Straftäter züchten Schnecken im Gefängnis

Im Gefängnis Zeithain werden auch Weinbergschnecken gezüchtet.
Im Gefängnis Zeithain werden auch Weinbergschnecken gezüchtet.  © DPA

Zeithain - Mauer-Kunst, Bienenzucht, Drogenentzug: In einem Gewerbegebiet an der Bundesstraße 98 nordöstlich von Riesa (Landkreis Meißen) bekommen verurteilte Straftäter die Chance, ihre Sucht hinter Gittern zu bekämpfen.

Die Justizvollzugsanstalt Zeithain gilt nicht nur deshalb als Vorzeigeeinrichtung. Dank einer Fülle von Angeboten und Maßnahmen ist das Anstaltsklima gut, sagt Pressesprecher Benno Kretzschmar. Am Montag (11. Dezember) wird das 40-jährige Bestehen des Gefängnisbaus gefeiert, in dem es heute innovative Angebote gibt.

Wichtigste Besonderheit ist die Therapiestation für Crystal-Abhängige mit 20 Plätzen, bei ihrer Eröffnung 2014 die erste in Deutschland. Die Behandlung beruht auf Freiwilligkeit, Häftlinge müssen sich um einen Platz in den beiden Wohngruppen bewerben. "Es ist fast eine Einladung für Abhängige, die Haftzeit sinnvoll zu nutzen." Jeweils zehn Betroffene leben anfangs im separat abgegrenzten, später in einem offenen Bereich. "Das Interesse übersteigt das Angebot", sagt Kretzschmar.

Die meisten Teilnehmer sind zwischen 28 und 40 Jahren alt. Der bisher Älteste war 54, der Jüngste 26. Die meisten sind von Crystal Meth abhängig, aber auch Cannabis und Heroin gehören zur Suchtpalette, ebenso wie Rauchen, Alkohol und Glücksspiel. Vielfach gibt es eine Mehrfachabhängigkeit. Bedingung für die Aufnahme zur Therapie ist der klare Verzicht.

In einem bundesweit einmaligen Kreativzentrum können sich Häftlinge künstlerisch betätigen, von Malerei über Literatur und Meditation, Musik und Theater bis Handarbeit. Das Angebot motiviere auch Gefangene zu positiver Veränderung, die sonst nur schwer erreichbar seien, lobt Justizminister Sebastian Gemkow (CDU). Zeithain sei Vorreiter eines modernen, behandlungsorientierten und sicheren Justizvollzugs.

Mit Kunst-, Kreativ-, Garten- und Tiertherapie ist das zu DDR-Zeiten errichtete Gefängnis mit 395 Haftplätzen eine der innovativsten Anstalten in Deutschland. 1991 bis 2007 war es für Jugendliche zuständig, aktuell verbüßen dort rund 370 Männer zwischen 21 und 63 Jahren Haftstrafen bis fünf Jahre - betreut von 165 Mitarbeitern.

Laut Kretzschmar arbeiten 70 Prozent der Gefangenen. Fast jeder dritte Insasse betätigt sich in der Freizeit künstlerisch. Im offenen Vollzug kümmern sich Häftlinge um einen Garten, dessen Erträge in einem Hofladen angeboten werden. Andere hüten Schafe, betreuen Hühner und Kaninchen. Selbst Weinbergschnecken werden hinter Gittern gezüchtet und mit Erfolg verkauft.


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