Bei Schanzenfest-Randale durch Polizeiknüppel verletzt: Mann verklagt Stadt

Hamburg - Das Hamburger Landgericht verhandelt am Dienstagvormittag über eine Zivilklage gegen die Polizei. Dabei geht es um einen Zwischenfall am Rande des Schanzenfestes im Jahr 2009.

Nach dem Schanzenfest im Jahr 2009 gab es Angriffe auf Polizisten.
Nach dem Schanzenfest im Jahr 2009 gab es Angriffe auf Polizisten.  © dpa/Bodo Marks

Ein Besucher der Veranstaltung klagt gegen die Stadt Hamburg und verlangt nach Angaben eines Gerichtssprechers mindestens 230.000 Euro an Schmerzensgeld und Entschädigung für Verdienstausfall.

Ein Beamter einer vorbeieilenden Polizeieinheit habe ihn am 13. September 2009 mit einem Schlagstock so stark verletzt, dass er dauerhaft arbeitsunfähig sei, begründet der heute 45-Jährige seine Klage.

Die Stadt bestreitet nach Angaben des Gerichts, dass einer der Polizisten dafür die Verantwortung trägt. Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren sei eingestellt worden.

Das links-alternative Straßenfest war zunächst friedlich verlaufen.

Dann hatte eine Gruppe von etwa 200 Personen überraschend eine nahegelegene Polizeiwache mit Steinen und Böllern angegriffen und sich auf der Flucht unter die Festbesucher gemischt, wie ein Polizeisprecher damals erklärte.

Die Polizei räumte daraufhin mit Wasserwerfern die Veranstaltung vor dem Autonomentreff Rote Flora. Randalierer bewarfen die vorrückenden Beamten mit Flaschen und Steinen und bauten Barrikaden.

Bei den Ausschreitungen nach dem Schanzenfest 2009 wurden Barrikaden errichtet und angezündet.
Bei den Ausschreitungen nach dem Schanzenfest 2009 wurden Barrikaden errichtet und angezündet.  © dpa/Kay Nietfeld

Update, 14.47 Uhr: Aus dem Gericht

Der Kläger erklärte am Dienstag vor Gericht, er habe in der Nacht zum 13. September 2009 an dem linksalternativen Schanzenfest vor der Roten Flora teilgenommen. Plötzlich seien die Teilnehmer alle vor der Polizei weggelaufen.

Er sei jedoch in einer Seitenstraße stehen geblieben und habe plötzlich einen kräftigen Schlag auf den Kopf bekommen. "Ich habe gedacht, ich bin tot, und bin umgefallen", sagte der 45-Jährige.

Der Mann erlitt nach Angaben eines Gerichtssprechers ein offenes Schädel-Hirntrauma. Wegen der gesundheitlichen Folgen habe er eine Umschulung zum technischen Zeichner abbrechen müssen.

Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. Laut Gerichtsmedizin könnte die Verletzung von einem Schlagstock stammen.

Der Kläger sagte vor Gericht, er habe vor dem Schlag nur eine "schwarze Wand" gesehen, eine Einheit von komplett schwarz gekleideten Polizeibeamten. Er selbst habe auf dem Fest etwas Alkohol getrunken und sei "angetüdelt" gewesen.

Eine Freundin des Klägers, die damals mit ihm das Fest besucht hatte, bestätigte, dass es einen Polizeieinsatz gab. Sie hatte den konkreten Vorfall aber nicht beobachtet, weil sich die beiden aus den Augen verloren hatten.

Die 36-jährige Lehrerin bekräftigte, dass die Beamten komplett dunkel gekleidet gewesen seien, inklusive der Helme.

Das Gericht will seine Entscheidung am 1. März verkünden.

Titelfoto: dpa/Bodo Marks

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Hamburg:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0