Wie viel schwarzer Humor darf's im ZDF sein?

Mittvierziger Frank Sporbert (Mark Ben Puch) und die 19-jährige Sascha (Laura Berlin) beschließen auszusteigen...
Mittvierziger Frank Sporbert (Mark Ben Puch) und die 19-jährige Sascha (Laura Berlin) beschließen auszusteigen...  © ZDF/Daniela Incoronato

München - Nach dem grandiosen "Hindafing" im BR (TAG24 berichtete) versucht nun ZDFneo, schwarzen Humor in eine Produktion zu packen. Die Folgen stehen schon allesamt in der Mediathek. TAG24 hat sich die dramatische Komödie vorab angeschaut!

Mittvierziger Frank (Marc Benjamin Puch, "Türkisch für Anfänger") hat alles erreicht, was er erreichen wollte - und fühlt sich gefangen in seinem Leben.

Die 19-jährige Sascha (Laura Berlin, "Liebe geht durch alle Zeiten") sucht unter dem Druck ihrer Eltern noch ihren Weg - und weiß wie Frank nicht, wie viel Zukunft ihr überhaupt noch lieb ist.

Die ZDFneo-Serie "Blaumacher" bringt die beiden ab Mittwoch (7. Juni, 21.45 Uhr) in sechs Folgen zusammen und versucht sich mit schwarzem Humor und einer Mini-Portion Drama an den großen Fragen des Lebens.

Frank (Marc Ben Puch) beschreibt, dass er sich zunehmend unsichtbar fühlt; nicht wahrgenommen und übergangen von seinem Umfeld.
Frank (Marc Ben Puch) beschreibt, dass er sich zunehmend unsichtbar fühlt; nicht wahrgenommen und übergangen von seinem Umfeld.  © ZDF/Daniela Incoronato

Los geht's mit einem lauten Knall. Doch als Frank im Keller liegt und seine Hand ableckt, schmeckt er selbst gemachte Erdbeer-Rhabarber-Marmelade statt Blut; er ist gerade am Selbstmord mit einer Schrotflinte gescheitert.

"Wenn man damit nicht trifft, will man nicht sterben", wirft ihm Sascha an den Kopf, als sie plötzlich vor der Haustür ihres Nachbarn steht.

Die beiden kennen sich bisher nicht und ahnen damit auch wenig von den Problemen des anderen. Während der eine nicht weiß, wie er seinem Leben noch einmal Pep verleihen soll, fällt Sascha schon der Start schwer. Wie Frank spielt auch die 19-Jährige mit Selbstmordgedanken. Die beiden sind sich schnell sympathisch und entdecken ihre gemeinsame Sympathie für die Band Nirvana.

Sascha gibt Frank wieder das Gefühl, wahrgenommen zu werden. Das alles führt aber zu einem neuen Problem.

Carmen (Lisa Martinek) kommt mit Einkäufen nach Hause und ist erstaunt über Gesang aus ihrem Haus.
Carmen (Lisa Martinek) kommt mit Einkäufen nach Hause und ist erstaunt über Gesang aus ihrem Haus.

Und zwar erst einmal nur zu einem - das ist für die kurze Serie mit gerade einmal sechs halbstündigen Episoden sehr gut. Es gibt eine überschaubare Zahl an Personen und auch nicht zu viele Stränge, die miteinander verknüpft werden müssen.

Doch leider nutzt die Serie der Regisseure Pia Strietmann ("Tage, die bleiben") und Maurice Hübner ("Kimono") diesen Raum nicht, um der Geschichte und den Charakteren die nötige und mögliche Tiefe zu verleihen.

Stattdessen wirkt in "Blaumacher" alles etwas diffus. Das Drehbuch von Bernd Lange und Sebastian Heeg pendelt zwischen schön-schwarzem bis etwas albernem Humor und Zügen eines Dramas. Große Themen wie Erfolgsdruck, Doppelmoral, die Midlife-Crisis und der Sinn des Lebens werden dadurch nur oberflächlich angeschnitten.

Am auffälligsten wird das an den beiden Hauptdarstellern Frank und Sascha. Deren Gefühle, die zwischen Selbstmordgedanken und der Lust schwanken, doch noch mal aus den Ketten des Alltags auszubrechen und sich wie ein Rockstar zu fühlen, erscheinen nicht glaubwürdig.

Oder erlebt man vielleicht genau diesen Zustand, wenn das Leben ein Gefängnis geworden ist und alles in einem nach Abenteuer und Rebellion ruft?


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