millionen Zuschauer sahen! Kein anderer Sender erreichte an diesem Abend einen so guten Wert.

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