Wichtiger Zeuge liegt tagelang tot auf Toilette

Kiel - Unvorstellbare Justizpanne! Ein geladener 70 Jahre alter Zeuge erschien nicht beim Prozess am Amtsgericht Kiel. Nach drei Tagen wurde er tot auf einer Toilette in dem Gebäude gefunden.

Ein geladener Zeuge lag mehrere Tage tot auf einer Toilette im Amtsgericht Kiel.
Ein geladener Zeuge lag mehrere Tage tot auf einer Toilette im Amtsgericht Kiel.  © dpa/Carsten Rehder

Als Todesursache vermuten die Behörden einen Herzinfarkt, wie die Kieler Nachrichten berichten.

Eine Gerichtssprecherin habe der Zeitung bestätigt, dass der Mann am Montag vergangener Woche als Zeuge eines Strafprozesses geladen gewesen sei.

Erst am Donnerstag nach dem Reformationstag sei die Leiche auf einer Toilette im Gerichtsgebäude gefunden worden.

Einem Wachtmeister sei aufgefallen, dass eine WC-Kabine tagelang verschlossen war.

Die Hauptverhandlung war der Sprecherin zufolge vom Richter abgesagt worden, weil der Angeklagte nicht erschienen war, so die Kieler Nachrichten.

Beim Aufrufen der Zeugen sei auch aufgefallen, dass der 70-Jährige fehlte. Man habe in den folgenden Tagen versucht, den Mann telefonisch zu erreichen.

Eine Obduktion solle Klarheit über die Todesursache bringen. Eine Vermisstenmeldung in dem Fall lag der Polizei laut Bericht nicht vor.

Der Mann lag drei Tage tot in einer geschlossenen WC-Kabine (Symbolbild).
Der Mann lag drei Tage tot in einer geschlossenen WC-Kabine (Symbolbild).  © 123RF

Update, 11.19 Uhr: Justiz zieht Konsequenzen

Beate Flatow, Vizepräsidentin des Amtsgerichts, bestätigte den Vorfall am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Justiz habe bereits Konsequenzen gezogen, sagte Flatow: "Der Wachdienst wird künftig täglich alle öffentlich zugänglichen Räume, insbesondere die Toiletten, kontrollieren."

Der 70-Jährige sollte am 29. Oktober in einem Prozess aussagen und wurde erst am 1. November von einem Wachtmeister in einer abgeschlossenen Toilettenkabine entdeckt.

Eine Obduktion des Leichnams wurde angeordnet. Das Ergebnis lag am Dienstagvormittag noch nicht vor, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel sagte.

Der Zeuge hätte in einem Prozess gegen einen Beschuldigten aussagen sollen, der wegen fingierter Autounfälle angeklagt war.

Frühere Wasserrohrbrüche in den Toiletten dürften laut Flatow der Grund gewesen sein, warum dem täglichen Putzdienst die abgeschlossene Toilettenkabine nicht verdächtig vorgekommen sei.

"Die Putzkräfte glaubten, dass es wieder einen Rohrbruch gegeben hätte und deshalb die Kabine sicherheitshalber abgeschlossen war."

Update, 11.49 Uhr: Obduktionsergebnis

Die Obduktion ergab, dass der Mann an einem Herzinfarkt gestorben sein dürfte, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel am Dienstag mit.

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